Kultur
Wie sich die Jugend schleichend radikalisiert
Die Themen der "Kulturzeit" vom 09.09.2026: Buch "Die Jugend malt wieder Hakenkreuze", Andreas Rödder zur AfD, Praemium Imperiale an Daniel Libeskind, 50 Jahre Biene Maja, spanischer Bürgerkrieg.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 09.09.2026
- 19:23 - 20:00 Uhr
DIe Themen der Sendung:
Buch "Die Jugend malt wieder Hakenkreuze" von Manuela Müller
In ihrem Buch "Die Jugend malt wieder Hakenkreuze - Von der Radikalisierung einer Generation" untersucht die Journalistin Manuela Müller, die in Zwickau lebt und arbeitet, warum in ihrer unmittelbaren Umgebung so viele junge Menschen nach rechts abrutschen und rechtsextreme Symbole und Einstellungen wieder sichtbarer werden. Sie spricht mit Jugendlichen, Wissenschaftlern, Lehrern, Polizisten und Eltern und beschreibt, wie die Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Anerkennung junge Menschen anfällig für rechtsextreme Angebote machen kann. Müller verbindet persönliche Erfahrungen mit fundierter Recherche und schildert ihre Heimat aus der Perspektive einer Lokaljournalistin. Das Buch zeigt, dass Radikalisierung oft schleichend beginnt und sich zunächst in Sprache, Symbolen und Alltagskultur ausdrückt. Das kann sie anschaulich mit konkreten Beispielen aus der unmittelbaren Nachbarschaft schildern, beispielsweise beim Simson-Treffen in Zwickau, wo das Zeigen von Hitlergrüßen inzwischen zur Partykultur zu gehören scheint und kaum noch Widerspruch hervorruft. Ihre Perspektive sei die des Beobachtens, so Manuela Müller, nicht die der Analyse. Sie möchte den Menschen ins Leben schauen.
Lehren aus der Geschichte? Die AfD und der historische Vergleich - Gespräch mit Andreas Rödder
Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat verdeutlicht, wie sich die AfD von einem Randphänomen zur Normalität entwickelt. Manche fühlen sich da an die Zeit vor 1933 erinnert, als sich im politischen Chaos, in der Wirtschaftskrise und der noch immer von den Folgen des Ersten Weltkriegs geprägten Gesellschaft, eine Partei Stück für Stück an die Macht gearbeitet hat. Aber können wir die Neonazis und Rechtspopulisten von heute vergleichen mit den Nazis von damals? Und welche Lehren lassen sich aus der Geschichte ziehen? Das fragen wir den Historiker Andreas Rödder.
Praemium Imperiale an Daniel Liebeskind
Der US-Architekt Daniel Liebeskind erhält 2026 den Preis der japanischen Art Association, Praemium Imperiale, in der Kategorie Architektur. Ausgezeichnet wird er für seine Fähigkeit kulturelle Erinnerung durch emotional ansprechende und eigenständige Architektur hervorzurufen, so die Organisation.
Ausgezeichnet werden 2026 auch Schauspielerin Cate Blanchett, Dirigent Herbert Blomstedt, US-Künstlerin Jenny Holzer sowie der britische Bildhauer Andy Goldsworthy, wie die Organisatoren bekanntgaben.
Paul Ingendaay über den spanische Bürgerkrieg
Der Spanische Bürgerkrieg ist mehr als ein Kampf um Spanien. Er wird zum internationalen Konflikt – und zum Auftakt der großen ideologischen Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts. Der langjährige "FAZ"-Spanien-Korrespondent und Autor Paul Ingendaay geht in seinem Buch "Entscheidung in Spanien" der Frage nach, warum sich unter den rund 35.000 Freiwilligen der Internationalen Brigaden ungewöhnlich viele Intellektuelle, Autorinnen und Autoren befanden.
50 Jahre Biene Maja
Vor 50 Jahren - am 9. September 1976 - erschien im ZDF-Kinderprogramm erstmals eine eigensinnige Biene. An ihrer Seite: Drohne Willi, ein lieber Faulpelz. "Die Biene Maja" war nicht der allererste japanische Trickfilm im deutschen Fernsehen. Aber mit "Die Biene Maja" begann ein neues Zeitalter im deutschen Kinderfernsehen. Als die Fernsehserie in Deutschland startete, war die neugierige Biene Maja allerdings schon 64 Jahre alt: Der Autor Waldemar Bonsels (1880-1952) schrieb 1912 das Buch "Die Biene Maja und ihre Abenteuer". Willi tauchte darin allerdings nicht auf. Bonsels gehört zum historisch nicht kleinen Kreis judenfeindlicher Künstler. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten etwa schrieb er antisemitische Artikel und diente sich in opportunistischer Haltung dem Regime an.
Die Zeichentrickserie geht auf Josef Göhlen (1931-2026) zurück, den langjährigen Leiter des ZDF-Kinder- und Jugendprogramms. "Damals musste man die Kinder im Fernsehen erziehen, das wollte ich partout nicht. Ich wollte sie unterhalten in einem guten Sinne", erinnert er sich. "Die Figur ist nicht nur lieb und nett, sondern hat viele Attitüden, die auch Pippi Langstrumpf hat." Wir blicken auf die Geschichte der frechen Biene.