Postautos-Rosenlauital

Dokumentation

Mit dem Postauto durch die Schweiz: Durchs wildromantische Rosenlauital (Folge 1)

Die Rosenlauí-Linie von Meiringen nach Grindelwald gilt als eine der spektakulärsten Postauto-Routen der Schweiz.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Sendetermin
05.01.2023
12:35 - 13:25 Uhr

Die wildromantische Strecke führt entlang schroffer Felswände und tiefer Schluchten durch das malerische Reichenbachtal auf die Grosse Scheidegg. Die ganze Fahrt über bieten sich fantastische Ausblicke auf die Bergriesen des Berner Oberlandes.

Die einspurige Straße über die knapp 2000 Meter hohe Grosse Scheidegg nach Grindelwald ist für den motorisierten Verkehr gesperrt. Nur das Postauto darf hier fahren. Für die Chauffeure ist die Strecke mit ihren scharfen Kurven und steilen Anstiegen eine Herausforderung. „Ein bisschen Nervenkitzel ist immer dabei“ sagt Chauffeur Christian Eggler, der die Rosenlaui-Linie schon seit 15 Jahren befährt.

Schon Goethe war von der Landschaft fasziniert, nachdem er 1779 das Rosenlaui-Tal durchschritten hatte. Die Postauto-Route bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel der gigantische Reichenbachfall. Für Sherlock-Holmes-Fans ist ein Ausflug zu diesem 120 Meter hohen Wasserfall fast schon ein Muss. Hier forderte der berühmte Detektiv seinen Erzfeind Professor Moriaty zum Kampf. Das Handgemenge endete mit dem Sturz beider in die Tiefe.

Kurz hinter Rosenlaui, der kleinsten Gemeinde der Schweiz, liegt die berühmte Gletscherschlucht Rosenlaui. Ein Kunstwerk der Natur – 600 Meter lang und bis zu 150 Meter tief. Die Schlucht mit ihren spektakulären Wasserfällen, geheimnisvollen Grotten und bizarren Felsschliffen ist Teil des UNESCO Welterbes Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch und zählt rund 20 000 Besucher im Jahr.

Gleich nebenan liegt das Hotel Rosenlaui. In dem altehrwürdigen Gasthaus wird man beim Schritt über die Türschwelle in die Zeit der Belle-Epoque zurückversetzt. Die Geschichte des Hotels erzählt auch von den Anfängen des Tourismus in der Schweiz: als Pioniere die Alpen eroberten und in diesen noblen Räumen ihre Erfahrungen austauschten. Den Betreibern des traditionsreichen Hauses, der Familie Kehrli, liegt die Hotelgeschichte und die Erhaltung des viktorianischen Baustils samt seiner heute fast schon kitschig anmutenden Schnörkel am Herzen. Auf liebevolle Art scheint das Hotel aus der Zeit gefallen. Auf Wlan, Fernseher oder Handyempfang wird hier ganz bewusst verzichtet.

An der Haltestelle Schwarzwaldalp erfolgt ein Fahrerwechsel. Nun dirigiert Sämi Zumbrunn das Postauto die schmale Straße Richtung Grosse Scheidegg hinauf. Der erfahrene Chauffeur ist vielfach preisgekrönter Jodler und beglückt die Fahrgäste regelmäßig mit seiner Gesangskunst.

Den höchsten Punkt der Postauto-Route bildet die Grosse Scheidegg. Die Passhöhe liegt auf 1962 Metern und bietet einen einzigartigen Ausblick auf den imposanten Eiger, die Wand des Wetterhorns und die schroffen Engelhörner.

Kaum jemand kennt die Bergwelt um Grindelwald so gut wie Peter „Speedy“ Füllemann. Er führte fast vierzig Jahre ein Sportbekleidungsgeschäft in Grindelwald. Seitdem er im Ruhestand ist widmet sich der heute 74-jährige ganz der Naturfoto-grafie. Er hat bereits mehrere Bildbände veröffentlicht. Seine große Leidenschaft sind Tieraufnahmen. Aber er dokumentiert mit seinen Bildern auch die Schmelze der ehemals mächtigen Grindelwald-Gletscher. Der Rückgang des ewigen Eises erfüllt den Naturfotografen mit tiefer Sorge.

Von der Grossen Scheidegg geht es durch viele Haarnadelkurven hinab ins Tal. Im beliebten Wintersportort Grindelwald am Fuße von Eiger, Mönch und Jungfrau endet die spektakuläre Fahrt des Postautos.

Ein Film von Marcus Fischötter.

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