Kultur
Israels Medien im Krieg
Die Themen der "Kulturzeit" vom 20.03.2026: Medien in Israel, Salman Rushdie, Buchmessen-Flash: Prinzip Hoffnung, Diagonale in Graz, zum Tod von Chuck Norris.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 20.03.2026
- 19:24 - 20:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
Mit einer Stimme? Israels Medien im Krieg
Wenn die Kanonen donnern, schweigen die Musen – und ebenso die israelischen Journalisten, die größtenteils darauf verzichteten, Kritik am israelisch-US-amerikanischen Angriff auf den Iran zu äußern. Anstatt zu fragen, ob ein Krieg in einem Wahljahr tatsächlich eine "Kampagne für die Menschheit" sei, wie Benjamin Netanjahu behauptet, blasen die Kommentatoren in den Fernsehstudios fast alle in dasselbe patriotische Horn. "In dem Moment, in dem ein Krieg ausbricht, verfallen die Medien in Israel wie blind in einen Automatismus," beklagt Anat Saragusti, Vorsitzende der Israelischen Journalisten Gewerkschaft. "Alle Fernsehstudios sind plötzlich voll mit ehemaligen Generälen, die gerade ihre Uniform ausgezogen haben. Und deren Job ist es, uns die Wirklichkeit zu erklären. Alle reden mit Ausrufezeichen: 'Mit aller Kraft müssen wir draufhauen! Mit allem was wir haben!' Und niemand hinterfragt das."
Das heißt nicht, dass kritische Stimmen nicht gehört werden. Die Journalistin Merav Betito ist politische Kommentatorin im in der Regel regierungskritischen Fernsehsender Channel 13. Bereits am zweiten Kriegstag äußerte sie in einer Live-Diskussion scharfe Kritik. "Netanjahu hätte diesen Krieg verhindern können," ereiferte sie sich. "Und jetzt soll ich ihm zujubeln? Ich trau ihm nicht über den Weg, und darf alle daran erinnern, dass er das Massaker des 7. Oktober auf dem Gewissen hat." Der konservative Kommentator Dror Ben Yamini fällt ihr ins Wort. "Nein! Nicht jetzt! Nicht jetzt! Jetzt ist Israel im Krieg. Ob du links bist oder rechts, jetzt bekämpfen wir alle denselben Feind."
Ein Hurra-Patriotismus, der historisch erklärbar ist, meint Gabriel Weiman, Kommunikationswissenschaftler von der Universität Haifa. "Das Phänomen, das die Amerikaner 'Rally around the flag' nennen, ist natürlich und logisch", meint Weiman. "Das geschieht in jedem Krieg überall auf der Welt. In den beiden Weltkriegen, nach 9/11 und auch bei uns. Besonders zu Kriegsbeginn sehen die Medien ihre Aufgabe im Patriotismus, im Dienst des Staats, im Dienst der nationalen Sicherheit, der gesellschaftlichen Solidarität. Die journalistische Funktion kommt immer erst später." Doch Kritik an Kriegsführung und die Frage nach Kriegszeilen, meinen andere, sollten schon in den ersten Stunden nach Kriegsausbruch laut gemacht werden. "Es ist nicht unpatriotisch, die Parolen der Armee zu hinterfragen und infrage zu stellen", so Anat Saragusti. "Im Gegenteil, es zeugt von Stärke und Unabhängigkeit. Denn die Presse soll der Öffentlichkeit dienen. Im aktuellen Krieg mit dem Iran sind die israelischen Medien wieder einmal als erstes gefallen – ohne überhaupt in die Schlacht zu ziehen."
