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Sonntag, 6. Dezember
Programmwoche 50/2015
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6:04
VPS 06:05

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Entdecker, Gold und Sklaven

Das ehemalige Weltreich Portugal

Ganzen Text anzeigenLissabon, erbaut auf sieben Hügeln, ist die Heimat der Poeten, des Fado und der Saudade, jenes ganz eigenen portugiesischen Lebensgefühls, jener seltsamen Melancholie.

Lissabon war einst die Hauptstadt eines Weltreichs mit Kolonien auf drei Kontinenten: Afrika, Asien ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenLissabon, erbaut auf sieben Hügeln, ist die Heimat der Poeten, des Fado und der Saudade, jenes ganz eigenen portugiesischen Lebensgefühls, jener seltsamen Melancholie.

Lissabon war einst die Hauptstadt eines Weltreichs mit Kolonien auf drei Kontinenten: Afrika, Asien und Amerika. Portugal war im 16. Jahrhundert die Weltmacht Nummer eins, man bezeichnet es heute als das "Goldene Zeitalter" Portugals.

In Marokko, der einstigen Kornkammer Afrikas, begann Anfang des 15. Jahrhunderts das Goldene Zeitalter Lusitaniens. 1415 wurde Ceuta erobert, wenig später kamen weitere Städte hinzu, darunter Essaouira, "die Vollendete". Hier lag einmal der größte Hafen Nordafrikas. Essaouira war ein Handelszentrum für Zucker und Salz, Kupfer und Gold. Es war ein lukrativer Handel, dessen Gewinne weitere Entdeckungsreisen Portugals finanzierten.

So entdeckten die Portugiesen auch die 1.000 Meilen vom europäischen Festland entfernt gelegenen Azoren. Angra de Heroismo, die Hauptstadt der Azoren, wurde zum Versorgungshafen für die Entdeckungsreisen, zur Zwischenstation für mit Schätzen beladene Karavellen, zum Knotenpunkt zwischen vier Kontinenten. Die Vielzahl der Kirchen und Klöster dort lässt erahnen, wie sehr die katholische Kirche von den Eroberungszügen profitierte.

Eine der ersten Eroberungen Portugals in Brasilien war die Stadt Olinda. Zuckerrohrplantagen waren die Quelle des Reichtums dieser Stadt. Sklaven, aus Afrika verschleppt, dienten als billige Arbeitskräfte. Je mehr die Europäer die Neue Welt vereinnahmten, desto größer wurde ihre Begierde nach diesen Sklaven. Ohne deren erbarmungslose Ausbeutung hätte die Eroberung des neuen Kontinentes wohl nicht stattgefunden: 12,5 Millionen Afrikaner sind bis zum 19. Jahrhundert Richtung Amerika deportiert worden.

Auch im brasilianischen Ouro Preto wurden Sklaven in Ketten ausgestellt und an reiche Minenbesitzer verkauft. Im Inneren der Kirche Nossa Senhora do Pilar ist überall zu sehen, was die Stadt so reich machte: Nahezu 400 Kilogramm Blattgold wurden auf die Figuren und Holzschnitzereien aufgetragen. All das Gold wurde durch Sklavenarbeit aus den Bergwerken geholt. 20 Prozent seines Fundes musste ein Minenbesitzer an das Königshaus in Lissabon abgeben.

Doch mit der Zeit verfiel die Macht Portugals, Unruhen in den Kolonien führten zu Abspaltungen. Über das Goldene Zeitalter seines Heimatlandes schrieb der Dichter Fernando Pessoa: "Als das portugiesische Weltreich verging, galt die Trophäe mehr als ein Sieg, das Zitat mehr als das Original und die glorreiche Erinnerung mehr als die unsichere Zukunft ..."

Redaktionshinweis: Am Thementag "In 24 Stunden um die Welt" reist 3sat mit Max Moor zu den schönsten Welterbestätten der UNESCO.


(ARD/SWR)


6:49
VPS 06:50

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Die Eroberung der neuen Welt - Das Spanische Weltreich


Ganzen Text anzeigenMexiko City, eine der größten Städte der Welt mit weit mehr als 23 Millionen Menschen, ist Ausgangspunkt für Max Moors Filmerzählung über die Eroberungen der spanischen Konquistadoren.

Mexiko City hieß ursprünglich Tenochtitlán und war die Hauptstadt der ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenMexiko City, eine der größten Städte der Welt mit weit mehr als 23 Millionen Menschen, ist Ausgangspunkt für Max Moors Filmerzählung über die Eroberungen der spanischen Konquistadoren.

Mexiko City hieß ursprünglich Tenochtitlán und war die Hauptstadt der Azteken. Von hier regierten sie ihr Reich, bis 1519 der spanische Konquistador Hernan Cortéz mit elf Schiffen und 500 Mann Soldaten auf der Halbinsel Yucatán landete.

Ab diesem Moment dauerte es noch zwei Jahre, und Tenochtitlán war dem Erdboden gleichgemacht. Auf den Ruinen des Palastes und des Tempels des Aztekenherrschers Moctezuma entstanden eine Kathedrale und der Nationalpalast. 1521 kam Hernan Cortés in das Tal von Oaxaca. Er bekam die Stadt und das umliegende Land von Kaiser Karl V. als Geschenk und wurde dadurch zu einem der reichsten Männer Spaniens. An der Kultstätte Monte Alban ganz in der Nähe von Oaxaca entdeckte Cortés auf den Handelslisten der dort lebenden Zapoteken den Rohstoff, hinter dem er eigentlich her war: Gold.

Der Panamakanal ist heute eine der wichtigsten Handelsstraßen der Welt. Dank ihm müssen die Schiffe nicht mehr den langen Weg um Südamerika und das gefährliche Kap Horn nehmen. Im September 1513 streifte ein wilder Haufen goldgieriger Spanier durch den feuchten und heißen Urwald dieser Gegend. Unter ihnen Francisco Pizarro. Auch sie wollten Gold, entdeckten aber zuerst ein Meer, das noch kein Europäer gesehen hatte, den Pazifischen Ozean. Der Weg war frei, Südamerika vom Westen aus zu erobern. Über den Camino Real transportierten die Spanier mehr als 200 Jahre lang ihre Beute. Panama wurde Spaniens wichtigster Stützpunkt für den schweren Raub.

Der Niedergang des spanischen Weltreichs begann im 17. Jahrhundert: Das Mutterland war verwickelt in innereuropäische Konflikte, Seeräuber gefährdeten die Spanier mit ihren Kaperfahrten, und die meisten Kolonien waren bereits ausgebeutet. Außerdem war es schwer, sie zu regieren: Sie waren einfach zu groß. Die einheimische Bevölkerung forderte ihre Rechte. Im ganzen Kolonialreich entbrannten Befreiungskriege.


(ARD/SWR)


7:35
HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Das Erbe der Mauren

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigen1492 endete die 700-jährige Geschichte der Araber in Spanien - und damit auch die 250 Jahre dauernde Herrschaft der Nasriden in Granada. Historische Stätten erinnern an den Kampf der Kulturen.

Besucht werden die Alhambra in Granada, ehemaliger Sultanspalast der ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappen1492 endete die 700-jährige Geschichte der Araber in Spanien - und damit auch die 250 Jahre dauernde Herrschaft der Nasriden in Granada. Historische Stätten erinnern an den Kampf der Kulturen.

Besucht werden die Alhambra in Granada, ehemaliger Sultanspalast der Araber, die Stadt Córdoba, in der das Konkurrieren der Religionen besonders stark war, und die Stadt Teruel, die mit beeindruckender Architektur und religiösen Gebäuden aufwartet.

Die Alhambra wurde "Die rote Zitadelle" genannt, denn ihre Mauern erglühen im Licht der Tageszeiten in den unterschiedlichsten Farbnuancen eines zarten Rots. Eisenhaltiger Ton, aus dem die Ziegel gefertigt wurden, ist für das Farbspiel verantwortlich. Der erste Blick von der Sierra Nevada auf die schlichten Mauern der Alhambra verrät nicht, welche Schätze sich im Inneren des Palastes verbergen: islamische Ornamentik, ein Farbenmeer aus Kacheln und eine kunstvolle Wasser-Architektur verleihen der Alhambra orientalischen Zauber.

Der Film führt durch die in drei Teile gegliederte Anlage: die Mexuar, bestimmt für öffentliche Rechtsprechung und Versammlungen, die eigentlichen Königsräume mit dem Sala de los Reyes und dem Thronsaal des Sultans sowie die Frauengemächer, wo sich das Privatleben der Monarchen abspielte. Alle Räume öffnen sich auf einen Innenhof. Er bildet wie schon in der griechischen Architektur den Mittelpunkt des Hauses. Die Innenhöfe spiegeln die feinsinnige Ästhetik der arabischen Herrscher wieder. Ihre Leidenschaft galt der Natur und den Wasserspielen. Die kunstvollen Ausführungen brachten die steinerne Architektur zum Leben.

Die spanische Stadt Córdoba ist ein Symbol für das Mit- und Gegeneinander der Religionen und Kulturen: Juden, Christen und Moslems lebten hier im Kalifat friedlich miteinander. Als Córdoba im 8. Jahrhundert unabhängiges Emirat wurde, erbauten sich die Moslems ein neues Gotteshaus. Damit wurde die Stadt das islamische Pilgerzentrum des Abendlandes, außerdem Begegnungsstätte von Lehrmeistern, Dichtern und Gläubigen. Bald nahmen die Dogmatiker des Islams zu, sie verfolgten Andersdenkende. Aus dem Dialog der Kulturen wurde ein Kampf der Kulturen.

Im 13. Jahrhundert, nach dem Bürgerkrieg, zogen hier die katholischen Könige Kastiliens ein. Die Moschee wurde nicht nur zur christlichen Kathedrale geweiht, sondern auch umgebaut. Die offenen Wände wurden geschlossen, ganze Kirchenschiffe angebaut. Mit den Königen kam auch die Inquisition nach Córdoba, dessen Gericht im maurischen Palast Alkazar tagte.

In Teruel, im spanischen Süd-Aragonien, steht das bedeutendste Ensemble der Mudejar-Architektur, 1986 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Es umfasst die drei Backsteintürme der Kirchen El Salvador, San Martin und San Pedro sowie den Glockenturm und die Artesonado-Decke der Kathedrale. Teruel hat sich einen letzten Rest von spanisch-arabischem Charme bewahrt: Kleine Gassen, Erkerbalkone und Patios im arabischen Stil.

"Mudejares", "die Geduldeten", wurden die Araber von den Christen nach der Rückeroberung genannt. Die Mudejares waren geschickte Handwerker und kreative Baumeister. Und so geschah das Paradox: Arabische Architekten, Keramiker und Maler entwarfen christliche Kirchen. Islamisches Backstein- und Azulejo-Dekor verband sich mit christlicher Romanik und Gotik. Dieser einzigartige Stilmix wird Mudejar-Architektur genannt.


(ARD/SWR/3sat)


8:20
HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Der Duft des Orient - Die Weihrauchstraße


Ganzen Text anzeigenWeihrauch stimmt die Götter gnädig und reinigt die Lebenden wie die Toten: Max Moor folgt den Spuren dieses mythischen und aromatischen Rauchs auf einer der ältesten Handelsstraßen der Welt.

Weihrauch wächst ausschließlich in Somalia, im Jemen und in der Provinz ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenWeihrauch stimmt die Götter gnädig und reinigt die Lebenden wie die Toten: Max Moor folgt den Spuren dieses mythischen und aromatischen Rauchs auf einer der ältesten Handelsstraßen der Welt.

Weihrauch wächst ausschließlich in Somalia, im Jemen und in der Provinz Dhofar im Sultanat Oman auf der südlichen arabischen Halbinsel. Ganzjährige Temperaturen um die 30 Grad und der karge Wüstenboden sind ideal für die Weihrauchbäume.

Weihrauch ist der Wundsaft eines knorrigen, in der Trockenzeit laublosen Baumes, des boswellia sacra. Er gehört zur Familie der Balsambaumgewächse und kann bis zu fünf Meter hoch wachsen. Der Baum ist nicht kultivierbar, man kann ihn nur schwer gezielt anpflanzen. Beduinen ernten den Weihrauch heute genauso wie vor 2.000 Jahren.

