Kultur

Syrische Kurden - Volk ohne Hoffnung

Die Themen der "Kulturzeit" vom 13.02.2026: Syrische Kurden, Berlinale Zoom, Kinostart von "Once Upon a Time in Gaza", Emojis, Comicbuchtipps.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2025
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 30.04.2026

Die Themen der Sendung:

Die syrischen Kurden - vom Untergang einer Utopie

Anfang Februar rückten Militär und Sicherheitskräfte der syrischen Übergangsregierung in Nord-Ost-Syrien vor, das bisher von den kurdischen SDF, den Syrian Democratic Forces kontrolliert wurde. Die unmissverständliche Demonstration eines starken arabischen Zentralstaates des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa.

Das Gesellschaftsmodell der kurdischen Autonomieregierung war ein Experiment, unbedingt säkular, basisdemokratisch und geprägt von der Gleichstellung der Frau. Doch ohne die Unterstützung der USA sind die Kurden chancenlos. Die USA hatten ihren ehemaligen Verbündeten im Kampf gegen den IS schon länger den Rücken gekehrt – ein Zugeständnis an den Nato-Partner Türkei, dem das autonome Kurdengebiet an seiner Grenze schon immer ein Dorn im Auge war.

Jetzt sind die Kurden die großen Verlierer, denn der Einmarsch bedeutet das Ende ihrer Autonomie, den Verlust weiter Gebiete sowie wirtschaftlicher und institutioneller Macht. Unter militärischem Druck hatte Ende Januar Kurdenführer Mazlum Abdi ein Abkommen mit dem syrischen Übergangspräsidenten unterzeichnet: Es stellt die kurdische Verwaltung unter die zentrale Kontrolle von Damaskus, besiegelt die Eingliederung der SDF in die syrische Armee. Ein Diktatfrieden, meint die Journalistin Düzen Tekkal. Und das Ende einer Utopie.

Im Kino: "Once Upon a Time in Gaza"

Osama (Majd Eid) ist ein lebenslustiger Falafelverkäufer, der seine Brottaschen auf Bestellung auch mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln füllt. Widerwillig wird er dabei von dem Studenten Yahya (Nader Abd Alhay) unterstützt. Der korrupte Polizist Abou Sami (Ramzi Maqdisi) kommt den Kleindealern auf die Schlichte und versucht, sie zu erpressen. Osama lässt sich darauf nicht ein und wird ermordet. Zwei Jahre später wird Yahya von einem Regisseur wegen seiner Ähnlichkeit mit einem getöteten Widerstandskämpfer in einem Actionfilm besetzt - finanziert von der Hamas. Das Budget ist klein, die Waffen echt, die politischen Verstrickungen eng. "Once Upon a Time in Gaza" ruft bereits mit dem Titel aktuelle Bilder des Palästinensergebiets auf, obwohl er 2007 spielt. Er handelt von Menschen, die versuchen, in einem Land zu leben, in dem Normalität unmöglich scheint. Auch wenn die beiden Kapitel des Filmes nicht zusammenpassen, gelingt den regieführenden ZwillingsbrüdernTarzan und Arab Nasser ein wilder Genremix, der zudem ein düsterer Kommentar auf die Lage im Nahen Osten ist.

Berlinale Zoom: Arbeit und Moral

Wenn die Arbeitswelt zum Prüfstein der Moral wird: In dem Film "Gelbe Briefe" gerät ein gefeiertes Künstlerehepaar aus Ankara ins Visier des Staates. Und in "Ich verstehe Ihren Unmut" erfährt die Objektleiterin einer Reinigungsfirma die Härten des Nidriglohnsektors und gerät zwischen alle Fronten.

Die versteckte Ideologie hinter Emojis

Täglich werden mehr als zehn Milliarden Emojis versendet, längst sind die neuzeitlichen Hieroglyphen Teil einer globalen Kommunikationskultur. Was offiziell Emoji wird – darüber entscheidet das "Unicode-Konsortium" mit Sitz in Kalifornien. Die kleinen Bildzeichen wirken oft harmlos, doch mit ihnen sickern nebenbei auch libertäre Ideologien des Silicon Valley in unsere Alltagskommunikation ein, kritisiert der Publizist Holm Friebe. Die Emoji-Welt sei eine flauschige, kalifornische Hygge-Welt, geprägt vom Blick durch die Brille einer internationalen Management-Klasse, in der staatliches Gemeinwesen vor allem privatem Glück und Profit dienen soll. Friebe macht diese bildanalytische Diagnose vor allem daran fest, welche großen Leerstellen es im Gesamtkonvolut von rund 3900 offiziellen Emojis gibt.

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