Kultur
Oracle: Wem gehören unsere Daten?
Die Themen der "Kulturzeit" vom 20.02.2026: Oracle, Berlinale Zoom, Karl Schlögel und Serhij Zhadan über die Ukraine, "Ostdeutsche Allgemeine", Theaterstück "Pretty Privilege".
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2025
- Datum:
- Verfügbar
- weltweit
- Verfügbar bis:
- bis 30.04.2026
Die Themen der Sendung:
Wem gehören unsere Daten? Deutschlands Abhängigkeit von Oracle
Jeden Tag werden in Deutschland Millionen Datensätze gespeichert: Personalakten, Steuerbescheide, Gesundheits- und Infrastrukturdaten. Ein Großteil dieser Daten läuft über Systeme US-amerikanischer Konzerne. Von der Deutschen Bahn über die Bundeswehr bis hin zum Bundestag ist der US-Konzern Oracle zum Standardsystem des deutschen Staates geworden. Rund 80 Prozent der Verwaltungsdaten des Bundes liegen in seinen Datenbanken. Eine Entscheidung mit politischen Folgen, sagt Pamela Krosta-Hartl, die das Zentrum für digitale Souveränität leitet. Das sei extrem kritisch, weil in einer stark veränderten geopolitischen Lage technologische Abhängigkeit immer mehr zum Druckmittel werde. "Und deshalb müssen wir diese Abhängigkeiten auflösen", sagt Krosta-Hartl. Donald Trumps Politik zeigt immer wieder, wie unberechenbar US-amerikanische Macht sein kann.
Europa bemüht sich um Eigenständigkeit, doch gerade bei der Datenspeicherung ist das alles andere als einfach. Konzerne wie Oracle haben über Jahre komplexe Systeme aufgebaut, die sich nur schwer und mit enormen Kosten ersetzen lassen. Wie könnte Europas Antwort auf die Abhängigkeit von Big Tech Unternehmen sein?
Berlinale Zoom: Tops und Flops
Die Berlinale neigt sich ihrem Ende zu. Am Abend des 21. Februar werden im Berlinale-Palast die begehrten Bären-Trophäen vergeben. Wir ziehen eine Bilanz der diesjährigen Berlinale und fragen Filmkritikerin Katja Nicodemus in Berlin nach ihren Eindrücken und Favoriten.
Mehr zur Berlinale
"Seit Jahren reden wir über den Krieg..." - die Ukraine im vierten Kriegsjahr
Karl Schlögel und Serhij Zhadan, beide Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, sprechen in der Akademie der Künste in Berlin über den Krieg in Europa, seine Auswirkungen auf Städte und Menschen, auf Landschaften und Topographien, über Vermessung von Zeit und von Raum im 21. Jahrhundert. Bereits 2014 bezeichnete der Historiker Karl Schlögel den Krieg Russlands gegen die Ukraine als einen schamlosen Angriff und mahnte, dass es kein Europa ohne eine freie Ukraine gäbe. Seit vielen Jahren spricht Europa über den Krieg und die Freiheit. Den Gesprächen gegenüber steht die Realität in der Ukraine: Der Krieg geht mit all seinen Verlusten weiter und nimmt Menschen und Orte ins Visier, ergreift Räume und bestimmt den Zeitlauf. Doch immer noch gelten die Worte des ukrainischen Autors Serhij Zhadan: "Wir halten es für fahrlässig, über uns zu schweigen".
Mehr zur Ukraine
Die neue "Ostdeutsche Allgemeine Zeitung"
Die "Ostdeutsche Allgemeine Zeitung" will die Stimme des Ostens werden und offen sein für alle politischen Richtungen. Verleger Holger Friedrich, dem bereits die "Berliner Zeitung gehört", arbeitet selbst die nächsten Wochen als Korrespondent aus Chemnitz. Mit dem Vorwurf, ein Organ für Populisten zu schaffen, kann er nichts anfangen. In der Redaktion der "Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung" in Dresden versammeln sich Journalisten, die vorher in unterschiedlichsten deutschen Medienhäusern gearbeitet haben. Was sie hier machen wollen, fasst Chefredakteur Dorian Baganz in drei Punkten zusammenfassen. "Wir werden positiver über den Osten berichten, als es die anderen Medien tun. Punkt eins. Punkt zwei, wir werden die großen medialen oder auch generell politischen Debatten in diesem Land aus ostdeutscher Perspektive abbilden und begleiten. Und Punkt drei, wir werden das Ganze dann noch garnieren und schmücken mit tollen Lokalgeschichten, die aus der Region reinkommen." Ob die erste Neugründung einer überregionalen Zeitung seit mehr als 30 Jahren ein Erfolg wird – das entscheidet ab dem 20. Februar der Leser.
"Pretty Privilege" am Staatstheater Stuttgart
Regiestar Wilke Weermann wagt mit "Pretty Privilege" eine überspitzte Neuinterpretation von Oscar Wildes "Das Bildnis des Dorian Grey" am Staatstheater Stuttgart. Die Schauspielerin Sibyl fürchtet ihre Konkurrenz, vor allem die virtuelle. Also lässt sie ein digitales Abbild von sich erstellen. Die digitale Sibyl soll die echte entlasten und als eine Art Stellvertreterin den Anforderungen der Filmindustrie standhalten. Wilke Weermann wirft mit Avataren, die am Ende des Stücks einfach selbständig im digitalen Raum weiter existieren, existenzielle Fragen im medialen Zeitalter auf.