Das Wort Weihrauch entstammt dem Althochdeutschen "Wihrouch" und meint "heiliges Räucherwerk". Die genaue Herkunft des Weihrauchs wussten die damaligen Händler lange geheim zu halten. Sie wollten sich vor den Begehrlichkeiten anderer schützen und mit ihrem Exklusivwissen die Preise hoch halten. Das Geheimnis um die Herkunft des Gummiharzes hat wesentlich zu seinem Mythos beigetragen, der sich bis in die Gegenwart gehalten hat.

In Südarabien heißt Weihrauch "Liban", "weiß". Je heller seine Farbe, desto besser ist seine Qualität. Salalah im Oman ist berühmt für seine exotischen Räuchermischungen, die in Familienarbeit hergestellt werden. Nach alten, mündlich weitergegebenen Geheimrezepturen werden Sandelholz, Myrrhe, Moschus und natürlich Weihrauch gemischt. Weihrauch, der Duft, den die Heiligen Drei Könige in den Stall von Bethlehem gebracht haben sollen, narkotisiert und reinigt nicht nur die Seele: Im Oman weiß man auch um die medizinischen Vorzüge. Er desinfiziert Wunden und hilft bei Magenbeschwerden.

Heute sind die meisten der alten Karawanenwege der Weihrauchstraße verweht, ihre Städte im Sand versunken. Wie aus dem Nichts tauchen ab und an Oasen auf. 1984 wurde auf Satellitenaufnahmen eine Kreuzung von drei Handelswegen geortet. Man begann mit Ausgrabungen und fand die Ruinen einer Stadt, die manche für das sagenhafte Wubar halten. In den Märchen aus "Tausendundeiner Nacht" wurde der Ort ebenso erwähnt wie im Koran. Dort steht, dass die Stadt wegen des Hochmuts ihrer Bewohner von Allah vernichtet wurde. Für Lawrence von Arabien war Wubar das "Atlantis der Wüste". Er hatte den Ort vergeblich gesucht.


(ARD/SWR)


9:05
VPS 09:00

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Mythos Seidenstraße

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenDie Seidenstraße ist ein historisches Netz von Karawanenrouten, die das Mittelmeer auf dem Landweg über Mittelasien mit Ostasien verbinden. Es ranken sich viele Geschichten um diese Straße.

Einigen davon geht dieser Film auf den Grund. Von Istanbul geht es auf den ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenDie Seidenstraße ist ein historisches Netz von Karawanenrouten, die das Mittelmeer auf dem Landweg über Mittelasien mit Ostasien verbinden. Es ranken sich viele Geschichten um diese Straße.

Einigen davon geht dieser Film auf den Grund. Von Istanbul geht es auf den alten Pfaden entlang über Safranbolu nach Täbriz im Iran. Von dort führt der Weg in die turkmenische Stadt Merv, die Oasenstadt Buchara und die legendäre usbekische Stadt Samarkand.

Istanbul, Metropole und Kapitale dreier Weltreiche, Schmelztiegel verschiedener Kulturen, einzige Stadt auf zwei Kontinenten. Das römische Reich und seine Kultstätten gaben die Fundamente für Konstantinopel, Hauptstadt des byzantinischen Reichs, worauf die Osmanen ihre Herrschaft mit ihren Monumenten gründeten. Die Altstadt von Istanbul, ausgelegt auf sieben Hügeln wie Rom, gilt nicht nur mittelalterlichen Dichtern als Augapfel aller Städte. Ungebrochen zieht sie die Menschen in ihren Bann wie eine Fata Morgana am Schnittpunkt von Orient und Okzident. Das historische Istanbul auf der Landzunge zwischen Goldenem Horn, Marmarameer und Bosporus scheint wie kein anderer Ort dazu bestimmt, Ost und West in einer Synthese zusammenzuführen, wie es Goethe im "West-östlichen Diwan" vorschwebte: "Sinnig zwischen beiden Welten, sich zu wiegen, lass ich gelten, also zwischen Ost- und Westen sich bewegen, seis zum Besten."

Fast 700 Jahre lang war die zentralanatolische Kleinstadt Safranbolu Drehkreuz für die Handelskarawanen auf der Seidenstraße. Knapp 200 Kilometer nördlich der heutigen türkischen Hauptstadt Ankara gelegen, galt Safranbolu den Osmanen schon früh als "Hintergarten des Topkapi-Serail" am Bosporus. Zwei Großwesire stifteten Moscheen, sorgten für Infrastruktur, Stadtplanung und mit dem Bau des ersten Uhrenturmes im Osmanischen Reich auch für die Einkehr einer neuen Zeitrechnung. Die Segnungen der Moderne - breite Ausfallstraßen, große Geschäftsgebäude und Industriekomplexe - erreichten die kleine Stadt nie. Sie wurde schlicht vergessen.

Legendär reich war einst die Oasenstadt Buchara, ein wichtiger Knotenpunkt an der Seidenstraße und Zentrum des Islams in Zentralasien. Noch heute schimmern die Kuppeln blau, glänzen die Fassaden der Medresen und Moscheen. Die Altstadt Bucharas ist intakt, und das Leben nimmt in den Gassen zwischen den Lehmhäusern seinen gemächlichen Gang. Trotz einer langen sowjetischen Herrschaft ist sie eine orientalische Stadt geblieben, die vom Islam geprägt ist.

Im fruchtbaren Flusstal des Serafschans, im heutigen Usbekistan, liegt eine der ältesten Städte Asiens: Samarkand. Schon im 4. Jahrhundert vor Christus wurde die Oase von Alexander dem Großen erobert. Die Araber erreichten Samarkand im Jahr 712, errichteten die ersten Moscheen und Koranschulen. Samarkand entwickelte sich schnell zum zentralen Umschlagplatz an der Großen Seidenstraße, zur Drehscheibe an der bedeutendsten Karawanenstraße von Persien nach China. Hier kreuzten sich Waren und Kulturen, wurden Güter aus Persien, Indien, der arabischen Halbinsel und China umgeschlagen. Ihre Blütezeit verdankt die Stadt den Eroberungszügen eines despotischen Feldherrn, der seinen Herrschaftsbereich vom Ganges bis zum Mittelmeer ausdehnte. Samarkand war das Zentrum dieses Weltreiches, die Residenzstadt Timur Lenks, Timur des Lahmen. In Feldzügen bis nach Europa und Indien ließ Timur zahlreiche Städte zerstören, deren Einwohner massakrieren. Die besten Handwerker und Künstler jedoch verschleppte er nach Samarkand. Sie schufen im 14. Jahrhundert jene atemberaubende Architektur, die Samarkands Ruf als "schönste Stadt der Welt" begründete.


(ARD/SWR/3sat)


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11:06
VPS 11:00

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Glanz und Elend im Reich der Zaren - Russlands Welterbe


Ganzen Text anzeigenBaden-Baden, die vielleicht "russischste" Stadt Deutschlands, ist der Ausgangspunkt für die Reise von Max Moor zu einigen UNESCO-Weltkulturerbestätten Russlands.

Unzählige Künstler sind aus Russland in die deutsche Kurstadt gepilgert: Nicht nur Fjodor Dostojewski, ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenBaden-Baden, die vielleicht "russischste" Stadt Deutschlands, ist der Ausgangspunkt für die Reise von Max Moor zu einigen UNESCO-Weltkulturerbestätten Russlands.

Unzählige Künstler sind aus Russland in die deutsche Kurstadt gepilgert: Nicht nur Fjodor Dostojewski, sondern auch Nikolai Gogol, Iwan Turgenjew oder Iwan Gontscharow. Das Spielcasino von Baden-Baden wurde 1872 von russischen Fürsten gegründet.

Die erste Station von Max Moors Reise ist Moskau. Die UNESCO hat den Kreml und den Roten Platz zum Welterbe erklärt. Auf den Kreml mit seinen unzähligen Kirchen, prächtigen Palästen und der Schatzkammer richten sich immer noch die Blicke der Welt. Fürst Yuri aus Suzdal ließ im 11. Jahrhundert auf einem Hügel über der Moskwa eine Jagdhütte errichten. Aus dieser Hütte erwuchs die Festung Russlands, der Kreml. Es gibt ein russisches Sprichwort, das lautet: "Über der Stadt ist der Kreml, über dem Kreml nur Gott." Das Wahrzeichen des Roten Platzes ist die Basilius-Kathedrale. Sie erinnert an das Trauma Russlands, den Mongolensturm. Als Denkmal für den Sieg über die Mongolen ließ Iwan der Schreckliche diese Kirche erbauen. Acht Tage dauerte der entscheidende Kampf, für jeden Schlachttag wurde um den Hauptturm eine Kapelle errichtet.

Sankt Petersburg musste oft seinen Namen wechseln: Nach der Russischen Revolution hieß es Petrograd, nach Lenins Tod Leningrad - bis 1991 das Volk abstimmen durfte und den alten Namen wieder aufleben ließ. Dort, wo die Newa in die Ostsee mündet, suchte an einem nebligen Frühjahrstag im Jahr 1703 ein russisches Reitertrüppchen eine geeignete Stelle, an der man für den Krieg gegen Schweden einen Hafen und eine Festung erbauen konnte. Für den Zaren war dieses Sumpfgebiet ein Bild der Verheißung. Mit seinem Bajonett schnitt er zwei Streifen Torf aus dem Boden, legte sie in Kreuzform übereinander und sprach: "Hier soll eine Stadt entstehen." Für die künftige Hauptstadt des größten Landes Europas hätte es keinen weniger geeigneten Ort geben können. Dennoch, an dieser Flussmündung entstand innerhalb von wenigen Jahren eine Stadt. Eine Viertelmillion Leibeigene und Soldaten schufteten rund um die Uhr, um sie zu erbauen. Als Sankt Petersburg schließlich fertig war, wirkte es wie eine Zauberstadt. Alles an ihr schien so glanzvoll, dass die Menschen sie schon bald mythisch überhöhten. Peter der Große wollte ein "Fenster zum Westen". Nur so könnten sich im rückständigen Russland Kunst und Zivilisation entwickeln, glaubte er. In Amsterdam hatte der Zar als Zimmermann gearbeitet und dabei erfahren, was Modernität bedeutet. Deshalb sollte seine neue Stadt eine Hafenstadt mit Kanälen und Brücken sein. Das heutige Bild von Sankt Petersburg ist ein Mix aus Barock, Rokoko und Klassizismus.


(ARD/SWR)


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11:50
VPS 11:45

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Russlands Naturerbe

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenDas Riesenreich Russland bietet eine Vielzahl an verschiedenen Landschaften, manche karg, manche ausgesprochen artenreich. Max Moor stellt die UNESCO Naturerbestätten Russlands vor.

Besucht werden einer der größten Seen der Welt, der Baikalsee, die Polarinsel ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenDas Riesenreich Russland bietet eine Vielzahl an verschiedenen Landschaften, manche karg, manche ausgesprochen artenreich. Max Moor stellt die UNESCO Naturerbestätten Russlands vor.

Besucht werden einer der größten Seen der Welt, der Baikalsee, die Polarinsel Wrangel Island und die vulkanreiche Halbinsel Kamtschatka.

Den Burjaten, den Ureinwohnern Zentralsibiriens, gilt der "Baygal nuur" - der "reiche See", als magischer Ort, als Wiege und Seele ihres Volkes. Der Rest der Welt sieht im Baikal schlicht ein Gewässer der Superlative. Im Herzen Sibiriens, an der Südostgrenze Russlands zur Mongolei, liegt ein Fünftel aller flüssiger Süßwasserreserven der Erde. Der Baikal ist mit 25 Millionen Jahren der älteste und mit 1.642 Metern auch der tiefste See der Erde.

Die Baikal-Region gilt bei Biologen als "Galapagos-Archipel Russlands", als eines der artenreichsten Frischwasserbiotope der Erde. Im Baikal lebt die weltweit einzige ausschließlich im Süßwasser vorkommende Robbenart, die "Nerpa" oder Baikalrobbe. 128 Fischarten bevölkern den See, zwei davon sind endemisch: der "Omul", eine Maränenart, und der "Golomjanka", der am tiefsten vorkommende Süßwasserfisch der Erde. Über 230 Arten winziger Flohkrebse klären das Wasser des Baikal auf natürliche Weise und sorgen damit für den extrem hohen Reinheitsgrad des Sees. Für die Bewohner der Dörfer entlang des Ufersaums eine nie versiegende Trinkwasserquelle. Gründe genug für die UNESCO, das "Blaue Auge der Erde" seit 1996 als Weltnaturerbe zu führen.

