Zwei Männer sitzen abends vor der Skyline von Tel Aviv mit Hochhäusern. Sie sind nur als dunkle Silhouetten zu sehen.

Kultur

"Naza": Empörung über Gaza-Doku in Israel

Die Themen der "Kulturzeit" vom 02.10.2026: Doku "Naza", Musiktherapie in Gaza, "Was zählt ein Mensch?" - Carolin Emcke im Gespräch, "House of Hopes" an der Volksbühne, Kinderbuchtipps.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
02.10.2026
19:24 - 20:00 Uhr

Die Themen der Sendung:

"Naza": Reaktionen auf Gaza-Doku in Israel

Mit dem Begriff "Naza" bezeichnen das israelische Militär und der Geheimdienst Kollateralschäden unter Zivilisten. Der Dokumentarfilm von Yuval Abraham präsentiert Interviews mit Soldaten und Geheimdienstmitarbeitern, die angeben, nach dem Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 in Angriffe auf den Gazastreifen und Hamas-Mitglieder involviert gewesen zu sein. Nachts auf einem Dach in Tel Aviv gefilmt und ohne die Identität der Interviewpartner preiszugeben, versammelt der Film Aussagen, in denen es um das In-Kauf-Nehmen ziviler Opfer bei der Eliminierung von Hamas-Terroristen ebenso geht wie um die als systematisch beschriebene Zerstörung bestimmter Gebiete im Gazastreifen.

"Naza" ist trotz seiner nüchtern-schlichten Erzählweise ein erschütternder Film, der über seine Bestandsaufnahme der Vorgehensweise der israelischen Streitkräfte auszuloten versucht, wie es dazu kommen konnte und welche Denkmuster diejenigen, die sie durchführen, antreiben. Der Film sorgt seit Wochen für heftige Debatten, erst recht, seit er bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu droht den Machern mit dem Entzug der israelischen Staatsbürgerschaft. Die israelische Armee hat die Schilderung ihrer Kriegsführung im Gazastreifen als verzerrt, irreführend und unaufrichtig zurückgewiesen. Der Film fuße auf "erheblichen sachlichen Fehlern, die sich aus manipulativen Falschdarstellungen der Realität ergeben", erklärte das Militär am 1. Oktober. Anders als im Film vermittelt, unterschieden die Armeerichtlinien sehr wohl zwischen militärischen Zielen und unbeteiligten Zivilisten.

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Musiktherapie in Gaza: Gitarrist Ahmed Abu Amsha hilft traumatisierten Kindern

Seit Beginn des Krieges musiziert Ahmed Abu Amsha mit Kindern in Flüchtlingslagern. In den Trümmern von Gaza versucht der Gitarrist und Musiklehrer, die Traumata von Kindern zu lindern. "Meine Arbeit richtet sich gegen jede Gewalt – wir wollen nichts als Frieden und ein menschenwürdiges Leben", sagt er. Ahmed hat alles verloren: Sein Haus, sein Musik-Studio, seine Stelle als Gitarrenlehrer am renommierten Edward Said-Konservatorium in Gaza-Stadt. 15 Mal wurde er schon vertrieben, lebt jetzt mit seiner Familie in einem Lager in der Mitte des Gazastreifens. Rund 1,7 Millionen Menschen leben in Zelten. Ohne Strom, fließendes Wasser oder Abwassersystem. Trinkwasser holen kann Stunden dauern. Medikamente gibt es kaum. Trotz allem: Jeden Tag gibt Ahmed Kindern und Jugendlichen Musikunterricht. Das ist unschätzbar bei allem, was sie erlebt haben.

Carolin Emcke: "Was zählt ein Mensch?" - Gespräch mit der Autorin

Seit zwei Jahrzehnten reist Carolin Emcke ins Westjordanland, nach Gaza und nach Israel. Dabei bleibt die Shoah für sie der unhintergehbare Referenzpunkt. An allen Orten begleite sie aber nun auch der 7. Oktober und Gaza. Was bedeutet es in einer solchen Situation radikal humanistisch zu sein? Diese Frage leitet sie. Doch während der Druck zu eindeutigen Bekenntnissen wächst, geht der Raum für Grauzonen und Widersprüche verloren. Emcke stellt sich ihren eigenen Zweifeln, reflektiert Begegnungen mit Menschen, die sie bewegen.

Auf einem Friedhof in Jenin im Westjordanland bleibt Emcke vor dem Bild eines Jungen mit einer Waffe stehen. Doch Recherchen der "Washington Post" belegen, dass Omar Awadin kein Kämpfer war, sondern als unbeteiligter Jugendlicher von einer Kugel getroffen wurde. Warum wird aus einem Opfer ein Held des Widerstands? Emcke erkennt darin den Versuch, Ohnmacht in Würde zu verwandeln und den Toten Handlungsmacht zurückzugeben. Sie weigert sich, eine Empathie anzuerkennen, die an politischen Konfliktlinien haltmacht. Am Ende stellt ihr Buch die fundamentale Frage, die im Lärm der Debatten unterzugehen droht: Was zählt die Würde des Einzelnen, wenn die Logik der Lager obsiegt? Wir sprechen mit der Publizistin und Friedenspreisträgerin.

Volksbühne eröffnet neue Saison mit "House Wash" und "House of Hopes"

Matthias Lilienthal beginnt seine Intendanz an der Volksbühne mit einer spektakulären Kunstaktion und verabschiedete sich vom temporären Schwimmbecken. Die österreichische Künstlerin Florentina Holzinger seilte sich für "House Wash" mit ihren Performerinnen nackt vom Theater ab und schrubbte die Fassade. Das Haus müsse saubergemacht werden, um Platz für neue Ideen zu schaffen, rief eine der Frauen auf dem Dach auf Englisch. Hohe Wasserfontänen schossen in den Himmel.

Mit "House of Hopes", der Eröffnungsproduktion von Rimini Protokoll, ging es drinnen weiter - eine performative Tour durch die Räume der Volksbühne über Aufbruch und Hoffnung. Insgesamt zehn biografisch inspirierte Erzählungen wollen zeigen, dass es im Jahr 1989 weltweit historische Wendepunkte gab, die bis in die Gegenwart relevant sind. Über seine Pläne für die Zukunft der Volksbühne haben wir mit Intendant Lilienthal gesprochen.

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Kultur -

Radikal: Österreichs Pavillon in Venedig

Sie ist bekannt für ihre radikalen Bühnenpferformances: Florentina Holzinger. In Venedig bespielt die Choreografin den österreichischen Pavillon.

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