Kultur
Wie die AfD ein verklärtes DDR-Bild ausnutzt
Die Themen der "Kulturzeit" vom 03.07.2026: "Faschismus ist keine Meinung" - Gespräch mit Ilko-Sascha Kowalczuk, Rapper Apsilon, Künstlerin Shirana Shabazi, Michel Foucault-Biografie, Kinderbuchtipps.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 03.07.2026
- 19:20 - 20:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
"Faschismus ist keine Meinung" - Gespräch mit Ilko-Sascha Kowalczuk
Die DDR als Ort von Sicherheit und Zusammenhalt - nicht als Diktatur. An diese Vorstellung einer vermeintlich guten alten Zeit knüpft die AfD im Osten erfolgreich an. In Sachsen-Anhalt könnte sie damit bald erstmals den Ministerpräsidenten stellen. Viele Ostdeutsche hätten blinde Flecken in ihrer Erinnerung, meint der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk. Die eigene Geschichte werde nicht in ihrer Ganzheit betrachtet, sondern durch die Brille der Ostalgie. Und er geht noch weiter. Auch die Geschichte von 1989, die der friedlichen Revolution in der DDR, werde verklärt, schreibt er in seinem neuen Buch "Faschismus ist keine Meinung".
Dazu komme, dass viele Menschen tief im System der DDR sozialisiert worden seien, mit einer Ideologie, die auf Hass beruhte: "(...) Hass auf den Klassenfeind. Hass auf den Kapitalismus. Hass auf den Kapitalisten. Hass auf den Westen. Hass auf den Abweichler." Für Kowalczuk endet diese Prägung nicht 1989. Sie wirkt bis heute in den Köpfen fort. In Erwartungen an Staat, Politik und Ordnung. Und genau hier setze die AfD, und auch das Bündnis Sarah Wagenknecht an. Wir sprechen mit dem Historiker und Autor Ilko-Sascha Kowalczuk.
Apsilon im Interview über sein neues Album "Glanz Null"
Mit Songs über Rassismus und Männlichkeit gelang Apsilon 2024 der Durchbruch. Mit seinem zweiten Album "Glanz Null" zeigt sich der Rapper gesellschaftskritisch und introspektiv, aber auch kämpferisch und hoffnungsvoll. 14 Tracks suchen nach etwas, das einmal selbstverständlich schien: dem kindlichen Glanz in den Augen. Und erzählen, wie er verloren ging. Wir haben den Rapper zum Interview getroffen.
Shirana Shahbazi in Luzern
Wer in Shirana Shahbazis Bildwelt eintaucht, ist schnell tief drin. Die Fotografie ist das Fundament ihrer Arbeit, die Kunst, die daraus entsteht ist fließend, ohne klare Grenzen. "Eigentlich interessieren mich diese Zwischenräume, die entstehen als Denkräume", sagt sie. "Weil wir es auch gewohnt sind, dass man Fotografie auf einen Schlag sieht und versteht. Ich habe es ganz gerne, wenn man dort wie so eine andere Tiefe öffnen kann – von Reflexion." Zwei Mal hinschauen lohnt sich auf jeden Fall. Ihre Werke sind jetzt in Luzern zu sehen, im Wechselspiel mit Arbeiten des Künstlers Li Tavor.
Didier Eribon veröffentlicht eine Neuausgabe seiner Michel Foucault-Biografie
"Das Werk Foucaults scheint mir das bedeutsamste Denkereignis des Jahrhunderts zu sein“, schreibt der französische Historiker Paul Veyne 1984, zum Tod des großen Philosophen, Soziologen und Autors Michel Foucault. Und tatsächlich ist Foucaults Einfluss auf die Moderne schwer zu überschätzen. Seine Bücher über Macht, Wissen, Subjekt oder Sexualität sind fundamental für die Humanwissenschaften. 2026 wäre Michel Foucault, der bereits 57jährig an Aids gestorben ist, 100 Jahre alt geworden. Didier Eribon, einer der derzeit wichtigsten Intellektuellen Frankreichs, legt nun eine Neuausgabe seiner Foucault-Biographie vor und hat dazu ein seltenes Interview in Paris gegeben.
Buch "Hotel Celentano - Sommerreise durch ein anderes Italien"
In seinem neuen Reisebuch unternimmt der aus Bergisch Gladbach stammende Bestseller-Autor Eric Pfeil abermals eine Italienreise. Was, fragt er, ist eigentlich mit all den legendären italienischen Orten aus Musik und Film: Lassen sie sich ebenso bereisen wie die Strände, die römischen Ruinen und die hochgelobten Restaurants? Wo genau drehte Adriano Celentano seine Filme? Wo verbrachte Marcello Mastroianni regelmäßig seinen Urlaub? Was ist heute an diesen Orten los? Eric Pfeil bastelt sich seine eigene Italien-Karte mit zahlreichen wenig besungenen Orten und fährt los.