Kultur
Sachsen-Anhalt wählt: Kampf um die Kultur
Die Themen der "Kulturzeit" vom 26.08.02026: Kulturkampf in Ostdeutschland, Angst vor der Wahl - Gespräch mit Sabrina Zajak, Monchis "Jenseits der Brandmauer", zum Tod von Péter Nádas und Dolly Parton.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 26.08.2026
- 19:23 - 20:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
Landtagswahl in Ostdeutschland: Kampf um die Kultur
Kultur galt lange als Raum der Freiheit. Doch im Wahljahr 2026 wird sie zunehmend zum politischen Kampffeld. Die AfD fordert eine "patriotische Kulturpolitik" und will neu definieren, was gefördert, erinnert und als Teil deutscher Identität verstanden werden soll. Die Dokumentation von Lisa Plank und Johanna Lazar "Der Kampf um die Kultur – Ostdeutschland vor der Wahl" begleitet Kulturschaffende, Kulturinstitutionen und politische Akteure in Sachsen-Anhalt. Sie zeigt, wie Kultur zum politischen Hebel wird – und warum der Streit um Theater oder Museen weit über die Kulturszene hinausreicht. Denn der Kampf um die Kultur ist immer auch ein Kampf darum, welche Geschichten eine Gesellschaft über sich selbst erzählt.
Die Ängste der Bevölkerungsmehrheit vor den Wahlen in Ostdeutschland - Gespräch mit Sabrina Zajak
Wie beurteilt die Bevölkerung in Deutschland die Politikpläne der AfD? Diese Fragestellung untersucht eine Studie des DeZIM-Instituts. Im März 2024 wurden dafür deutschlandweit Menschen zu ihrer Wahrnehmung und Akzeptanz der AfD befragt. "Die Mehrheit der Befragten sieht die AfD als demokratiefeindlich und rassistisch an. Besonders die Pläne zur sogenannten Remigration – der massenhaften Ausweisung von Menschen – wecken Angst in breiten Teilen der Bevölkerung", so die Verfasser der Studie um Soziologin Sabrina Zajak. Die Befunde verdeutlichten die tiefgreifenden negativen Auswirkungen des Aufstiegs der AfD, die sich im Zuge der kommenden Wahlen auf Landes‐ und Bundesebene weiter verschärfen könnten. Wir sprechen mit Sabrina Zajak über die Angst der Bevökerungsmehrheit vor einer mächtigen AfD.
Monchis Buch "Jenseits der Brandmauer"
In seinem aktuellen Buch schreibt der Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet über sein Leben im AfD-Kernland. Die absolute Mehrheit der Zweitstimmen hat die AfD bei der letzten Bundestagswahl in Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern erhalten. Es ist der Ort, in dem Monchi, alias Jan Gorkow, von Feine Sahne Fischfilet lebt, den er liebt, in dem aber das Konzept der Brandmauer nicht aufgeht: Man muss miteinander reden, auch wenn man an entgegengesetzten Enden des politischen Spektrums steht. Über sein Leben in Jarmen hat Monchi das Buch "Jenseits der Brandmauer" geschrieben.
Zum Tod von Péter Nádas - Gespräch mit Katja Gasser
Der ungarische Schriftsteller Peter Nadas ist im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in der südwestungarischen Gemeinde Gombosszeg (Bezirk Zala) gestorben, wo er seit 1984 zurückgezogen mit seiner Ehefrau Magda Salamon lebte. Nádas gilt als Großmeister der weit ausgreifenden und monumentalen Erzählung. Seine auch auf Deutsch erschienenen Werke "Buch der Erinnerung", "Parallelgeschichten" und "Aufleuchtende Details" sind Epochenromane, die das europäische 20. Jahrhundert mit seinen Gräueln und Absurditäten vermessen. Nádas wurde am 14. Oktober 1942 in Budapest geboren. Den Holocaust überlebte er mit seiner Familie in Verstecken und mit falschen Papieren. In der Familie des Heranwachsenden war die jüdische Herkunft dennoch kein Thema. Die Eltern waren überzeugte und dann enttäuschte Kommunisten. Die Mutter erlag früh einer Krankheit, als Nadas 13 war. Drei Jahre danach verübte der Vater Suizid.
Von 1965 bis 1969 arbeitete Nadas bei diversen Zeitungen, seitdem ist er freier Schriftsteller. Seine Schreibweise fand im kommunistischen Ungarn nur zögerlich Anerkennung. Fast zwölf Jahre lang arbeitete er am "Buch der Erinnerung", einem Opus von 1300 Seiten, das ihm zum Durchbruch im deutschen Sprachraum verhalf. Lange Schaffensprozesse kennzeichnen etliche seiner Großwerke. 17 Jahre widmete Nadas dem Roman "Parallelgeschichten". Auf den 1700 Seiten der deutschen Fassung verwebt er scheinbar zusammenhanglos Personen, Motive und Ereignisse zu einem Universum jenseits des Textes. Schauplätze und Zeitebenen wechseln oft abrupt. Holocaust und stalinistischer Terror kommen darin nicht direkt vor. "Aufleuchtende Details", ein weiteres Monumentalwerk von fast 1300 Seiten, handelt wiederum genau von dieser Zeit und ergänzt somit die "Parallelgeschichten". In den letzten Jahren wurde Nádas mehrfach als chancenreicher Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt. 2025 gewann ihn aber sein Landsmann László Krasznahorkai. Wir sprechen mit der ORF-Literaturchefin Katja Gasser über Péter Nádas.
Reaktionen auf den Tod von Dolly Parton
Sie war nicht nur eine über Jahrzehnte erfolgreiche Sängerin und Song-Schreiberin, sondern auch Integrationsfigur und Vorbild: Nach dem Tod von Country-Ikone Dolly Parton im Alter von 80 Jahren sind die rivalisierenden politischen Lager in den USA und Millionen Fans in aller Welt in ihrer Trauer um die Musikerin vereint. Partons Familie hatte den Tod der 80-Jährigen am 25. August in einer Video-Botschaft verkündet. Die Nachricht verbreitete sich in den USA in Windeseile und ließ das tief gespaltene Land für einen Moment innehalten. Präsident Trump nannte Parton "eine der größten Countrysängerinnen aller Zeiten" und ordnete für eine Woche Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden an. Die Spitze des Empire State Building in New York erstrahlte zu ihren Ehren am Abend in pink. Auch Politiker der Demokraten wie die früheren US-Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama würdigten die Sängerin, die sich unter anderem als Wohltäterin und Unterstützerin der LGBTQ-Gemeinschaft einen Namen gemacht hatte. In Partons Heimatstadt Sevierville im US-Bundesstaat Tennessee versammelten sich zahlreiche Trauernde vor einer Statue der Sängerin und legten Blumen nieder.
Megastar Taylor Swift, die ihre Karriere als Country-Sängerin begonnen hatte, erklärte, eine Welt ohne Parton fühle "sich nicht möglich, nicht real und nicht richtig an". Beyoncé, die für ihr Grammy-prämiertes Country-Album "Cowboy Carter" mit Parton zusammengearbeitet hatte, würdigte deren Mut und Talent. Den vielen Trauer-Botschaften von Country- und Pop-Stars schlossen sich auch Rapper wie Eminem an. US-Schauspielerin Jane Fonda, die 1980 mit Parton in der Komödie "Warum eigentlich… bringen wir den Chef nicht um?" gespielt hatte, würdigte Parton als "verspieltes Südstaaten-Mädchen" und schillernde Persönlichkeit.