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Salman Rushdie in Deutschland
Ungebrochen, unerschütterlich, unerschrocken: Auf die Schicksalsschläge seines Lebens reagiert Salman Rushdie, indem er einfach weiterschreibt. Sein jüngstes Buch "Die elfte Stunde" versammelt fünf Erzählungen, die sich in unterschiedlichen Schattierungen mit dem Tod auseinandersetzen. Und doch ist das Ganze nicht so düster wie es klingt, sondern in des Autors Manier voller Ironie. Der Optimist Rushdie, der von sich sagt, er habe nach dem Attentat auf ihn ein zweites Leben geschenkt bekommen, blickt voller Weisheit auf unsere beschädigte Welt. Wir sprechen mit ihm über sein Buch, über Zensur und Meinungsfreiheit und seine Wahlheimat USA.
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Bundestag befasst sich mit Buchhandlungpreisaffäre von Weimer
Der Bundestag befasst sich am 20. März mit dem umstrittenen Eingreifen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) in das Vergabeverfahren für den deutschen Buchhandlungspreis. Die Linken-Fraktion hat dazu eine Aktuelle Stunde zum Thema "Kunst-, Kultur- und Meinungsfreiheit verteidigen – Einschränkungen durch den Beauftragten für Kultur und Medien beenden" beantragt. Weimer hatte den Ausschluss der Buchhandlungen mit nicht näher bezeichneten Erkenntnissen des Verfassungsschutzes begründet.
Buchmessen-Flash: das Prinzip Hoffnung
Wir treffen auf der Leipziger Buchmesse Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in ihren Werken trotz Kriegen und Krisen eine gewisse Hoffnung schüren. Vor den Gefahren der Sozialen Medien als Werkzeug der Desinformation warnt Michal Hvorecky in seinem Roman "Dissident". Der Autor ist in der Slowakei zur Galionsfigur des Widerstandes von Kulturschaffenden gegen eine gesellschaftliche Rolle rückwärts geworden. In Sasha Filipenkos bizarrer Politkomödie "Die Elefanten" stehen diese plötzlich bei vielen Bürgern buchstäblich im Raum und fordern die Regierung heraus. Christine Kohschmieder erzählt, wie sie nach einem Alkoholentzug als alleinerziehende Mutter einen sicheren Ort erschaffen will in "Ein Haus für mich".
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Diagonale: Zentrum des österreichischen Films
Das Filmfestival Diagonale in Graz wurde eröffnet und verwandelte die Stadt erneut in einen Treffpunkt für Filmschaffende und Filmfans. In sechs Tagen werden rund 150 Filme gezeigt, die die gesamte Bandbreite des österreichischen Films abbilden.
Zum Tod von Chuck Norris
Action-Star ChuckNorris ist tot. Der weltberühmte Kampfkünstler und Schauspieler starb im Alter von 86 Jahren, wie seine Familie mitteilte. Norris hatte bis ins hohe Alter geschauspielert, wenn auch zuletzt immer seltener. Auf Leinwand und Bildschirm ließ er meist die Fäuste fliegen. 2012 schlug er in "The Expendables 2" als Senior der Altherren-Riege noch an der Seite von Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis zu. Berühmt geworden war er in Deutschland insbesondere durch seine Dauer-Rolle als Gesetzeshüter Cordell Walker in der TV-Serie "Walker, Texas Ranger". Ab 1993 spielte er mehr als acht Jahre den uramerikanischen Ranger in Texas, der für Recht und Gesetz eintritt. Der konservative Star und Waffenliebhaber konnte sich immer auf eine eingeschworene Fangemeinde stützen. In der Popkultur wurden immer neue sogenannte Chuck-Norris-Witze erfunden, in denen Norris eigentlich unmögliche Dinge schafft oder jemanden immer noch einmal übertrumpfen kann. Aufgewachsen war Norris in einer religiösen Familie im ländlichen Oklahoma, als junger Soldat hatte er in Korea die Karate-Variante Tang Soo Do entdeckt. Als Kampfsportlehrer wurde er in den 1960er Jahren in der Martial-Arts-Szene bekannt. Mehrere Jahre war er Karate-Weltmeister im Mittelgewicht, über Kampfsportfreunde wie Bruce Lee und Steve McQueen schaffte er schließlich den Sprung nach Hollywood.