Wenn Russen von ihrem "Osero Baikal" reden, meinen sie das "große sibirsche Meer", das sich auf 455 Metern Höhe zwischen den südsibirischen Gebirgszügen entlang der Südostgrenze Russlands zur Mongolei auf einer Fläche von 31.722 Quadratkilometern ausbreitet. Seine Dimensionen sind atemberaubend. Der See erstreckt sich 673 Kilometer vom Südwesten bis zum Nordosten und weitet sich an der breitesten Stelle auf 82 Kilometer. Gespeist wird das "große sibirische Meer" von 336 Flüssen und unzähligen Bächen, hat jedoch nur einen einzigen Abfluss, die Angara, einer der größten Flüsse Sibiriens. Trotz ihrer gewaltigen Abflussmenge müsste die Angara etwa 400 Jahre lang fließen, bis der Baikalsee geleert wäre.

Verborgen hinter ganzjährigen Blizzards und einer monatelangen Polarnacht liegt Wrangel Island nur wenige Seemeilen vor der arktischen Packeisgrenze. Es ist das letzte unberührte Naturparadies nordwestlich der Beringsstraße. Bei Wintertemperaturen bis unter 40 Grad Celsius leben mehr als 1.000 Polarbären, Moschusochsen und Rentiere neben Walrosskolonien, Robbenfamilien, Polarfüchsen, Wölfen und unzähligen kleineren endemischen Tier- und Pflanzenarten auf einer 7.608 Quadratkilometer großen "Arche Noah" der letzten Eiszeit. Walfänger und Fischer lebten einst hier - bis das Militär kam. Heute ist die Natur wieder sich selbst überlassen.

"Wir wissen mehr über die dunkle Seite des Mondes als über die Eiswüsten der Arktis": Selten hat das Bonmot der Polarforscher mehr Gültigkeit als auf der "Ostrova Wrangel", einem abgelegenen Archipel am nordöstlichen Ende der Welt. Zahlreiche Fossilien-Funde belegen, dass auf der Wrangel Insel noch bis vor knapp 3.500 Jahren das Mammut in der arktischen Tundra graste und in der Abgeschiedenheit der Tschukschensee 6.000 Jahre länger überlebte als im restlichen Eurasien. Das Eiland war bis zum Ende der letzten Eiszeit Teil der eurasischen Landbrücke "Beringia", die noch bis vor 12.000 Jahren Asien mit dem amerikanischen Kontinent verband. Als die schmelzenden Gletschermassen der ausgehenden Eiszeit diese Brücke fluteten, verschwand das Eiland für Jahrtausende im Packeis des Polarmeeres.

Die russische Halbinsel Kamtschatka ist ein Eldorado für Vulkanforscher. 168 Vulkane, unzählige Geysire und Schwefelseen markieren hier nur den sichtbarsten Rahmen für ein Phänomen, das Geowissenschaftler als das Herz des "Pacific Ring of Fire" deuten. Erdbeben und Vulkan-Erruptionen erschüttern die 1.200 Kilometer lange Halbinsel im Wochenrhythmus.

Auf Island stoßen die eurasische und die nordamerikanische Erdplatte aufeinander. Noch immer driften Europa und Amerika um etwa zwei Zentimeter pro Jahr auseinander - auseinander gedrückt von dem mit aller Kraft nach oben strebenden Magma im Inneren der Erde.


(ARD/SWR/3sat)


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12:37
VPS 12:30

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Im Land der aufgehenden Sonne - Japan

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenJapan ist das Land der aufgehenden Sonne, das Land von Schintoismus und Zen-Buddhismus, das Land der Kirschblüten und Kimonos, der Hast, der Eile und der vielen Menschen auf wenig Raum.

Schintoismus und Zen-Buddhismus, die beiden großen Religionen Japans, treffen auf ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenJapan ist das Land der aufgehenden Sonne, das Land von Schintoismus und Zen-Buddhismus, das Land der Kirschblüten und Kimonos, der Hast, der Eile und der vielen Menschen auf wenig Raum.

Schintoismus und Zen-Buddhismus, die beiden großen Religionen Japans, treffen auf der Insel Itsukushima (Miyajima) zusammen. Der Schinto-Schrein von Itsukushima, ein großes rotes Tor, weit vor der Insel im Wasser stehend, ist eine berühmte Sehenswürdigkeit Japans.

In alter Zeit durfte Itsukushima nicht betreten werden, denn alles an der Insel gehörte den Göttern oder war selbst Gott. So glaubten es die Anhänger des Schinto, der alten Ahnen- und Naturreligion. Um so mehr fühlten andere sich gedrängt, ihren Fuß auf die Insel zu setzen, vor allen vielleicht der buddhistische Mönch Kukai, der Itsukushima im Jahr 806 auf dem Weg von China nach Kyoto aufsuchte. Er entzündete ein Feuer auf dem Gipfel des Bergs Misen und kochte Wasser in einem großen eisernen Topf. Seither haben seine Jünger das Feuer nicht ausgehen lassen und das Wasser immer nachgegossen.

Der Name Kyoto ruft Bilder herbei von einem Japan vor der Moderne: Rotgestrichene Schinto-Tore, Kimonos, Kirschblüte, alte Tempel, kahlgeschorene Mönche, Paläste der Kaiser, die tausend Jahre lang hier residierten, und Paläste der Shogune, die mit harter Hand regierten. Man hätte es besser wissen können, sagt sich der Reisende: Kyoto ist eine moderne Millionenstadt - ein Häusermeer ohne Grenze zum benachbarten Osaka. Kein schöner Ort, wenn überhaupt ein Ort. An Kyotos Rändern jedoch, zu Füßen der die Stadt von drei Seiten zurückdrängenden Berge, hinter Mauern, liegen Inseln der Schönheit: buddhistische Klöster und ihre bis ins kleinste Detail gestalteten Gärten, vollendete Form in einer chaotisch sich auftürmenden Stadt. Nichts ist hier dem Zufall überlassen, nichts einfach gewachsen - alles ist seit Jahrhunderten gestaltet. Doch: Ein Mönch mag sein Leben mit der Pflege eines Zen-Gartens verbringen, er wird dennoch immerzu bemüht sein, durch ihn hindurch zu schauen ins Nichts. Denn alle Erscheinungen sind für ihn leer.

Japan hat ein besonderes Verhältnis zu Zeit, Tempo und Pünktlichkeit. Leistung ist Arbeit in der Zeit. Einmal blieb die Zeit in Japan jedoch stehen: Am 6. August 1945, um 8.15 Uhr am Morgen. Es war der Abwurf der ersten Atombombe. Und als sich die Zeit wieder weiter bewegte, war das alte Japan untergegangen. Ein neues Zeitalter hatte begonnen, nicht nur für Japan. Aber in Japan ging alles schneller und rücksichtsloser. Seit 1996 gehört die Ruine der alten Industrie- und Handelskammer Hiroshimas zum UNESCO-Weltkulturerbe: der Atombombendom. Eine kleine Ruine aus rostigem Stahl und bröckelndem Beton. Er ist das Wahrzeichen der Stadt Hiroshima. Ein seltsames Wahrzeichen in einer seltsamen Welt. Die USA waren gegen den Eintrag Hiroshimas in die UNESCO-Liste. Sie rechtfertigen den Abwurf der Bombe bis heute. Hiroshima ist nach dem Krieg völlig neu erbaut worden und heute eine geschäftige Großstadt. Es gibt immer noch Atombombenopfer, aber man begegnet ihnen nicht. Sie leben zurückgezogen. Sie passen nicht recht in das moderne Japan. Dem Atombombendom gegenüber liegt der Friedenspark von Hiroshima. Einst ein gemütliches altes Viertel mit Holzhäusern, Winkelgassen und einem Tempel, spannen sich heute die Flügel des Friedens-Gedächtnis-Museums über den Park.


(ARD/SWR/3sat)


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13:21
VPS 13:15

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Schätze in Asiens Osten

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenOstasien: eine Region voller reizvoller Landschaften, alter Traditionen und Kulturen und sagenhafter Schätze. Doch nur die wenigsten davon lassen sich in Geld beziffern.

Der Film zeigt alte Grabmäler und Tempel in Korea, die im Dschungel von Laos liegende Stadt Luang ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenOstasien: eine Region voller reizvoller Landschaften, alter Traditionen und Kulturen und sagenhafter Schätze. Doch nur die wenigsten davon lassen sich in Geld beziffern.

Der Film zeigt alte Grabmäler und Tempel in Korea, die im Dschungel von Laos liegende Stadt Luang Prabang, die Zitadellen- und Kaiserstadt Hue in Zentral-Vietnam und Vigan, eine Küstenstadt im Nordwesten der philippinischen Insel Luzon.

Weil die Menschen im antiken Korea an ein Leben nach dem Tode glaubten, bauten sie allen hochrangigen Persönlichkeiten Hügelgräber und statteten diese mit Wandmalereien aus. Die Fresken erzählen Geschichten über ein Reich, das von 37 vor bis 668 nach der Zeitenwende eines der mächtigsten Ostasiens war. Die Grabfresken vergegenwärtigen die damaligen religiösen Vorstellungen und geben Einblicke in Alltag, Esskultur, Kleidung und Architektur des antiken Korea. Die Motive belegen Handel und Kulturaustausch mit anderen ostasiatischen Reichen, zeigen aber vor allem auch, wie kriegerisch das Reich war. In den Grabkammern fanden sich Szenen, die darauf schließen lassen, dass auch die alte Kampfkunst Tae Kwon Do in der Koguryo-Epoche wurzelt.

Zu seiner Blütezeit erstreckte sich Koguryo von der Mandschurei über das heutige Nordkorea und den Norden Südkoreas. Gegründet hat es König Tongmyong, der bis heute als legendärer Urvater verehrt wird. Sein Grab liegt in der nordkoreanischen Hauptstadt Pyongyang, die schon zu Koguryo-Zeiten das politische, soziale und kulturelle Zentrum war.

Tief in den Bergen von Laos, am Ufer des Mekong, im Grün des Dschungels versunken, liegt Luang Prabang. Luang Prabang war die Hauptstadt von Lane Xang, dem mächtigen Reich der "ein Millionen Elefanten", und über Jahrhunderte Sitz der Könige von Laos. Bis heute ist Luang Prabang Zentrum des laotischen Buddhismus. Noch immer bestimmt die Religion den Rhythmus der Stadt, sind die Pagoden das Herz der Nachbarschaften und machen sich jeden Morgen noch vor Sonnenaufgang die Mönche und Novizen auf den Weg, um von den Gläubigen das Essen für den Tag zu erbitten. Die Zeit und das tropische Klima haben ihre Spuren hinterlassen. Manche der alten Holzbauten verfallen. Seit sich Laos öffnet und Luang Prabang zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, wird mit ausländischer Hilfe restauriert. Immer mehr Touristen besuchen die Stadt. Doch noch lebt Luang Prabang, wie es immer gelebt hat - im sanften Rhythmus der Religion. Ruhig, fast gemächlich, fließt die Zeit in der alten Königsstadt am Mekong.

Hue in Zentral-Vietnam liegt reizvoll zwischen Hügeln und Reisfeldern an einer Biegung des Parfümflusses. Eine elf Kilometer lange Mauer umgibt die quadratische Zitadellenstadt, in der die nochmals von Mauern umschlossene "Kaiserstadt" liegt, die wiederum die dem Kaiser vorbehaltene "Verbotene Purpurne Stadt" umschließt. Bis heute liegt eine gewisse Entrücktheit, eine von Poesie und Melancholie geprägte Stimmung über der Stadt. Vielleicht, weil einst die Kaiser den schönen Künsten, vor allem der Poesie, zugetan waren und sie förderten. Zugleich ist Hue ein sehr spiritueller Ort. In 300 Tempeln und Pagoden schlägt das buddhistische Herz Vietnams. 43 Jahre lang regierten hier die 13 Kaiser der Nguyen-Dynastie mit einem feudalen Hofstaat chinesischer Prägung - erst in glanzvoller Pracht, dann kamen die Dekadenz und die Unterwerfung unter die Kolonialmacht Frankreich. Die letzte Herrscherdynastie Vietnams endete 1945, der letzte Kaiser übergab die Macht an Ho Chi Minh.


