Die israelische Flagge - ein blauer sechseckiger Stern auf weißem Grund zwischen zwei blauen Balken - weht vor blauem Himmel.

Kultur

Wahlkampf in Israel spitzt sich zu

Die Themen der "Kulturzeit" vom 31.08.2026: Israels Wahlkampf, Ahmad Mansours "Haltung ohne Hass", Film "Vaterland", Band My Ugly Clementine, Ann-Sophie Mutter feiert 50. Bühnenjubiläum.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
01.09.2026
06:20 - 07:00 Uhr

Die Themen der Sendung:

Israels Wahlkampf spitzt sich zu

Bereits zwei Monate vor den Parlamentswahlen in Israel spitzt sich der Wahlkampf im Land deutlich zu. Itamar Ben Gvir, der Minister für nationale Sicherheit und Vorsitzende der rechtsradikalen Partei "Otzma Yehudit" sprach sich kürzlich für gezielte Tötungen von Palästinensern im Gazastreifen aus. Man solle dort jede Nacht 30 bis 40 Menschen töten, sagte er. Außerdem erklärte Ben Gvir, im Gazastreifen gebe es Menschen, die es nicht verdienten zu leben und die "nicht einmal Menschen" seien. Die Reaktionen im Ausland, auch in Deutschland, waren äußerst empört. In Israel dagegen gab es kaum öffentliche Reaktionen, weder von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, noch von anderen Politikern. Wir sprechen mit drei Künstlern über Ben Gvirs Äußerungen und über die israelische Gesellschaft vor der Wahl: Der arabische Stand-up-Comedian Nidal Badarne macht in Haifa in einer Show für arabische Israelis Witze über die aktuelle Lage. Der linksliberale jüdische Schriftsteller Yishai Sarid, dessen Bücher "Die Siegerin" und "Schwachstellen" auch in Deutschland erschienen sind, schildert uns seine Sicht auf die israelische Gesellschaft. Und in Jerusalem treffen wir den rechten Theatermacher und Rabbiner Hagay Lober. Lober ist Siedler und unterstützt die Politik von Netanjahus Regierung. In seinem Theater inszeniert er Geschichten, die seine ideologischen Überzeugungen widerspiegeln.

Von der Kunst den anderen auszuhalten

"Haltung ohne Hass. Eine Aufforderung" lautet der Titel des neuen Buches von Ahmad Mansour. Der Psychologe und Präventionsexperte beschreibt darin eine Gesellschaft, die zunehmend verlernt, auch mit Andersdenkenden zu reden und zu streiten, ohne dabei das Gegenüber als Feind zu betrachten. Diese Fähigkeit aber ist unerlässlich für eine funktionierende Demokratie, so Mansour. Der Psychologe beschreibt diese Entwicklung anhand von Beispielen aus seiner Arbeit mit Jugendlichen, Lehrkräften und Sicherheitsbehörden. Aber er erzählt auch von seinen eigenen Erfahrungen mit Angriffen im Netz und Delegitimierung seiner Person. Denn weil er, der gläubige Muslim und Migrant, auch den Islamismus und die seiner Meinung nach verfehlte Einwanderung- und Sicherheitspolitik kritisiert, werden er und seine Familie im Netz bedroht und diffamiert. Warum er trotzdem weitermacht und weswegen er bei aller Kritik an sozialen Medien auch dort pointiert seine Meinung vertritt, erklärt Ahmad Mansour im Gespräch.

Kinostart: "Vaterland"

1949 reist der Schriftsteller Thomas Mann (Hanns Zischler) durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland zwischen Ost und West, um einen Goethe-Preis in Frankfurt und Weimar entgegen zu nehmen. Auf seiner ersten Reise durch Deutschland seit seiner Emigration in die USA gerät er als moralische Instanz in ein Spannungsfeld aus politischer Vereinnahmung und privater Trauer. Begleitet wird er von Tochter Erika – brillant gespielt von Sandra Hüller. Regisseur Paweł Pawlikowski verdichtet seinen Film zu einem Porträt von einem zerrissenen Land, das sich über seine Projektionen definiert. Bei den Filmfestpsielen von Cannes erhielt "Vaterland" den Preis für die beste Regie.

Hannah Manns Romandebüt "Zeppelin und Karpfen"

Was bedeutet es, einen der berühmtesten Nachnamen der deutschen Literatur zu tragen? Hannah Mann ist die Urenkelin von Heinrich Mann, dem deutschen Schriftsteller und älteren Bruder von Thomas Mann. Das Erbe ihrer Familienlinie ist von Flucht, Verfolgung und Exil geprägt. Ihre Eltern kamen als Ostblock-Flüchtlinge nach Deutschland. Lange schien der Mythos "Mann" wie ein Damoklesschwert über ihrem eigenen Schreiben zu schweben. Jetzt wagt sie mit "Zeppelin und Karpfen" ihr Romandebüt.

Neues Album von My Ugly Clementine

Feminismus, Beziehungen und Gleichberechtigung, das sind große Themen der Band My Ugly Clementine. Die drei Musikerinnen aus Wien verpacken das in eingängige Indie-Rock-Songs, die international Anklang finden. Die drei Bandmitglieder - Mira Lu Kovacs, Sophie Lindinger und Nastasja Ronck - sind Schlüsselfiguren der österreichischen Pop-Landschaft und auch in anderen Projekten aktiv. Mit My Ugly Clementine legen sie ihr drittes Album vor: "Apply Autonomy"!

Ann-Sophie Mutter feiert 50. Bühnenjubileum

Bereits als Kind begann ihre Karriere, heute ist sie eine der berühmtesten Geigerinnen der Welt. Die Violinistin Anne-Sophie Mutter steht seit 50 Jahren auf den bedeutendsten Bühnen der Welt.

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