Kultur
Kairos-Preis 2026 an Martin MacInnes
Der Schriftsteller Martin MacInnes arbeitet an der Schnittstelle zwischen literarischer und spekulativer Fiktion. Für sein Werk erhält er den Kairos-Preis 2026.
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Martin MacInnes, schottischer Schriftsteller und Bestseller-Autor, Jahrgang 1983, schreibt alles - außer Autofiktion. "Mein Leben ist nicht interessant", sagt er. "Ich hoffe, meine Arbeit ist interessant, aber ich bin es nicht. Niemand würde meine Autofiktion lesen. Ich habe noch nie Tagebuch geschrieben. Auch Interviews fallen mir schwer, weil ich den Klang meiner Stimme in keiner Hinsicht mag." Der Autor lässt lieber seine Literatur sprechen.
In seinen drei Romanen "Infinite Ground", "Gathering Evidence" und "In Ascension" erforscht er die Psyche des Menschen, sein Alleinsein, die Isolation, die neue Welten erschafft zwischen Realität und Fiktion, Gegenwart und Zukunft und eine große Verbindung offenbart zwischen allem Lebenden, zwischen Mensch, Natur, dem All. "Infinite Ground", sein erster Roman, ist auf den ersten Blick eine Detektivgeschichte: Ein Ermittler folgt der Spur eines Verschollenen in einer urzeitlichen Landschaft. Ein Spiel um Identitäten, die Flucht vor einem übergriffigen System beginnt. In "Gathering Evidence" geraten eine Primatenforscherin und ein App-Entwickler in einen doppelten Strudel: unzähmbare Natur, Wald und Pilze, die sich in ihre Leben fressen auf der einen, eine unbeherrschbare Überwachungs-App auf der anderen Seite. Sein jüngstes Werk "In Ascension" wurde für den Booker Prize nominiert, von Barack Obama zu einem der zehn besten Bücher des Jahres gekürt und wird derzeit für eine Verfilmung adaptiert.
MacInnes schafft Literatur, die etwas aufbricht im Lesenden, leise und kraftvoll und mit Labels wie "Science Fiction" oder "Climate Novel" nur zum Teil beschrieben werden kann. Sich dem Unbegreiflichen nähern, ohne die Illusion, es je völlig zu erfassen - und das kitschfrei, darin besteht seine Schreibkunst. "Martin MacInnes‘ Erzählen weitet unser Denken, eröffnet uns ungeahnte Räume der Imagination", so schreibt die Jury des Kairos-Preises in ihrer Begründung. Wir stellen den Schriftsteller vor.