(ARD/SWR/3sat)


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14:37
VPS 14:30

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Down Under - Eine Entdeckungsreise nach Australien

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Ganzen Text anzeigenDie ehemalige britische Strafgefangenenkolonie Australien ist die Heimat der Aborigines und Kängurus. Und sie ist ein Ort vieler Weltkultur- und Naturerbestätten der UNESCO.

Elf Strafgefangenenlager hat die UNESCO in Australien als Weltkulturerbe geschützt. Sie ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenDie ehemalige britische Strafgefangenenkolonie Australien ist die Heimat der Aborigines und Kängurus. Und sie ist ein Ort vieler Weltkultur- und Naturerbestätten der UNESCO.

Elf Strafgefangenenlager hat die UNESCO in Australien als Weltkulturerbe geschützt. Sie repräsentieren den Beginn dieser jungen Nation. Mit dem Blut, dem Schweiß und den Tränen ihrer Strafgefangenen bauten die Briten ihre Kolonie.

Die Gefangenen konnten - auch wenn sie ihre Strafe abgearbeitet hatten - niemals zu ihren Familien im weit entfernten Europa zurückkehren.

Fraser Island wurde 1992 zum Weltnaturerbe ernannt. Sie ist mit über 120 Kilometern Länge und einer Fläche von 184.000 Hektar die größte Sandinsel der Welt. Die Dünen von Fraser ragen über 240 Meter aus dem Meer und sind mit einer erstaunlich vielseitigen Vegetation bewachsen: von der Heidelandschaft an der Küste bis zum subtropischen Regenwald in Zentrum. Alles wird von über 40 Dünenseen gespeist.

Vor der Ostküste Australiens befindet sich das Great Barrier Reef, die größte Ansammlung von Korallenriffen der Welt. Es erstreckt sich über 2.300 Kilometer und bedeckt eine Fläche, die größer ist als Italien. Die Aborigines Australiens nennen es "Waga Gaboo" - das Große Riff. Das Barrier Reef ist das größte Bauwerk auf Erden, geschaffen von mikroskopisch kleinen Lebewesen. Unzählbare winzige Polypen erzeugen jeden Tag auf einem Quadratkilometer Riff vier Tonnen Kalksteingerippe. Aber dieses Leben ist in großer Gefahr, das hat nicht nur ein havarierter Öltanker im Frühjahr 2010 gezeigt.

Menschen leben im tropischen Norden Australiens seit über 50.000 Jahren. Wann genau die Gagudju, die Ureinwohner Kakadus, anfingen, ihre Geschichte und Mythen auf Fels zu malen, kann niemand mit Sicherheit sagen, doch eins steht fest: Die Rock-Art von Kakadu gehört zu den ältesten der Welt. Die Aborigines haben diese Tradition bis in die jüngste Vergangenheit weitergeführt. Nayambolmi, auch Barramundi Charlie genannt, war der letzte der Männer, der befugt war, auf die Felsen von Nourlangie Rock zu malen. Er starb 1965. Kakadu hat mit über 3.500 Rock-Art-Fundorten eine kaum zu überblickende Fülle von Kunst und Geschichte der Ureinwohner Australiens.

Der zentrale Begriff der Mythologie der Aborigines in Australien ist die "Traumzeit". Für die Aborigines ist die Traumzeit die spirituelle und moralische Ordnung des Kosmos. Sie begründet die ungeschriebenen Gesetze, nach denen die Aborigines leben. Manifestiert wird diese Traumzeit in geografischen Landmarken wie etwa dem Uluru, auch Ayers Rock genannt. Seit rund 65 Millionen Jahren steht dieser Sandsteinfelsen im sonnenverbrannten Nichts Zentralaustraliens. Für die Anangu, die Aborigines, die seit tausenden Jahren hier leben, ist Uluru ein heiliger Ort. Die Entstehung des Felsens erklären sie sich durch den Kampf zwischen Kuniya, einer Python-Schlangenfrau, mit einer giftigen Liruschlange. Mit einem Stock tötete Kuniya die andere Schlange und bewacht bis heute die Felsen. Die tödlichen Verletzungen sind noch heute am Uluru sichtbar.


(ARD/SWR/3sat)


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16:06
VPS 16:00

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Durch den Stillen Ozean

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Ganzen Text anzeigenIm Stillen Ozean finden sich viele kleine und größere Inseln mit teils bewegter Vergangenheit und von beeindruckender Schönheit.

Der Film führt von Neuseeland, dem Land der Maori, über das Bikini-Atoll, wo die US-Regierung jahrelang Atomwaffen-Tests durchführte, ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenIm Stillen Ozean finden sich viele kleine und größere Inseln mit teils bewegter Vergangenheit und von beeindruckender Schönheit.

Der Film führt von Neuseeland, dem Land der Maori, über das Bikini-Atoll, wo die US-Regierung jahrelang Atomwaffen-Tests durchführte, zu den Traumstränden von Hawaii und den Steinköpfen der Osterinsel mitten in den Hafen von Valparaiso in Chile.

Die Maori landeten vor zirka 1.500 Jahren in Neuseeland. Der Legende nach kam Häuptling Ngatoroirangi auf der Mitte der Nordinsel des heutigen Neuseelands an Land. Seit vor 200 Jahren die ersten Weißen in "Aotearoa", dem "Land der langen, weißen Wolke", landeten, bedrohen Kahlschlag und Schafzucht den heiligen Berg Tongariro. Für den Tuwharetoa-Stamm ist der Berg die Quelle ihrer Macht. Hier ruhen ihre Vorfahren, und der Berg legitimiert ihren Anspruch auf dieses Land. Um zu verhindern, dass ihr Land in private Hände fällt, machte Häuptling Tukino Te Heuheu 1887 den Berg zum Geschenk an die Regierung von Neuseeland - mit der Maßgabe, ihn für alle Menschen zu schützen.

Bikini, ein winziges Atoll in der Weite des Pazifischen Ozeans, symbolisiert den Umgang des Menschen mit der Natur. Über Jahrhunderte hinweg ernährten sich die Bewohner von dem, was auf der Insel wuchs und was das Meer ihnen gab. Ihre Abgelegenheit bewahrte sie vor Eroberungen. Doch 1946 versammelte US-Kommandant Wyatt die Bewohner und fragte, ob sie gewillt seien, ihre Heimat vorübergehend zu verlassen, damit die amerikanische Armee Atombomben testen könne, "um diese enorme und zerstörerische Gewalt in etwas Gutes für die Menschheit zu verwandeln". Es war eine rhetorische Frage, die 167 Einwohner hatten keine Wahl. Im Juli 1946 explodierten die ersten Atombomben auf dem Bikini-Atoll. Bis 1958 wurden insgesamt 67 Nuklearladungen zur Detonation gebracht, die summierte Zerstörungskraft beträgt 7.000 Hiroshima-Bomben. Anders gesagt fielen pro Tag 1,6 Hiroshima-Bomben auf das Atoll. Bikini, 2010 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, ist heute vom Ansteigen des Meeresspiegels bedroht.

Vor mehr als elf Millionen Jahren - lange bevor Menschen die Erde bewohnten - riss tief unter dem Ozean der Meeresboden auf, und Lava strömte aus dem Inneren der Erde. Über Jahrtausenden formten sich so die Inseln von Hawaii aus fünf Vulkanen. Kilauea ist der aktivste Vulkan weltweit. Die gegenwärtige Eruption begann im Januar 1983, seitdem sprudelt die Lava ununterbrochen. Sie hat über 65 Quadratkilometer der Insel unter sich begraben. Einige Gegenden wurden mehrmals überflutet, die Lava ist bis zu 24 Meter dick. Über 200 Häuser, riesige Regenwälder und Strände wurden zerstört. Aber Kilauea hat nicht nur Teile der Insel zerstört, er hat auch über zwei Quadratkilometer Neuland geschaffen. Die rohe Gewalt von Kilauea, Heim der Feuergöttin Pele, lässt sich nicht zähmen. Hier, im Angesicht der unberechenbaren Naturgewalten, wird man daran erinnert, dass die Existenz auf dieser Erde auch ein Akt des blinden Vertrauens ist.

Die rätselhaften Steinriesen der Osterinsel sind stumme Zeugen einer wenig bekannten Vergangenheit. Vermutlich stammen sie von Polynesiern, die die Insel zwischen dem 4. und 12. Jahrhundert besiedelt haben. Warum aber ist deren Kultur untergegangen? Als James Cook die Insel besuchte, lagen die meisten Statuen umgeworfen am Boden. Auf der Insel gab es keinen Baum mehr. Die Menschen brannten alle Wälder nieder, um Anbauflächen zu gewinnen. Vielleicht hatte ein Aufstand der Hungernden, bei dem am Ende die Ebenbilder der Herrscher zerstört wurden, die alte Kultur zerstört? Andere Quellen nennen ein Seebeben, dessen Flutwellen alles wegschwemmten, als Ursache. Es bleibt ein Rätsel.

"Du bist ein Regenbogen vielfältiger Farben, Valparaiso, du großer Hafen ...": Diesen Vers widmete der Dichter Pablo Neruda seiner Heimatstadt. Ja, es sind die Farben der Häuser, die zuerst ins Auge fallen, wenn man vom Pazifik in den Hafen des Welterbes einläuft, die Altstadt von Valparaiso in Chile. Es sind meist kleine Häuser, und sie scheinen die 27 Hügel, die die weite Bucht begrenzen, hinauf zu wachsen. Häuser, die sich oft am äußersten Rand festzukrallen, sich manchmal auch über den Abgrund hinauszulehnen scheinen.


(ARD/SWR/3sat)


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17:20
VPS 17:15

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Naturerbe Südamerika

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Ganzen Text anzeigenIm Süden Amerikas liegen das Galapagos-Archipel, der Los Glaciares Nationalpark und der Iguazú-Fluss mit Wasserfall. Sie alle gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Karg und bizarr ragen die Vulkane des Galapagos-Archipels aus dem Pazifischen Ozean. Vor fünf Millionen ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenIm Süden Amerikas liegen das Galapagos-Archipel, der Los Glaciares Nationalpark und der Iguazú-Fluss mit Wasserfall. Sie alle gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Karg und bizarr ragen die Vulkane des Galapagos-Archipels aus dem Pazifischen Ozean. Vor fünf Millionen Jahren durchstieß glühend heiße Lava die hier extrem dünne Erdkruste und gebar den ersten Vulkan. Ein Erdplattendrift schuf Platz für weitere Vulkane.

In Patagonien, im südlichsten Teil Amerikas, liegt der Nationalpark "Los Glaciares" mit seinen 13 Gletschern. Das Gebiet gehört zu Chile und Argentinien. Der größte der Eisriesen ist der Perito Moreno. Er ist einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen und walzt alles nieder, was ihm in den Weg kommt. Die Gewalt der blauen Kälte schleift gigantische Felsen ab und versperrt Wasserwege. Dieser Gletscher ist einer der wenigen auf der Erde, der noch wächst.

Auf einer Breite fast dreifachen Breite der Niagarafälle stürzen die Wassermassen beim Iguazú-Wasserfall in die Tiefe. Von weitem schon tönt es wie ein Erdbeben. Die Tröpfchenatmosphäre schimmert in allen Regenbogenfarben. "Iguazú" bedeutet in der Sprache der Guaraní-Indianer "große Wasser". Zu beiden Seiten des Stromes erstreckt sich ein Naturpark. Dort hält sich bis heute eines der vielfältigsten Ökosysteme der Erde. Die gewaltige Sprühnebelwolke der Wasserfälle versorgt die gesamte Umgebung mit dem notwendigen Nass. Unüberschaubar groß ist die Artenvielfalt hier: Schmetterlinge, Vögel und unzählige verschiedene Pflanzen versorgen sich aus den enormen Wassern.


