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Kultur

Die Berlinale und die Meinungsfreiheit

Die Themen der "Kulturzeit" vom 04.03.2026: Berlinale, Meinungsfreiheit - Gespräch mit Ronen Steinke, Schweizer Medienabgabe, Künstler John Armleder, Peter Hujar und Nachruf auf Peter Schneider.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2025
Datum:
Sendetermin
04.03.2026
19:24 - 20:00 Uhr

Die Themen der Sendung:

Tricia Tuttle bleibt Berlinale-Chefin

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle bleibt Intendantin der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Nach einer Sondersitzung des Aufsichtsgremiums erklärte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) am 4. März in der Bundeshauptstadt, er danke Tuttle für ihre Bereitschaft, weiter die Berlinale zu leiten. Zugleich bedauerte das Gremium "die Überlagerung künstlerischer Arbeit der jüngsten Berlinale durch politischen Aktivismus", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Hintergrund für die Debatte um die Zukunft der Berlinale-Chefin waren anti-israelische Proteste von Künstlern während der Filmfestspiele. Daraufhin wurden Rücktrittsforderungen gegenüber Tuttle laut. Zugleich erhielt die 56-jährige US-Amerikanerin starke Unterstützung aus dem In- und Ausland. Tuttle selbst hatte schon zu Wochenbeginn erklärt, dass sie die Berlinale weiter leiten wolle. Die Internationalen Filmfestspiele gehören zum Geschäftsbereich der "Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH" (KBB). Deren Aufsichtsratsvorsitzender ist aktuell Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.

Meinungsfreiheit - Gespräch mit Ronen Steinke

Eine Demokratie beruht auf dem Prinzip der freien Meinungsäußerung. Was aber, wenn die Meinungsfreiheit Demokratien entzweit? Wenn darüber gestritten wird, was man noch sagen darf und was nicht? Es ist der wohl größte Kulturkampf unserer Tage. Die Bundesrepublik war innerhalb der westlichen Welt schon immer das Land mit den schärfsten Strafvorschriften gegen das gesprochene Wort. In den letzten zehn Jahren wurden hierzulande zusätzliche Gesetze geschaffen, um politische Äußerungen zu regulieren. Ob zur Migration, Klimapolitik oder zum Nahostkonflikt: Noch nie gab es so viele Ermittlungen. Darüber schreibt der Jurist Ronen Steinke in seinem neuen Buch: "Meinungsfreiheit – Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen". Steinkes Buch ist ein Plädoyer für offene Debatten und gegen ausufernde Strafverfolgung. Wir sprechen mit dem Journalisten.

"Halbierungsinitiative" für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Schweiz

Die Schweizer Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG steht vor einer weiteren eingreifenden Abstimmung. Am 8. März steht in der Schweiz die "Halbierungsinitiative" zur Wahl. Diese beinhaltet, die Senkung der Medienabgabe jedes Haushalts auf 200 Franken und alle Unternehmen sollen von der Abgabe befreit werden. Das Parlament hat schon deutlich gegen die Initiative gestimmt. Jetzt sind aber die Bürger*innen dran. Sollte die Initiative durchgehen, steht das ganze Konzept öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Schweiz auf sehr wackligen Beinen.

John Armleder-Ausstellung "Observatoires" in Genf

Ob abstrakte Kunst, opulente Orchideenbouqets klassischer Meister, eine Portraitsammlung oder wie auf einem Catwalk stolzierende Tierpräparate: Mit seiner Auswahl aus rund 800.000 Sammlungsobjekten gibt der Genfer Künstler John Armleder nicht nur Einblick in die Sammlungsgeschichte des Musée d’art et d’histoire in Genf, durch seine Anordnung setzt er sie auch neu in Szene. Er lädt im Rahmen seiner "Carte blanche"-Ausstellung das Publikum ein, über die eigene Verantwortung in der Gesellschaft nachzudenken und sich im Angesicht der unterschiedlichen Epochen zu befragen: Welche Lehren ziehe ich aus der Vergangenheit? Wir haben uns die Ausstellung des Konzeptkünstlers angesehen.

Ausstellung: "Peter Hujar - Eyes Open in the Dark"

Der New Yorker Fotograf Peter Hujar (1934–1987) wurde für die Empathie und Wärme seiner Bilder gefeiert, war zu Lebzeiten jedoch wenig bekannt. Hujars Hauptinteresse galt der Porträtfotografie: Er fotografierte sich selbst, seine Freunde und Bewohner der queeren New Yorker Downtown-Szene, genauso aber richtete er seine Aufmerksamkeit auf Tiere, Architektur und Landschaften. Bis zum 23. August zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn Hujar als Chronisten einer Zeit der gesellschaftlichen und sexuellen Veränderungen. Parallel ist die Ausstellung vom 19. März bis zum 28. Juni im Gropius Bau in Berlin zu sehen.

Schriftsteller Peter Schneider gestorben

Der Schriftsteller Peter Schneider ist nach einem Bericht von "Die Welt" im Alter von 85 Jahren gestorben. Der "Vorzeige-Intellektuelle der bürgerlichen Presse" ("Die Welt") war vor allem für seine auch literarische Auseinandersetzung mit der 68er-Bewegung bekannt. Schneider schrieb Ende der 1960er Jahre Wahlreden für SPD-Politiker, auch für Willy Brandt, bevor er sich politisch radikalisierte und neben Rudi Dutschke einer der Wortführer der Berliner Studentenrevolte gegen die im Adenauer-Deutschland verdrängte Nazizeit und den Krieg in Vietnam wurde. Mitte der 1970er Jahre löste sich Schneider von seiner linksradikalen Haltung und Rhetorik und plädierte in der Folge für eine zivile Gesellschaft, die sich gegen jede Art von Radikalismen wehren sollte. Seine Werke lesen sich wie eine fortlaufende Chronik der Denk- und Lebensbewegungen der 68er-Generation.

1940 in Lübeck geboren, wuchs Peter Schneider in Freiburg auf, wo er sein Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie aufnahm. Er schrieb Erzählungen, Romane, Drehbücher und Reportagen sowie Essays und Reden. Einige seiner Romane wurden auch verfilmt. Zu seinen wichtigsten Werken zählen "Lenz" (1973), "Der Mauerspringer" (1982), "Rebellion und Wahn" (2008), "Die Lieben meiner Mutter" (2013) und "Club der Unentwegten" (2017). Zuletzt erschien sein Roman "Vivaldi und seine Töchter" (2019). Seit 1985 unterrichtete Peter Schneider als Gastdozent an US-amerikanischen Universitäten, unter anderem in Stanford, Princeton, Harvard und an der Georgetown University in Washington D.C..

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