Porträtfoto einer Frau mit dunklem schulterlangem gelocktem Haar, die eine gelbe Bluse trägt und an einem Fenster steht.

Kultur

Zwischen Kampf und Folter - Narges Mohammadi

Die Themen der "Kulturzeit" vom 30.09.2026: Narges Mohammadi, Dana Vowinckel über ihren Roman "Alma und Anton", Immendorff-Ausstellung in Düsseldorf, Radka Denemarková, Georg Forster-Biografie.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
30.09.2026
19:20 - 20:00 Uhr

"Eine Frau hört niemals auf zu kämpfen" - Autobiografie der Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi

Der Titel ihrer Autobiografie steht für sich: "Eine Frau hört niemals auf zu kämpfen". Tatsächlich kämpft Narges Mohammadi unermüdlich für politischen Wandel im Iran, Gleichberechtigung, Frauenrechte und die Rechte eines ganzen Volkes - mit aller Konsequenz. Und die bedeutet in ihrem Fall Repression, Haft und Folter. Für ihren Einsatz wurde sie 2023 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis haben ihre Kinder entgegengenommen, während sie selbst wieder im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran eine langjährige Haftstrafe verbüßte. Teile ihrer Autobiografie hat sie eben dort verfasst und rausgeschmuggelt. Sie erzählt von den schlimmen Haftbedingungen, der Isolationshaft, den Erniedrigungen - und dem starken Zusammenhalt von Frauen in der Gefangenschaft. Sie beschreibt die Herausforderung, gleichzeitig Aktivistin und Mutter zu sein, blickt zurück auf Kindheit und Jugend, ihren Weg in den Widerstand. Das Buch ist so persönlich wie aufrüttelnd.

Roman "Alma und Anton" - Gespräch mit Autorin Dana Vowinckel

Dana Vowinckel erzählt uns in ihrem zweiten Roman eine bittersüße Liebesgeschichte. Es ist ein moderner Gesellschaftsroman vor hochpolitischem Hintergrund. Zeitgeist pur. Beim Schüleraustausch in der Bretagne begegnen sich Alma und Anton zum ersten Mal. Beide kreuzunglücklich. Er hat Probleme, als Jude in einer antisemitischen Gastfamilie. Und Alma war so unglücklich, dass man sie nicht ansprechen konnte, ohne dass ihr Tränen in die Augen stiegen. Jahre später treffen sie sich wieder, als beide in Berlin studieren. Zwei einsame Herzen auf einer Studentenparty. Ihre Liebesgeschichte scheint unausweichlich. Das Mädchen aus Ost-Berlin und der Kosmopolit - zwei aus unterschiedlichen Verhältnissen: Sie ist die Erste, die in ihrer Familie studiert, während er aus einer jüdischen Akademikerfamilie stammt. Wir sprechen mit der Autorin Dana Vowinckel über ihren Roman, der auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht.

Ausstellung "Immendorff" im Kunstpalast Düsseldorf

Mit der ersten umfassenden Retrospektive in Jörg Immendorffs Wahlheimatstadt Düsseldorf, wo er jahrzehntelang studierte, lehrte und arbeitete, rückt ihn der Kunstpalast zurück ins Blickfeld. Rund 120 Werke aus fünf Jahrzehnten zeichnen seinen Weg von den Anfängen an der Düsseldorfer Kunstakademie bis zu den letzten im dortigen Atelier entstandenen Arbeiten nach. Die chronologisch aufgebaute Ausstellung vereint Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen sowie Dokumentationen von Immendorffs Aktionen. Ergänzendes Archiv- und Fotomaterial, Skizzen, Schriften und Presseausschnitte vermitteln ein lebendiges Bild seines weit gefassten Kunstverständnisses und seines vielschichtigen Blicks auf die Welt. Die Ausstellung ist bis zum 10. Januar 2027 zu sehen.

Die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková

Tschechien ist 2026 Gastland der Frankfurter Buchmesse, die am 7. Oktober startet. Eine der Eröffnungsrednerinnen ist die wohl bekannteste tschechische Autorin der Gegenwart: Radka Denemarková. Ihre Bücher werden in 23 Sprachen übersetzt und sie ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem hat sie als einzige Schriftstellerin vier Mal den renommierten tschechischen Magnesia-Litera-Preis erhalten. Mit ihrem Opus Magnum "Stunden aus Blei", einem Roman über Chinas Diktatur, hat sie sich in die Liga der nobelpreisverdächtigen Autoren geschrieben, wie Literaturkritikerin Daniela Strigl urteilte - von den chinesischen Behörden wurde sie mit einem lebenslangen Einreiseverbot belegt. Kürzlich ist ihr Roman "Kobold" auf Deutsch erschienen.

Mehr zur Buchmesse

Auf einer Bühne sitzen 2 Personen und diskutieren vor großem Publikum.
Kultur -

Frankfurter Buchmesse

3sat auf der Buchmesse Frankfurt a.M., mit Livestream von der ARD, ZDF und 3sat-Lesebühne, vom 7. bis 11. Oktober 2026

"Der Reisende": Georg Forster-Biografie von Andrea Wulf

Die erste deutsche Republik, die ersten Wahlen, zum ersten Mal Pressefreiheit in deutschen Landen: 2023 wurde die "Mainzer Republik" vom rheinland-pfälzischen Landtag als "Ort der Demokratiegeschichte" mit einer Skulptur vor dem Deutschhaus geehrt – und so auch ihr schillernder Anführer: Georg Forster. Es war ein langes Ringen, bis die Bundesrepublik den glühenden Anhänger der Französischen Revolution anerkannte: Zuerst entdeckte ihn der rebellische Ulrich Enzensberger im Geist der 1968er, 1990 setze ihm Willi Brandts Redenschreiber Klaus Harpprecht mit einer mutigen Biografie ein Denkmal, 2008 wurde Georg Forsters illustrierte "Reise um die Welt" nach fast 250 Jahren zum Bestseller.

Jetzt hat Andrea Wulf sich genauer mit dem Pazifik-Erkunder und Philosophen, Revolutionär und Begründer der deutschen Reiseliteratur beschäftigt. "Der Reisende" heißt ihre spannend erzählte Forster-Biografie, die gerade in ihrer Wahlheimat England erschien und jetzt auch in deutscher Sprache vorliegt. Wulfs Fazit: Forster war seiner Zeit weit voraus. Bereits als junger Mann bereiste er die entlegensten Winkel der Welt, brachte 1775 von seiner Weltumsegelung mit James Cook den unerschütterlichen Glauben an Freiheit und Gleichheit mit und stellte mit seinen Ideen zur Menschlichkeit und seinen Anschauungen gegen jeden Rassismus die europäischen Weltanschauungen des 18. Jahrhunderts radikal infrage. In ihrem neuen Buch erliegt Andrea Wulf Forsters Esprit und zeichnet das romantische Porträt eines leidenschaftlichen, freien Geistes.

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