(ARD/SWR/3sat)


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18:06
VPS 18:00

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Maya - Könige im Regenwald


Ganzen Text anzeigenDie Maya lebten in Süd- und Südost-Mexiko sowie in Teilen von Guatemala, Honduras, Belize und El Salvador. Ihre Kultur währte sechs Mal so lange wie das Römische Reich.

Die Maya brachten mathematische, astronomische und architektonische Höchstleistungen hervor, ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenDie Maya lebten in Süd- und Südost-Mexiko sowie in Teilen von Guatemala, Honduras, Belize und El Salvador. Ihre Kultur währte sechs Mal so lange wie das Römische Reich.

Die Maya brachten mathematische, astronomische und architektonische Höchstleistungen hervor, die Wissenschaftler und Laien bis heute in Erstaunen versetzen. Ihre Geschichte schrieben sie in einer Hieroglyphen-Schrift nieder.

Die Kultur der Maya erlebte zwischen 250 und 900 nach Christus mit dem Aufkommen eines erblichen Königtums ihre größte Blüte. Unter der Regierung der Adeligen entstanden ihre berühmten Stufenpyramiden, Tempel und Paläste. Die Herrscher der häufig verfeindeten Kleinstaaten sahen sich als Mittelpunkt des Kosmos und als Mittler zwischen Menschen und Göttern. Warum die politische Struktur der Maya unterging, ist bis heute nicht geklärt - eine ideale Voraussetzungen für die Legendenbildung.

In den vergangenen 20 Jahren gelang es der Wissenschaft jedoch, Fantasie und Fakten voneinander zu trennen. Licht ins Dunkel brachte die fast vollständige Entzifferung der Schrift. Die Glyphen auf den Stelen konnten gelesen, Zeremonien auf Relieftafeln gedeutet werden. Es fanden sich Belege für Opferrituale und Kriege. Damit war das "Märchen" von den sanftmütigen Sternguckern und erfinderischen Kakaotrinkern widerlegt.


(ARD/SWR)


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18:50
VPS 18:45

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Naturschätze Nordamerikas


Ganzen Text anzeigenVon den Rocky Mountains im Westen Kanadas über die Great Plains zum Rio Grande, dann in den Yosemite-Nationalpark und schließlich in den Grand Canyon: Das ist die Route dieser Reise.

Es ist eine Reise in Gebirge, zu Flüssen und zu Canyons, die viel erzählen können ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenVon den Rocky Mountains im Westen Kanadas über die Great Plains zum Rio Grande, dann in den Yosemite-Nationalpark und schließlich in den Grand Canyon: Das ist die Route dieser Reise.

Es ist eine Reise in Gebirge, zu Flüssen und zu Canyons, die viel erzählen können von der Geschichte der Erde, von den Urvölkern, vom Pioniergeist und vom fragilen Zustand der Welt. Alle Ziele sind von der UNESCO zu Welterbestätten erklärt worden.

Erste Station sind die kanadischen Rocky Mountains, eine Barriere aus Felsen und Eis. Die "Rockys" erstrecken sich auf einer Länge von rund 5.000 Kilometern von Alaska bis nach New Mexiko. Sie sind damit etwa vier Mal so groß wie die Alpen. Blaue Seen, Wasserfälle, schneebedeckte Berggipfel, eisige Gletscher und unberührte Wälder - die Rocky Mountains sind eine vielfältige und beeindruckende Naturlandschaft.

Vor ihrer Kulisse dehnt sich die Hochebene der Great Plains: Weideland so weit das Auge reicht. Hier finden sich auch einige der ältesten Jagdplätze in Nordamerika, darunter Head-Smashed-In. Schon vor rund 6.000 Jahren jagten die Blackfeet Indianer hier Bisons.

Nahe der Stelle, die in Amerika "Four Corner", genannt wird - hier treffen die vier Staaten Utah, Colorado, Arizona und New Mexico zusammen - findet sich ein magischer Platz der amerikanischen Ureinwohner: Mesa Verde. Fast 900 Jahre war dieser Ort vergessen. Erst 1888 entdeckten zwei Cowboys ihn wieder. Es war eine riesige Siedlung, insgesamt fast 4.000 Gebäude - ein unglaublich reiches Vermächtnis, das etwa auf das Jahr 1.000 zurückgeht. Warum haben die Anasazi ihre Heimat verlassen? Waren es eine lang anhaltende Trockenheit und der ausgelaugte Boden, der nach langer Bewirtschaftung nicht mehr genug zum Leben hergab?

Der Yosemite-Park in der Sierra Nevada liegt fast 800 Kilometer westlich von Taos. Im Frühjahr, wenn der Schnee in den Bergen der Sierra Nevada geschmolzen ist, lassen Bäche und Flüsse das Eiswasser in unzähligen Kaskaden und Wasserfällen zu Tal stürzen. Die großen Wasserfälle haben den Park berühmt gemacht. "The fallen Monarch" - ein entwurzelter Baumriese - gehört zum Pflichtprogramm im Yosemite-Park. Es ist einer der über 2.700 Jahre alten "Giant Sequoias" und liegt am Eingang der "Mariposa Grove", einem Waldstück mit den ältesten und größten Bäumen dieser Erde.

800 Meter tief, 30 Kilometer breit, 446 Kilometern lang, das ist in nüchternen Zahlen der Grand Canyon, die letzte Station dieser Reise zu einigen der schönsten Naturschätzen Nordamerikas. Es gibt auf dieser Erde Schluchten die tiefer sind, andere sind enger - aber so grandios, Ehrfurcht gebietend und berühmt ist wohl keine von ihnen. Das "geheimnisvolle Sinnbild aller Landschaften", so beschrieb Simone de Beauvoir den Grand Canyon. Und als Theodore Roosevelt 1903 diese Stelle besuchte, beschwor er alle Anwesenden schon damals: "Bewahrt ihn für eure Kinder, für eure Enkel, für alle die nach euch kommen."


(ARD/SWR)


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19:36
VPS 19:30

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Kulturerbe Bauernland


Ganzen Text anzeigenEin Wiener Caféhaus, seit dem letzten Jahr immaterielles UNESCO-Welterbe, ist der Ausgangspunkt für Max Moors Reise zu Welterbestätten zum Thema "Essen, Trinken und Genießen".

Die kann man auch unter dem Begriff "Bauernland" zusammenfassen. In den Anbaumethoden ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenEin Wiener Caféhaus, seit dem letzten Jahr immaterielles UNESCO-Welterbe, ist der Ausgangspunkt für Max Moors Reise zu Welterbestätten zum Thema "Essen, Trinken und Genießen".

Die kann man auch unter dem Begriff "Bauernland" zusammenfassen. In den Anbaumethoden drückt sich auch eine Kultur aus, und so ist es ganz logisch, dass die UNESCO auch solche Orte zum Weltkulturerbe ernannt hat.

Knapp 200 Kilometer südwestlich von Havanna befindet sich das "Valle de Vinales". Hier wird vor allem Tabak angebaut. Es soll der beste Tabak der Welt sein, der hier wächst. Im "Valle de Vinales" herrschen ideale klimatische Bedingungen, nicht zu nass und nicht zu trocken. Im Gegensatz zu anderen tropischen Pflanzen benötigt das Nachtschattengewächs Tabak eine fast grenzenlose Zuwendung. Ein kubanisches Sprichwort sagt, "Tabak kannst du nicht einfach pflanzen, den musst du heiraten."

2006 hat die UNESCO die Agavenlandschaft und die Produktionsstätten in und um den Ort Tequila in Mexiko zum Weltkulturerbe ernannt. Die meisten der 35.000 Einwohner leben in irgendeiner Form vom Schnaps. Seit 1795 wird Tequila hergestellt. Damals erteilte der spanischen König eine Lizenz zur Herstellung des Mezcal-Weins, wie der Tequila früher genannt wurde.

Reisfelder, soweit das Auge reicht: Wie dicht gewebte Teppiche überziehen sie die Berghänge der Insel Luzon im Norden der Philippinen. Steil ragen die Stufen zum Himmel. Alle Steinmauern und Lehmwälle der Terrassen aneinander gereiht würden den halben Erdball umspannen. Vor über 2.000 Jahren wurden die ersten Felder angelegt. Ihre Baumeister waren die Ifugao, ein Bauernvolk, das vermutlich aus Indonesien eingewandert war. Die Reisterrassen der Ifugao sind eine einzigartige Kulturlandschaft, ein Meisterwerk der Bewässerungstechnik und der Terrassenbaukunst. 1995 wurde diese Landschaft als erste "Bauernlandschaft" zum Weltkulturerbe erklärt.

Abgelegene Täler, Hochalmen, schroffe Gipfel bilden eine einzigartige Naturlandschaft, welche die UNESCO 1980 in ihr Weltnaturerbe-Programm aufnahm: der Durmitor-Nationalpark im Norden der Republik Montenegro. Die Hochweiden des Dobri Do - des guten Tales. Von Juni bis Oktober, wenn auf den Bergwiesen die Blumen und Kräuter blühen, leben hier die Hirten. 1.500 Pflanzenarten gedeihen auf diesen Wiesen. Viele der Blumen und Kräuter sind medizinisch nutzbar. Bis ins Frühjahr stehen die Schafe auf den Magerweiden der Ebene, für den kurzen Sommer treiben die Hirten ihre Tiere in die Berge. Der Durmitor-Nationalpark ist berühmt für einen Rahmkäse, mit dem würzigen Geschmack seltener Bergkräuter, dem Skorup. Obwohl die Milch- und auch Fleischprodukte in dem Park höchste Bio-Qualität haben, finanziell lohnt sich das harte Leben kaum.


(ARD/SWR)


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20:22
VPS 20:15

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Die Renaissance - Aufbruch in eine neue Zeit

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Ganzen Text anzeigenRenaissance - Wiedergeburt - nannte man im Nachhinein die Kulturepoche des 15. und 16. Jahrhunderts. Sie hat viele Genies hervor gebracht. Max Moor stellt einige von ihnen vor.

Etwa das uneheliche Kind einer arabischen Sklavin: Leonardo da Vinci. Mit 30 Jahren wurde ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenRenaissance - Wiedergeburt - nannte man im Nachhinein die Kulturepoche des 15. und 16. Jahrhunderts. Sie hat viele Genies hervor gebracht. Max Moor stellt einige von ihnen vor.

Etwa das uneheliche Kind einer arabischen Sklavin: Leonardo da Vinci. Mit 30 Jahren wurde der gelernte Goldschmied von den Medici an den Mailänder Herzog empfohlen. Dort präsentierte er sich als Militärtechniker, Ingenieur, Architekt, Maler und Bildhauer.

Eingesetzt wurde er aber vor allem als Regisseur rauschender Feste. Seine vielen Notizbücher füllte er sozusagen im Nebenjob mit den berühmten Skizzen von Kriegs- und Flugmaschinen. Er betrieb das Studium an der Natur. Über religiöse Tabus setzte er sich einfach hinweg, er sezierte Dutzende von Leichen. Schon damals schrieb Giorgio Vasari in einer Biografie: "Wohin er den Geist auch lenkte, verhalf ihm seine Begabung, die schwierigsten Dinge mit Leichtigkeit zur Vollendung zu bringen."

Vorbild für die Architekten der Renaissance war der römische Baumeister Vitruv. Seine theoretischen Schriften wurden damals neu aufgelegt. Vitruv hat sich bei seinen Bauten am Maß des Menschen orientiert. Die Proportionen einer Säule zum Beispiel sollten den Proportionen des menschlichen Körpers entsprechen. Die italienischen Architekten der Renaissance wollten die gotische Ästhetik überwinden.

Das Kernland der Renaissance war Italien. Hier war die Verstädterung am weitesten fortgeschritten und in Folge waren es auch der Fernhandel und das Bankenwesen. In Italien hat es seit der Antike kontinuierlich urbanes Leben gegeben. In Deutschland und Frankreich lebte der Adel in der Provinz auf ihren Burgen, in Italien dagegen in der Stadt. Und Kultur wächst bekanntlich vor allem dort, wo Überfluss vorhanden ist. Das Großbürgertum Italiens eroberte entsprechend früher als anderswo die politische Macht.

