Kultur
Kriminelle Klima-Kleber?
Die Themen der "Kulturzeit" vom 17.02.2026: Carla Hinrichs "Meine verletzte Generation", Exil-Iraner, Berlinale Zoom: Iran im Fokus, Fotoband "Cockaigne".
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2024
- Datum:
- Verfügbar
- weltweit
- Verfügbar bis:
- bis 30.04.2026
Die Themen der Sendung:
Carla Hinrichs: "Meine verletzte Generation". Wie der Staat uns alle verrät"
Es ist früh am Morgen, als es klingelt. Kein höfliches Läuten, eher ein beharrliches, amtliches Pochen. In der Wohnung noch der Geruch von Kaffee, irgendwo ein liegen gelassener Rucksack. Sekunden später stehen bewaffnete Beamte im Flur. Computer, Handys, Notizbücher – alles wird beschlagnahmt. Carla Hinrichs beschreibt diese Hausdurchsuchung am Anfang ihres Buches "Meine verletzte Generation. Wie der Staat uns alle verrät" nüchtern, fast sachlich. Und doch ist in jeder Zeile spürbar: Hier kippt etwas. Ein Leben, das bislang vom Glauben an zivilen Ungehorsam getragen war, gerät in den Mahlstrom des Staates.
Carla Hinrichs ist eine der bekanntesten Figuren der Letzten Generation. Straßenblockaden, Farbanschläge, Festnahmen – sie war dabei, oft vorne, sichtbar, angreifbar. Ihr Buch ist kein Manifest, sondern ein Protokoll: Wie aus moralischer Dringlichkeit Radikalität wird. Wie aus Protest Routine entsteht. Und wie sich Aktivisten in einer eigenen Logik verfangen können, die immer weniger Rücksicht auf die Gesellschaft nimmt, die sie eigentlich erreichen wollen.
Exil-Iraner in Aufruhr
Die iranische Exil-Community in Deutschland ist in Aufruhr. Seit dem Massaker Anfang Januar sind viele Iraner*innen zutiefst besorgt über das brutale Vorgehen der Regimekräfte in Iran. Doch zum Bangen gehört auch das Hoffen, was eine Figur in den Fokus gerückt hat: den Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi. Trump hat ihn bereits in Posts zum führenden Mann Irans gekrönt. Nicht zufällig lautete schon im Juni 2025 der Codename des US-amerikanischen Angriffs auf iranische Atomanlagen "Operation Rising Lion". Auf Demonstrationen werden vermehrt Fahnen mit dem Löwensymbol geschwenkt, dem royalen Symbol der Schah-Zeit. Es erstaunt, wie viel Menschen in Iran, wo die Pahlavis aus dem Land gejagt worden sind, als auch außerhalb, wo viele schon vor dem vormaligen Regime geflohen waren, nun in dem einstigen Thronfolger einen Hoffnungsträger sehen. Das ist überraschend deshalb, weil die Monarchie für viele als überwundenes Kapitel galt. Ein Porträt der iranischen Exilgemeinschaft – zwischen Hoffnung und Bangen, zwischen dem tiefen Wunsch nach Veränderung und der Angst vor einer weiteren Enttäuschung.
Berlinale Zoom: Iran im Fokus
Die Situation im Iran und die schwierigen Lebensbedingungen unter dem Mullah-Regime sind seit vielen Jahren Thema auf der Berlinale. Filmemacher wie Dschafar Panahi und Mohammad Rasoulof haben dort immer wieder sehr mutige und eindringliche Filme gezeigt und damit Bären gewonnen. Auch auf dieser Berlinale ist der Iran von Beginn an Thema gewesen, erst durch Protest auf dem Roten Teppich, dann auch im Filmporgramm.
Mehr zur Berlinale
Gregor Sailers Fotoband "Cockaigne"
Vier Jahre lang war der Tiroler Fotograf Gregor Sailer für sein jüngstes Projekt unterwegs – von der Arktis bis nach Afrika. Mit seiner Großformatkamera hat er Orte besucht, die kaum jemand zu sehen bekommt: vollautomatisierte Insektenfarmen, abgelegene Gewächshäuser und wissenschaftliche Forschungsinstitute, in denen an der Ernährung der Zukunft gearbeitet wird. "Cockaigne" nennt Sailer seine neue Fotoserie, die aktuell im Naturhistorischen Museum Wien zu sehen ist. Der Begriff stammt aus dem Mittelalter und bezeichnet ein mythisches Schlaraffenland, in dem die Menschen Nahrung im Überfluss haben. Sailer überträgt diese Idee in die Gegenwart und möchte mit seinen Bildern zum Nachdenken anregen. Darüber, wie realistisch dieses Versprechen heute ist.