Plakat mit der Handschrift der ersten Seite der US-Verfassung "We The People" vor Weißem Haus in Washington

Kultur

"We The People": Jill Lepore zu US-Verfassung

Die Themen der Sendung am 27.03.2026: Jill Lepore "We The People", Kürzung bei "Demokratie Leben" - Gespräch mit Timo Reinfrank, Kairos-Preisträger Martin MacInnes, Grönlands Jugendkultur.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
28.03.2026
06:20 - 07:00 Uhr

Die Themen der Sendung:

Jill Lepores Buch "We The People" über die US-Verfassung

In ihrem neuen Buch widmet sich die Harvard-Historikerin Jill Lepore der Geschichte der Verfassung der Vereinigten Staten. Sie sei ein Vorbild geworden für die ganze Welt, sagt Lepore im Interview: "Die Verfassung zeichnet sich besonders durch die Gewaltenteilung aus, mit den drei Staatsgewalten", sagt sie. "Die sollen auf eine beinahe mechanische Weise funktionieren, wie eine Maschine oder ein Uhrwerk, in dem die Zahnräder präzise ineinander greifen, austariert sind - das System der Checks and Balances." Auch wenn es immer mal knirsche, habe es doch über weite Strecken der US-amerikanischen Geschichte recht gut funktioniert, so beschreibt es Lepore in ihrem Buch "We The People“.

Die Gründungsväter hätten nämlich ausdrücklich gewollt, dass die Verfassung gewissermaßen mit der Zeit geht, dass sie angepasst werden kann. "Derzeit hält sich der Präsident aufgrund seiner exekutiven Macht für berechtigt, die Verfassung allein zu deuten", so Lepore. "Aber diese Befugnis ist nirgendwo in der Verfassung verankert. Der Präsident hat nicht die Macht, einfach festzulegen: 'Das ist es, was die Verfassung bedeutet.'" Denn die Gründungsväter hatten die Macht des Präsidenten beschrieben - wohlgemerkt in Artikel II der Verfassung. Ranghöher, in Artikel I, steht der Kongress, der das Haushaltsrecht hat und die Regierung ein Stück weit kontrollieren soll. Donald Trump aber, so sehen es viele Millionen Amerikaner, schwingt sich mit seinen Exekutivbefehlen zu einer Art Diktator oder König auf, der Andersdenkende einschüchtert und ihnen mit der Staatsmacht droht. Jetzt entscheidet sich das Schicksal der US-amerikanischen Verfassung und der Demokratie, meint Lepore.

Mehr zum Thema

Kürzungen beim Bundesprogramm "Demokratie leben" - Gespräch mit Timo Reinfrank

In der Debatte um die Umgestaltung des Bundesförderprogramms "Demokratie leben!" bleibt der Gegenwind gegen Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) stark. In einem Offenen Brief warnten am 27. März rund 1000 Organisationen und Persönlichkeiten vor den Folgen des geplanten Mittelstopps für Dutzende Projekte. Im Bundestag hagelte es bei einer Aktuellen Stunde Kritik seitens der Grünen und Linken. Aber auch aus der SPD gab es kritische Töne: Die Verunsicherung in der Zivilgesellschaft sei groß. Die AfD nutzte die Debatte erneut, um Stimmung gegen das komplette Programm zu machen.

Die Programmteile "Innovationsprojekte" und "Entwicklung einer bundeszentralen Infrastruktur" mit 200 Projekten sollen zum Jahresende auslaufen. Darunter sind Organisationen wie die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus, der Zentralrat der Juden, das Kinderhilfswerk oder die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD). Das Anne-Frank-Zentrum, das ebenfalls von dem Wegfall der einen Förderrichtlinie betroffen ist, sieht die Neuausrichtung mit großer Sorge. "Die Änderungen im Programm "Demokratie leben!" bedrohen die dringend benötigte, ganzheitliche Antisemitismusprävention und -bekämpfung", sagte die Direktorin des Zentrums, Veronika Nahm. Wir sprechen mit Timo Reinfrank. Er ist Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung.

Kairos-Preis an Martin MacInnes

Martin MacInnes, schottischer Schriftsteller und Bestseller-Autor, Jahrgang 1983, schreibt alles - außer Autofiktion. "Mein Leben ist nicht interessant", sagt er. "Ich hoffe, meine Arbeit ist interessant, aber ich bin es nicht. Niemand würde meine Autofiktion lesen. Ich habe noch nie Tagebuch geschrieben. Auch Interviews fallen mir schwer, weil ich den Klang meiner Stimme in keiner Hinsicht mag." Der Autor lässt lieber seine Literatur sprechen - eine, die etwas aufbricht im Lesenden, leise und kraftvoll und mit Labels wie "Science Fiction" oder "Climate Novel" nur zum Teil beschrieben werden kann. Sich dem Unbegreiflichen nähern, ohne die Illusion, es je völlig zu erfassen - und das kitschfrei, darin besteht seine Schreibkunst. "Martin MacInnes‘ Erzählen weitet unser Denken, eröffnet uns ungeahnte Räume der Imagination", so schreibt die Jury des Kairos-Preises in ihrer Begründung. Wir haben den Schriftsteller in Edinburgh getroffen.

Grönländische Jugendkuktur: die Inuit-Band Sound Of The Damned

Die grönländische Identität erlebt eine Renaissance: Die Sprache Kalaallisut prägt den Alltag, Kunst und Popkultur werden zum Ausdruck von Protest gegen die dänische Bevormundung. Als Medium politischer Forderungen, kultureller Rückbesinnung und gesellschaftlicher Kritik spielt besonders Musik eine zentrale Rolle. Die jungen Kalaallit erkunden ihre Wurzeln, rappen in der Landessprache und lassen sich vermehrt traditionelle Tattoos stechen. Wir stellen die Inuit-Heavy-Metal-Band die Band Sound Of The Damned vor.

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