Das Wissen der Menschen über die Welt nahm während der Renaissance explosionsartig zu. Zwar wurden die Eroberung Asiens und die Entdeckung Amerikas zunächst nur in Spanien und in Portugal zur Kenntnis genommen. Das übrige Europa registrierte diese Erweiterung des Horizonts erst mit einiger Verzögerung - vor allem, nachdem aus dem neuen Kontinent Gold und Silber flossen. Adam Riese schrieb das erste Rechenbuch. Peter Henlein konstruierte die erste Taschenuhr, Martin Behaim ließ den ersten Globus bauen, noch ohne Amerika. Der Arzt Paracelsus begründete die Wurzeln der heutigen Schulmedizin. Und Nikolaus Kopernikus brach mit der althergebrachten Welten-Ordnung: Nicht die Erde, sondern die Sonne sei der Mittelpunkt des Universums. Der Philosoph Ludwig Feuerbach kommentierte das später so: "Er hat die Menschheit um ihren Himmel gebracht." Prompt hat die katholische Kirche diese neue Lehre verboten. Allein es half nichts: Die Erkenntnisse Kopernikus' bildeten das Fundament der Forschungen von Galileo Galilei. In Pisa, am schiefen Turm, führte Galileo Galilei seine Experimente zum freien Fall durch.

Nachdem der Buchdruck durch Johannes Gutenberg revolutioniert wurde, war es vorbei mit dem Monopol der Mönche, alle geistige und weltliche Weisheit in handgeschriebenen Kopien zu verbreiten. Schon im 15. Jahrhundert gab es 30.000 verschiedene Druckwerke. "Die Reformation hätte ohne die Druckmedien nicht stattfinden können", schrieb der Historiker Burkhardt. Eingeleitet hat die Reform ein Augustinermönch aus Wittenberg: Martin Luther. An die Tür der Schlosskirche in Wittenberg soll er seine 95 Thesen geschlagen haben. In ihnen wandte er sich gegen den Ablasshandel der Kirche. Durch den Buchdruck wurden Luthers Thesen und seine nachfolgenden Schriften zur Reformierung der Kirche schnell bekannt.

Luthers Glaubenssätze läuteten aber zugleich auch das Ende der Renaissance ein. Mit der Kirchenspaltung begann ein neues Zeitalter. Der Kampf um den rechten Glauben, das Ringen um Dogmen verdrängte das individuelle Denken, und der Mensch quälte sich wieder in Selbstzweifeln. Politisch dämmerten am Horizont bereits das Massaker an den Hugenotten in Frankreich, die Bartholomäusnacht und der Dreißigjährige Krieg. Die großen künstlerischen und intellektuellen Errungenschaften der Renaissance aber überdauerten das alles. Der Humanismus prägt die Gelehrtenwelt bis heute, und die Kunst hat sich damals einfach weiter entwickelt: in den Barock.


(ARD/SWR/3sat)


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21:07
VPS 21:00

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Kohle, Stahl und Kupfer - Denkmäler der Industriegeschichte


Ganzen Text anzeigenDie Völklinger Hütte ist die Basis-Station für die filmische Reise von Max Moor zu Denkmälern der Industriegeschichte, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden.

1873 gegründet und 113 Jahre später still gelegt, war sie 1994 das erste ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenDie Völklinger Hütte ist die Basis-Station für die filmische Reise von Max Moor zu Denkmälern der Industriegeschichte, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden.

1873 gegründet und 113 Jahre später still gelegt, war sie 1994 das erste Industriedenkmal, das in die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde. Von hier aus geht die Reise weiter zu den bedeutenden Stätten der Industrialisierung.

Neben der Eisen- und Stahlindustrie steht die Textilindustrie für die Industrielle Revolution. Die Arbeitsbedingungen an den Spinnmaschinen und Webstühlen waren kaum besser als die in den Bergwerken oder an den Hochöfen. Das Bild tausender schwirrender Spindeln auf Spinnmaschinen wurde zu einem Inbegriff der Industrialisierung. 2.000 Menschen arbeiteten zeitweise in der Spinnerei von New Lanark, davon waren 500 Kinder. Dank Robert Owen, der um 1800 die Geschäftsführung übernahm, wuchs hier eine der folgenreichsten sozialen Ideen.

"Ich wollte nicht bloß als Manager einer Baumwollspinnerei wirken, sondern das Leben der Menschen verbessern", wird er später schreiben. "Die Gesellschaft ist in einem miserablen Zustand, geprägt von Ungerechtigkeit, Not und moralischem Zerfall. Daran sind die Menschen leider gewöhnt, aber sie haben ein Recht auf ein besseres Leben. Die Wohnverhältnisse müssen humaner werden. Die Kinder müssen ausgebildet werden." Owens Haus wird zur Keimzelle dessen, was man 150 Jahre später "Soziale Marktwirtschaft" nennen wird.

Die Radiostation Grimeton nahe der Stadt Varberg an der schwedischen Südwestküste spielte einmal eine Schlüsselrolle in der weltumspannenden Kommunikation. Die Station war ab den 1920er Jahren Teil eines globalen Funknetzwerks. Heute ist Grimeton der einzige noch funktionierende Längstwellensender und steht unter dem Schutz der UNESCO. Konstruiert hat dieses Kraftwerk des Längstwellenfunks Ernst Frederik Werner Alexanderson, ein Pionier der Funktechnik. Er hat das neutrale Schweden vor allem nach dem ersten und während des Zweiten Weltkriegs zu einem bedeutenden weltweiten Kommunikationsstützpunkt gemacht. Ohne die drahtlose Nachrichtenübermittlung hätte aufgrund der häufig unterbrochenen Überseekabel wohl weltweite Funkstille geherrscht. Die Entdeckung der elektromagnetischen Wellen und ihrer magisch anmutenden, drahtlosen Ausbreitung im Raum veränderte die Welt so dramatisch wie einst die Erfindung der Dampfmaschine.

Auch die Zeche Zollverein war einmal ein Wahrzeichen der Industrialisierung, des Aufschwungs und des Fortschritts. Ein trotziges Symbol für den Überlebenskampf im Ruhrgebiet. Seit 1986 stehen die Bänder still. Ruhe herrscht, wo täglich 15.000 Förderwagen zirkulierten. Schon lange vor der Stilllegung wurde entschieden, dass man das Wunderwerk der Industriearchitektur erhalten will, damit für künftige Generationen der Weg der Kohle nacherlebbar bleibt. Das Kesselhaus beherbergt heute das Designzentrum Nordrheinwestfalen und ein Museum. Die Zeche ist ein Treffpunkt für Künstler und Geschäftsleute, ein Ort für Konzerte und Kongresse. Nur die neue Nutzung kann die bauliche Substanz erhalten.


(ARD/SWR)


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21:51
VPS 21:45

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Kaiser, Konkubinen und Konfuzius - Chinas Welterbe

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Ganzen Text anzeigenDie Ausstellung "Die 8 der Wege - Kunst in Beijing" ist die Ausgangsstation für Max Moors Reise zu den wichtigsten UNESCO-Welterbestätten Chinas.

Der Titel verweist auf die Suche der Kuratoren nach den vielfältigen Ausdrucksformen der jüngeren Künstlergeneration ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenDie Ausstellung "Die 8 der Wege - Kunst in Beijing" ist die Ausgangsstation für Max Moors Reise zu den wichtigsten UNESCO-Welterbestätten Chinas.

Der Titel verweist auf die Suche der Kuratoren nach den vielfältigen Ausdrucksformen der jüngeren Künstlergeneration im heutigen Peking. Die Zahl Acht gilt in der chinesischen Kultur als Glückszahl. Und im Deutschen klingt in "acht" "Achtung" an.

Zum Beispiel die Achtung vor den Künstlern und ihrer Arbeit. Die Ausstellung zeigt, dass es vielen chinesischen Künstlern immer weniger um ästhetische Fragen geht, sondern um die Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Politik, Wirtschaft und Kultur ihres Landes.

Fast 9.000 Kilometer windet sich die Chinesische Mauer durch die Landschaft. Kein anderes Menschenwerk kann man mit ihr vergleichen. Ihre Entstehung ist eine Geschichte des Leidens und der Erfolge. Chinas erster Kaiser Qin Shi Huangdi musste um 220 vor Christus die Angriffe der Hunnen abwehren. Um sich abzuschotten, ließ er eine Mauer errichten. Die Große Mauer aber war das noch nicht. Die wurde erst über 1.000 Jahre später gebaut. Am Juyongguan-Pass nahe Peking hat sich ein Stück Mauer aus ältesten Zeiten erhalten - die sogenannte Wolkenterrasse. Von Buddhisten gebaut, kündet sie vom friedlichen Nebeneinander verschiedener Kulturen. Sie war einem Gott geweiht, dem "König des Himmels". Er sollte China beschützen, seine Krieger sollten die Feinde schrecken. Denn Abschreckung tat not: Immer wieder rannten Feinde gegen die Mauer an. Beim Bau der Mauer wurden zuerst zwei sieben Meter hohe Ziegelsteinmauern errichtet. Diese hatten einen Abstand von sieben Metern voneinander. Zwischen die beiden Mauern wurde Erde geschüttet und festgestampft. Hunderttausende Arbeiter sind bei dem Bau gestorben.

Vor 2.200 Jahren formten Zwangsarbeiter die Armee des Qin Shi Huangdi aus Ton. Die Krieger waren als Schutztruppen für den Herrscher bestimmt. Denn der Kaiser fürchtete den Tod. Im Jenseits sollten die tönernen Soldaten erwachen und für ihn kämpfen. Gleich nachdem er den Thron bestiegen hatte, ließ Qin Shi Huangdi auch seine Grabanlage errichten. 700.000 Menschen mussten dafür zwölf Jahre lang arbeiten. In elf jeweils 230 Meter langen Reihen stehen des Kaisers Soldaten in Schlachtordnung. Selbst die Pferde ließ der Kaiser in Lebensgröße nachbauen. Auch sie sollten ihn im Jenseits beschützen. 1974 wurde die Terrakotta-Armee entdeckt. Beim Bau eines Brunnens fand ein Bauer den ersten Soldatenkopf. Eine Halle schützt heute die Ausgrabungen. Neben der Großen Mauer und der Verbotenen Stadt sind die Tonsoldaten Chinas größte Attraktion. Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Xian, der Hauptstadt des ersten chinesischen Kaiserreiches.

Konfuzius war vor 2.500 Jahren einer von vielen Wanderpredigern und Weisen. Nach seinem Tod wurde er zum Begründer der chinesischen Staatsdoktrin. Konfuzius war schon lange tot, als ihm zu Ehren ein Tempel gebaut wurde. Von Dynastie zu Dynastie wurde dieser vergrößert. Wer früher den Konfuzius-Tempel in Qufu besuchte, hatte viel erreicht. Er war ein Anwärter auf ein hohes Staatsamt. Für die Mandarine, die hohen Beamten, war es Pflicht, nach Qufu zu pilgern. Beamte, ausgebildet nach Konfuzius Regeln, bestimmten bis ins 20. Jahrhundert die Geschicke Chinas. Jeder Kaiser besuchte vor seiner Inthronisation Qufu, Von Konfuzius selbst ist nichts Schriftliches überliefert. Erst Generationen später wurden seine Texte niedergeschrieben.


(ARD/SWR/3sat)


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22:36
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Die Tore zur Welt - Hafenstädte

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Ganzen Text anzeigenHafenstädte sind in vielerlei Hinsicht besonders: Die logistische Anbindung sorgte oft für hohen Warenumschlag und damit auch für Wohlstand und Arbeitsplätze.

Max Moor stellt einige historisch und modern bedeutsame Hafenstädte vor und spürt dem Lebensgefühl in ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenHafenstädte sind in vielerlei Hinsicht besonders: Die logistische Anbindung sorgte oft für hohen Warenumschlag und damit auch für Wohlstand und Arbeitsplätze.

Max Moor stellt einige historisch und modern bedeutsame Hafenstädte vor und spürt dem Lebensgefühl in diesen nach. Die Reise führt von Zentral-Vietnam über Ost-Afrika bis nach England.

