Ein Mann blickt ernst durch eine Glasscheibe, im Hintergrund ist eine schwarz vermummte Person zu sehen.

Kultur

US-Journalist über seine russische Haft

Die Themen der "Kulturzeit" vom 05.11.2026: Evan Gershkovich, Film "Minotaurus", Zivilklausel an der Uni Kassel, Schlingensief-Ausstellung, Nachruf auf Herbert Blomstedt, Rio in 50 Songs.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
05.11.2026
19:23 - 20:00 Uhr

Die Themen der Sendung:

Evan Gershkovich über seine 491 Tage in russischer Haft

Anderthalb Jahre lang saß der US-amerikanische Journalist Evan Gershkovich in einem russischen Gefängnis. Über die Zeit vor, während und nach der Haft hat er ein Buch geschrieben - mit ungewöhnlichen Einblicken in das gegenwärtige Russland: "Dieses verfluchte wunderschönde Land: 491 Tage in russischer Haft. Meine Geschichte".

Mehr zu Russland

Kinofilm "Minotaurus"

Stimmungsbild aus einem lethargischen Land: Die Front ist fern in der russischen Provinz - und doch präsent. Die streng durchgetaktete Existenz des hochrangigen Managers Gleb gerät ins Wanken, als er von der Affäre seiner Frau Galina erfährt. Unter dieser Verdichtung äußerer und privater Spannungen verliert Gleb zunehmend die Kontrolle über das eigene Leben. Vordergründig ein Ehedrama, zeigt der Film von Andrei Svjaginzev subtil die Verrohung der russischen Gesellschaft. Der Film läuft in den deutschen Kinos. Ab dem 4. Dezember ist er in Österreich und ab dem 10. in der Deutsschweiz zu sehen.

Uni Kassel: Polizei räumt Hörsaal nach Protesten

Nach Protesten Studierender gegen die Änderung der sogenannten Zivilklausel an der Universität Kassel hat die Polizei einen besetzten Hörsaal geräumt. Einem Sprecher der Polizei Kassel zufolge hielten sich seit dem Abend des 4. November etwa 40 bis 50 Personen in dem Hörsaal auf und verließen diesen auch in der Nacht nicht. Die Protestierenden seien aus dem Hörsaal herausgetragen worden und hätten dabei "teils erheblichen Widerstand" geleistet, sagte der Polizeisprecher.

Der Senat der Universität Kassel hatte die Zivilklausel am 4. November in der neuen Präambel der Grundordnung aufgeweicht, die bislang Forschung, Lehre und Entwicklung zur Ausrichtung auf ausschließlich zivile Zwecke und friedliche Ziele verpflichtete. Ein Sprecher der Universität hatte erklärt, mit dem neuen Text der Präambel werde der "Friedensauftrag an die Universität präzisiert". Die Betonung liege darauf, dass Forschung, Lehre und Transfer an der Universität friedlichen Zwecken dienen und gehe auch "nochmal genau auf die Schwierigkeit ein zwischen zivilen und militärischen Zwecken innerhalb dieser Forschungsinstitution". Die Initiative "Zivilklausel bleibt" wirft dem Senat vor, sich dem Druck der Rüstungskonzerne gebeugt zu haben.

Dirigent Herbert Blomstedt gestorben

Herbert Blomstedt zählte zu den herausragenden Dirigenten des 20. und 21. Jahrhunderts. Er schrieb Musikgeschichte: Zuletzt galt er als der älteste noch aktive Dirigent der Welt. Blomstedt hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter 2027 den renommierten Kunstpreis Praemium Imperiale und 2022 das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem er sich im Frühjahr bei einem Dirigat in San Francisco eine Infektion zugezogen hatte, musste er zahlreiche Konzerte absagen. Am 4. November ist er friedlich im Kreise seiner Familie in seinem Zuhause in Göteborg gestorben, wie das Künstlersekretariat am Gasteig mitteilte. Er wurde 99 Jahre alt.

Ausstellung über den Kunst-Provokateur Christoph Schlingensief

Die Ausstellung "Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine" beleuchtet in Berlin das Werk des 2010 verstorbenen Künstlers. Christoph Schlingensief gründete eine Partei, mit der er halb satirisch, halb ernst gemeint zum Bundestagswahlkampf 1998 antrat, produzierte Spielfilme wie "Das deutsche Kettensägenmassaker", erhielt postum den Goldenen Löwen bei der Biennale in Venedig und das Operndorf in Burkina Faso ist sein Vermächtnis. Die Ausstellung im Gropius Bau zeigt bis zum 17. Januar 2027 neun seiner Werkkomplexe vom Ende der 1990er bis zum Ende der 2000er Jahre.

Buch "It Began in Ipanema: Rio de Janeiro in 50 Songs"

Vom Welthit "The Girl from Ipanema" bis zum Baile Funk aus Rios Favelas: Die Musik der Stadt ist weit mehr als Bossa Nova. Der Berliner DJ Daniel Haaksman erzählt in seinem Buch anhand von 50 Songs eine überraschende Geschichte Rios und seiner Klänge.

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