Die historische Altstadt von Hoi An in Zentral-Vietnam liegt, von Reisfeldern umgeben, idyllisch am Thu-Bon-Fluss, der sie mit dem nahen Meer verbindet. Die Kleinstadt war einst eine Station der "Seidenstraße des Meeres", über 2.000 Jahre reichen ihre Ursprünge zurück. Schon als vom 4. bis 10. Jahrhundert in Zentral-Vietnam das Reich der Cham blühte, ankerten hier Segler aus Arabien und Persien, aus Indien und China. Seine Blütezeit erlebt der Hafen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, als sich immer mehr japanische und vor allem chinesische Seefahrer niederließen. Sie handelten mit hochwertiger Seide, mit Porzellan, Lacken und chinesischer Medizin. Schiffe aus Portugal, Holland, Indien, Siam, England und Frankreich liefen den kleinen, aber legendären Umschlagplatz an. Hoi An war auch der Hafen der Ngyuen-Kaiser, die im 150 Kilometer entfernten Hué residierten. Dann versandete der Thu-Bon-Fluss, und das nahe Danang übernahm Rolle und Funktion Hoi Ans in der Neuzeit. Hoi An fiel in eine Art Schönheitsschlaf, der den Vietnamkrieg sowie die harten sozialistischen Jahre überdauerte und aus dem das Städtchen erst in den 1990er Jahren durch den aufkommenden Tourismus erwachte.

Im ausgehenden 15. Jahrhundert hatten die Portugiesen es geschafft: Afrikas Südspitze war umschifft. Jetzt trennten sie nur noch der Ozean und seine Monsunwinde von den ersehnten Schätzen Indiens. Als Vasco da Gama und seine Mannen auf der Insel an der ostafrikanischen Küste landeten, staunten sie über fein gekleidete Menschen, arabische Händler und reich beladene Schiffe im Hafen. Hier luden sie Proviant, ließen die Boote reparieren fanden dann mithilfe der arabischen Seefahrer die Route nach Indien, die "carreira da India". Das riesige Fort Sao Sebastiao an der Nordspitze der Insel bezeugt bis heute die Stellung der Ilha de Moçambique im Handelsdreieck Europa-Afrika-Asien - ein Meisterwerk der Renaissance-Architektur. Die Ilha war bis Ende des 19. Jahrhunderts die Hauptstadt der Portugiesen in Ostafrika. Heute ist der ehemalige Glanz verblasst und blättert ab wie der Putz an den Steinbauten.

Liverpool ist nicht nur die Heimat der Beatles und des glorreichen FC Liverpool: Die Stadt am Mersey-River war im 18. Jahrhundert eine der bedeutendsten Städte des britischen Imperiums. 40 Prozent des Welthandels wurden damals über Liverpool abgewickelt. Ihren Wohlstand verdankte die Stadt auch dem Sklavenhandel. Zeugen dieser nicht immer ruhmreichen Vergangenheit sind die "Drei Grazien", eine Gebäudeensemble, zu dem das Harbour Port Building, das Royal Liver Building und das Cunard Building gehören. "Liverpool", zu deutsch "schlammiger Pfuhl", wurde um 1200 erstmals erwähnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem deutsche Bomben erhebliche Schäden anrichteten, nahm die Bedeutung Liverpools kontinuierlich ab. Liverpool war die ärmste Großstadt Europas. Heute schöpft die Stadt wieder Hoffnung. Langsam aber stetig entstehen wieder Arbeitsplätze. Liverpool setzt auf Dienstleistungsunternehmen, die IT-Branche und den Tourismus.


(ARD/SWR/3sat)


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Metropolen des Handels

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Ganzen Text anzeigenEs gibt Städte, die sind Knotenpunkte auf der Welt. Nirgendwo anders werden und wurden so viele Güter umgeschlagen, kommen so viele Menschen an, ballt sich so viel Kultur.

Max Moor stellt einige dieser Metropolen vor, viele davon beherbergen UNESCO-Weltkulturerbe und ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenEs gibt Städte, die sind Knotenpunkte auf der Welt. Nirgendwo anders werden und wurden so viele Güter umgeschlagen, kommen so viele Menschen an, ballt sich so viel Kultur.

Max Moor stellt einige dieser Metropolen vor, viele davon beherbergen UNESCO-Weltkulturerbe und haben eine lange Geschichte. Die Reise führt von Willemstad in der Karibik über Bordeaux nach Brügge und Amsterdam.

Als holländische Idylle liegt Willemstad in der Karibik. Die Hauptstadt von Curacao ist das Werk jüdischer Siedler. Sie waren vor der Inquisition aus Spanien erst nach Amsterdam geflohen und hatten dann auf Curacao eine neue Heimat gefunden. Die holländische Krone nutzte die Insel als Stützpunkt für den Sklavenhandel. Geblieben sind die Nachfahren der Sklaven, die sich heute autonom verwalten. Lohnende Geschäfte gibt es so fern vom Mutterland noch immer. Das in leuchtenden Farben herausgeputzte "Klein Amsterdam" ist ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrttouristen - und für nicht versteuertes Geld.

Mit Bordeaux verbinden die meisten Menschen zuerst den tiefroten Wein, erst danach folgt die Stadt im Südwesten Frankreichs. Seit dem 16. Jahrhundert steht das Bürgertum der Stadt für Selbstbewusstsein, Freiheitswillen, Stolz und Unabhängigkeit. Ein Bürgertum, dass seine weit reichenden Handelsbeziehungen und den natürlichen Hafen am Ufer der Garonne nutzte, um mit England, Portugal, Nordafrika und Südamerika jahrhundertelang Wirtschaftsbeziehungen zu pflegen. Weltoffen und weitgehend unabhängig vom zentralistisch-royalistischen Paris, zeigte sich Bordeaux als Vorreiter eines wirtschaftlichen Globalismus.

Eigentlich hat eine Naturkatastrophe den Aufstieg Brügges zu einem der bedeutendsten Handelsplätze Europas im Mittelalter geebnet: Eine Sturmflut pflügte 1134 eine Rinne in die Meeresbucht Zwin und schuf einen direkten Zugang zur Nordsee. Brügge entwickelte sich zu einem der meistangelaufenen Häfen im Norden Europas, war bald Drehscheibe im internationalen Handel. Der allgegenwärtige Reichtum der Händler, Bankiers und Adeligen lockte bedeutende Künstler an, darunter auch die Maler der Flämischen Schule. Als die "Flämischen Primitiven" revolutionierten sie die Bildende Kunst mit einem bis dahin nicht gekannten Realismus, der durch eine natürliche, bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Darstellung eine neue Sicht auf Mensch und Natur eröffnete. Bedeutende Vertreter wie Jan van Eyck wurden auch in Italien als Malerfürsten verehrt. Brügge avancierte zum größten kulturellen Zentrum nördlich der Alpen.

Prächtige Giebelhäuser, steinerne Brücken, ein raffiniertes System von größeren und kleineren Wasserstraßen - Amsterdam ist das Venedig des Nordens. In einem weiten Halbkreis umschließt der Grachtengürtel mit seinen drei Hauptkanälen die Altstadt im Süden und Westen. Das Ensemble gilt als städtebauliches und architektonisches Gesamtkunstwerk aus dem 17. Jahrhundert und wurde 2010 zum UNESCO-Welterbe ernannt. 1602 schlossen sich Amsterdamer Kaufleute zur Niederländischen Ostindienkompanie zusammen, später folgte die Westindienkompanie - der Grundstein eines riesigen Wirtschaftsimperiums. Das kleine Holland war Ende des 16. Jahrhunderts zur führenden Seehandelsnation der Welt aufgestiegen. Das Geschäft mit Kolonialwaren florierte, brachte Reichtum in die niederländische Seemetropole. Um Platz für Handelskontore und Wohnhäuser zu schaffen, wurden Sumpfgebiete trockengelegt, hunderttausende Holzpfähle als Fundamente in den Sand gerammt. Es entstanden die großen drei Kanäle Herengracht, Prinsengracht und Keizergracht, verbunden durch eine Vielzahl kleiner Nebenkanäle. Wohlhabende Bürger leisteten sich luxuriöse Giebelhäuser mit prachtvollen Salons und barocken Gärten. Noch heute ist der Grachtengürtel eine der beliebtesten Wohnadressen der reichen Amsterdamer.


(ARD/SWR/3sat)


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Das Erbe des Römischen Reiches


Ganzen Text anzeigenDas Römische Reich fasziniert nach wie vor und prägt noch immer unser Leben. Vom Limesmuseum in Aalen ausgehend stellt Max Moor das Erbe des Römischen Reiches vor.

Das Römische Reich war riesengroß und existierte länger als jedes andere Imperium - über 1.000 ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenDas Römische Reich fasziniert nach wie vor und prägt noch immer unser Leben. Vom Limesmuseum in Aalen ausgehend stellt Max Moor das Erbe des Römischen Reiches vor.

Das Römische Reich war riesengroß und existierte länger als jedes andere Imperium - über 1.000 Jahre. Doch die Römer haben mehr hinterlassen als Monumentalbauten und Statuen. Wir verdanken den Römern unser Alphabet und unser Justizsystem.

Unsere Hauptverkehrswege sind nach römischem Vorbild erbaut, und auch die moderne Architektur, Malerei und Bildhauerei fußen auf römischen Vorbildern. Im Grunde genommen ist unsere moderne westliche Lebensart nichts anderes als die Weiterentwicklung der römischen.

Vom Limes ausgehend führt die Reise rund ums Mittelmeer. Das syrische Bosra mit seinem Freilichttheater war Hauptstadt der Provinz Arabia. Leptis Magna im heutigen Libyen war eine Art Steuerparadies der Antike, und im tunesischem El Djem erinnert das Kolosseum an die einstigen Gladiatorenkämpfe. Der Pont du Gard in Südfrankreich zählt mit seinen drei Etagen und den 64 Rundbögen zu den Meisterwerken der antiken Baukunst. Immer noch ist der monumentale Bau eine Pilgerstätte für Architekten und Touristen aus aller Welt. Tourismus war sehr beliebt im Römischen Reich. Die Lieblingsrouten der Reisenden führten zu den heute noch frequentierten Reisezielen, etwa an der Adria. Butrint war ein beliebter Ferienort - eine Kur- und Festspielstadt.

Eine der Stärken der römischem Mythologie war es, sich fremde Ideen einzuverleiben: Man übernahm nicht nur die Ökonomie eines unterworfenen Reiches, man übernahm sein ganzes Wissen und seinen Glauben. In der Stadt Baalbek im Libanon stand ein Tempel, der in Größe und Pracht einzigartig war im Römischen Reich: der Jupitertempel. Einst verehrten hier die Syrer ihren Gott Baal, später weihte Alexander der Große die Stätte dem Sonnengott Helios.

Moderne Archäologen befassen sich aber nicht nur mit Ausgrabungen. Ihre Untersuchungsmethoden gleichen eher denjenigen von kriminalistischen Spurensuchern. So hat man herausgefunden, dass es im Römischen Reich beträchtliche Gesundheitsunterschiede zwischen Armen und Reichen gab. Die Armen hatten bessere Zähne. Auf Grund der Stärke- und zuckerreicheren Ernährung der Wohlhabenden litten diese viel häufiger an Karies - ein echtes Wohlstandsleiden.


(ARD/SWR)


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Von Aphrodite bis Theoderich - Das Erbe der Antike

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Ganzen Text anzeigenDie Mythologie der Antike bietet einigen dramatischen Stoff: Von Liebesgöttinnen über geflügelte Schlangen, die die Zukunft voraussagen, bis hin zum mächtigen Göttervater Zeus.

Diese Etappe der Reise besucht Kultorte und religiöse Stätten der Antike. Dazu ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenDie Mythologie der Antike bietet einigen dramatischen Stoff: Von Liebesgöttinnen über geflügelte Schlangen, die die Zukunft voraussagen, bis hin zum mächtigen Göttervater Zeus.

Diese Etappe der Reise besucht Kultorte und religiöse Stätten der Antike. Dazu gehören die sportlichen Wettkämpfe in Olympia und die wie in der Zeit eingefroren erscheinende Geisterstadt Pompeji. Danach geht es auf weitere Spurensuche nach Paestum und Ravenna.

Paphos auf der Insel Zypern ist seit fast 9.000 Jahren ein Wallfahrtsort. Bereits in der Megalith-Zeit wurde hier eine Fruchtbarkeitsgöttin verehrt, deren Kult um 3.000 vor Christus ihren Höhepunkt erreichte. Zypern war für die antiken Seefahrer ein Kreuzungspunkt. Einwanderer aus allen Himmelsrichtungen aus Europa, Asien und Afrika nahmen hier ebenfalls den Göttinnen-Kult an. Nur der letzte Name der Göttin ist überliefert: Die Griechen, die schließlich die Insel beherrschten, nannten sie "Aphrodite".

Der Mythologie zufolge ließ Zeus zwei Adler von je einem Ende der Welt fliegen. Sie trafen sich in Delphi. Seither galt dieser Ort als Mittelpunkt der Welt. Hier hat sich die Erdmutter Gaia mit dem Schlamm der Erde vereinigt und Python, die geflügelte Schlange, geboren. Python konnte die Zukunft voraussagen. Als die Schlange von Apollo, dem Sohn des Zeus, getötet wurde, übertrug das vergossene Blut die hellseherischen Fähigkeiten auf den Ort. Fortan stand Delphi unter dem Schutz Apollos. Über tausend Jahre war das Heiligtum Anlaufstelle für Ratsuchende. Die ausführlichen Orakelsprüche waren meist rätselhaft. Diese Zweideutigkeit war ihre Macht, so waren sie beinahe unfehlbar. Laios, dem Vater des Ödipus, wurde in Delphi prophezeit, dass er von seinem Sohn getötet werde und dieser dann Laios' Frau, also die eigene Mutter, heiraten werde.

Rund 1.000 Jahre lang, bis Erdbeben, historische Umwälzungen und die schlammigen Fluten des Flusses Kladeos das Feld der Ehre versinken ließen, rangen Sportler um Ehre und Ölzweig in Olympia. Es gibt zahlreiche Geschichten von Helden und Halbgöttern und - von Skandalen. Bis zur Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert schlummerten die heilige Hallen, Siegerstatuen und Trainingslager unter der Erde.

Farblos und abstrakt, eine Angelegenheit für Geschichtsforscher, wäre das große römische Reich ohne Pompeji geblieben. Aber die Ausgrabung dieser Geisterstadt im Golf von Neapel macht die alten Römer wieder lebendig. In 600 Jahren Stadtgeschichte haben viele Kulturen Pompeji auf- und umgebaut. Im Jahr 62 nach Christus hatte ein Erdbeben die Stadt verheert. Der Wiederaufbau war noch gar nicht abgeschlossen, als am 24. August 79 der Vesuv ausbrach und Pompeji unter einer sechs Meter dicken Schicht aus Asche und Bimssteinkieseln verschüttete - und konservierte. Der Kaiser entschied, die von den Göttern verfluchten Orte nicht wieder aufzubauen.


(ARD/SWR/3sat)


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3:48
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Kulturerbe Afrika


Ganzen Text anzeigenAfrika ist kein homogener Raum. Es ist ein Kontinent mit über 50 Staaten, bevölkert von mehr als einer Milliarde Menschen. Und es ist ein Kontinent mit unzähligen, zum Teil uralten Kulturen.

In ihrer Vielfalt wurden diese von der UNESCO als Welterbe ausgezeichnet. ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenAfrika ist kein homogener Raum. Es ist ein Kontinent mit über 50 Staaten, bevölkert von mehr als einer Milliarde Menschen. Und es ist ein Kontinent mit unzähligen, zum Teil uralten Kulturen.

In ihrer Vielfalt wurden diese von der UNESCO als Welterbe ausgezeichnet. Max Moor zeigt in dieser Etappe einige der afrikanischen Kulturen - von Timbuktu bis Ghana.

Durch die Wüste führen die alten Salzkarawanenwege der Tuareg. Seit Jahrhunderten ist Timbuktu im heutigen Mali ein Zentrum des Sahara-Handels. Ende des 19. Jahrhunderts passierten hier jedes Jahr etwa 400 Karawanen mit 140.000 Kamelen. Der deutsche Geograf und Afrikaforscher Heinrich Barth reiste 1849 mit einer britischen Expedition durch Westafrika. Ein halbes Jahr lebte Barth in Timbuktu. Er schrieb über die Lehmarchitektur und die bunten Farben.

Eine alte Bevölkerungsgruppe, die Dogon, sind vor über 800 Jahren in den kahlen, unwirtlichen Osten Malis vertrieben worden. Vermutlich, weil sie sich geweigert haben, zum islamischen Glauben überzutreten. Die Felsen des Bandiagara-Plateaus boten den Dogon Schutz vor Verfolgung. Die Kunst der Dogon, vor allem ihre Holzfiguren, symbolisieren und beschwören die Verbindung der Lebenden zu ihren Ahnen. Zeugnisse dieser Kunst finden sich heute in den bedeutendsten Museen der Welt.

Alle Wege führen nach Djenné, sagt man in Mali. Händler wie Gläubige streben in die alte Handelsstadt im Herzen des westafrikanischen Staates. In alten Berichten wird Djenné als groß, reich und glücklich beschrieben. Als eine Stadt, in der der Handel floriert und das Handwerk gedeiht. Djenné, die schönste Stadt der Sahelzone, "vom Himmel gesegnet und geliebt von Gott", gilt bis heute als das Juwel im Tal des Niger.

Nirgendwo in Afrika liegt mehr Gold unter der Erde als in Ghana. Man fördert es bis heute. Auch wenn es von ausländischen Firmen abgebaut wird, sind die Ashanti immer noch stolz auf "ihr" Gold, das Grundlage ihrer vorkolonialen Zivilisation war. Und das, wie alle Bodenschätze Afrikas, auch die Begehrlichkeiten der Kolonialmächte weckte. Das Land der Ashanti liegt im Waldgürtel Westafrikas. Fast 200 Jahre herrschten die Ashanti im heutigen Ghana. Ihr Reich war einer der wenigen afrikanischen Staaten, das ernsthaft Widerstand gegen die europäischen Kolonialmächte leisteten. Erst 1900 unterlagen die Ashanti den Briten. Die Kultur dieses legendären Reiches aber lebt noch immer fort.


(ARD/SWR)


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Naturerbe Afrika


Ganzen Text anzeigenGegensätze wie sie größer wohl kaum sein können, bestimmen die Natur Afrikas. Durch seine Lage und seine kompakte Form besitzt Afrika die größte zusammenhängende Landmasse der Tropen.

In der südlichen Sahara finden sich mit dem Air-Gebirge und der Wüste ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenGegensätze wie sie größer wohl kaum sein können, bestimmen die Natur Afrikas. Durch seine Lage und seine kompakte Form besitzt Afrika die größte zusammenhängende Landmasse der Tropen.

In der südlichen Sahara finden sich mit dem Air-Gebirge und der Wüste Ténéré extrem gegensätzliche Landschaftsformen. Eine menschenfeindliche Mondlandschaft, bizarr und schroff, sowie ockerfarbene Dünen mit stetig wechselnden Formen.

Tansania mit seinen berühmten UNESCO-Welterbestätten Serengeti, Ngorongoro und Kilimandjaro ist so etwas wie das Bilderbuch Afrikas und weckt die Sehnsucht vieler Europäer nach einer intakten Natur. Als der Afrika-Forscher David Livingstone zum ersten Mal die Viktoria-Fälle erblickte, notierte er: "Vom Winde gebogen und sich anscheinend mit den Wolken vermischend, leibhaftiger Rauch! Die Eingeborenen nennen das Naturwunder, dem sie aus Furcht nicht gerne nahe kommen, 'Donnender Rauch', wörtlich, - Rauch lärmt hier - und diese Benennung kann nicht anders als passend gefunden werden."

Wieder ganz anders sind die Inseln vor Afrika. Bis vor 40 Jahren war der urzeitlich anmutende Palmenwald in dem abgelegenen Vallée de Mai auf der Seychelleninsel Praslin noch völlig unberührt. Als vor Jahrmillionen der afrikanisch-indische Urkontinent auseinander driftete, blieb mitten im Ozean die Insel Madagaskar zurück. Erst vor tausend Jahren begannen Einwanderer, diese urkontinentale Landschaft zu verändern. Nur wenige Landschaften konnten sich dieser Urbarmachung widersetzen. Das Naturreservat der "Tsingys" stellt einer Besiedelung bis heute eine natürliche Barriere entgegen: bizarre, nadelförmige Felsformationen.


(ARD/SWR)


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5:18
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Wunderwelten des Wassers


Ganzen Text anzeigenWasser ist einer der wichtigsten Stoffe für unser Leben. Der Mensch besteht zu 60 bis 70 Prozent aus Wasser. Die Erde, der "blaue Planet" wird zu mehr als zwei Dritteln von Wasser bedeckt.

Lang anhaltender Wassermangel führt zu Hungersnöten, Völkerwanderungen und ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenWasser ist einer der wichtigsten Stoffe für unser Leben. Der Mensch besteht zu 60 bis 70 Prozent aus Wasser. Die Erde, der "blaue Planet" wird zu mehr als zwei Dritteln von Wasser bedeckt.

Lang anhaltender Wassermangel führt zu Hungersnöten, Völkerwanderungen und sogar zu Kriegen. Aber Wasser kann auch eine Gefahr sein - in Form von Tsunamis und Sturmfluten etwa.

Obwohl am Meer liegend, ist Oman ein karges Land. Es ist aber auch ein Land, das sich selbst versorgen kann. Das ist das Ergebnis einer 4.000 Jahre alten Technik, die dem Wüstenstaat Oman zum Überlebensprinzip geworden ist: Die Aflaaj - ein Bewässerungssystem, das eine ganze Gesellschaft definiert. Aus sogenannten Wadis, Flussläufen, die nur nach Regen Wasser führen, und aus Quellen speisen sich die Kanäle, mit dem die Dörfer und Oasen mit kostbarem Süßwasser versorgt werden. Seit vielen hundert Jahren werden die Aflaaj gepflegt und renoviert. Eine Versorgung, die ohne technische Hilfsmittel auskommt und nur das natürliche Gefälle nutzt.

Für die Niederländer hingegen gehört der Kampf mit dem Meer zum Leben. Verheerende Sturmfluten raubten den Niederländern in den vergangenen tausend Jahren immer wieder Teile ihres Landes, ertränkten Menschen und Vieh. Die Windmühlen von Kinderdjik gehören zum Klischee Hollands wie Holzschuhe und Fahrräder. Und sie sind ein UNESCO-Weltkulturerbe das zeigt, dass ökologische Energiegewinnung keine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist: Vor 1.000 Jahren schon hatte eine große Flut Holland heimgesucht. Deiche wurden gebaut, um sich vor Überschwemmungen zu schützen. Das Hinterland musste trocken gelegt werden. Man hätte Riesen gebraucht, die das Wasser ausschöpfen und in die höher gelegene Kanäle und Flüsse ableiten. Und so haben die Niederländer Riesen gebaut - Windmühlen. Sie fangen Wind und Sturm und übertragen diese Kräfte auf große Schaufelräder.

Die bizarren Bergspitzen von "Las Médulas" im Nordwesten Spaniens sind nicht durch Erosion entstanden. Keine Eiszeitströme gruben Schluchten in das Gestein und schwemmten Lehm und Kiesel fort. Kein Wind schliff die Formen aus den Bergen. Las Médulas ist ein Werk von Menschenhand. "Ruina Montium" - "Zerstörung der Berge", nannten die Römer die Technik, mit der sie Berge durch Wasserkraft sprengten, um an die goldhaltigen Schichten zu gelangen. Wie mit Maulwurfsgängen wurde die Erde durchhöhlt. Wasser wurde in großen Staubecken gesammelt. Man zergrub den Berg mit Schächten. Dann zog man eine Schleuse auf, die Wassermassen stürzten in die Schächte und explodierten, mit der Luft sich mischend, dass es den Berg zerriss. Etwa 3.000 Meter beträgt der Durchmesser des Kraterkessels, aus dem im Lauf von 150 Jahren 100 Millionen Kubikmeter Erde ausgespült wurden, um an gerade mal 100 Zentner Gold zu gelangen.


(ARD/SWR)