Kultur
Superreiche zwischen Megajacht & Machtpolitik
Die Themen der "Kulturzeit" vom 28.04.2026: US-Superreiche, Beeples Roboterhunde in Berlin, Film "Der Frosch und das Wasser", Mainzer Stadtschreiber Sven Regener, Helen Frankenthaler in Basel.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 29.04.2026
- 19:23 - 20:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
Zwischen Megajacht und Machtpolitik - wie die Superreichen der USA ihre eigene Welt bauen
Der US-amerikanische Journalist Evan Osnos liefert in seinem Buch "Yacht oder nicht Yacht" Einblicke in die Welt der Ultrareichen. Es ist eine Welt, in der das größte Problem zu sein scheint, wo man seinen exzessiven Reichtum parken kann. Waren es vor einigen Jahrzehnten noch Kunstwerke von Picasso und van Gogh, so sind es jetzt Megajachten: Boote, die fast schon an Kriegsschiffe erinnern und deren Preis die 500 Millionen US-Dollar Marke locker überschreitet. Osnos, der seit fast 20 Jahren für die Zeitschrift "The New Yorker" schreibt, liefert ein spannendes und unterhaltsames Buch über eine normalerweise unzugängliche Elite. Aber sein Buch ist nicht nur anekdotisch. Nie zuvor, schreibt Osnos, war die Ungleichheit in den USA so massiv wie heute. Dazu kommt, dass die Ultrareichen sich mit ihrem Geld Einfluss in der Politik erkaufen. Das war zwar schon immer so, aber die unter Trump völlig schamlos gewordene Verbindung von Macht und Geld scheint sich mittlerweile komplett von jeglichen Wertesystemen abgekoppelt zu haben. Selbst der Iran-Krieg und die damit verbundenen wirtschaftlichen Probleme scheinen die Ultrareichen nicht zu tangieren. Kann eine solche Gesellschaft Bestand haben? Warum wehren sich die Amerikaner nicht gegen die zunehmende Ungleichheit? Und was bedeutet die Entwicklung in den USA für Deutschland und Europa?
Beeples Roboterhunde in Berlin
Mit seinen Roboterhunden will der US-Künstler Beeple auf die Macht von Techkonzernen aufmerksam machen. Erstmals zeigt er das Kunstwerk in Deutschland, in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Die Roboterhunde ähneln bekannten Personen - die Silikonköpfe zeigen zum Beispiel die Techunternehmer Elon Musk, Mark Zuckerberg und Jeff Bezos, aber auch die Künstler Andy Warhol und Pablo Picasso. In der Vergangenheit hätten Künstler unsere Weltsicht zumindest zum Teil geprägt, sagte Beeple. "Heute wird unser Weltbild zu großen Teilen von Techmilliardären beeinflusst, nämlich Mark Zuckerberg und Elon Musk, die mächtige Algorithmen kontrollieren, welche entscheiden, was wir sehen und was nicht." Das sei eine unglaubliche Macht, die wir noch nicht ganz begriffen hätten. Die Roboterhunde beobachten die Umgebung und scheiden dann mit ihrem Hinterteil KI-generierte Bilder aus. Das Werk heißt "Regular Animals" ("normale Tiere"). Nach Meinung des Künstlers sollten sich mehr zeitgenössische Kunstwerke mit der Frage beschäftigen, wie sich Technologie auf die Menschheit auswirkt. Die Ausstellung "Beeple. Regular Animals" ist bis zum 10. Mai in Berlin zu sehen.
Film "Der Frosch und das Wasser"
Es geht auch ohne Worte - und das ist die Geschichte von Stefan Busch, genannt Buschi. Er sagt nichts, einen ganzen Film lang. Buschi lebt wegen seines Down-Syndroms in einer betreuten Wohngemeinschaft, still, unauffällig, ohne Abenteuer, aber mit einer großen Sehnsucht nach dem Wasser. Doch wenn die Wohngemeinschaft ins Schwimmbad aufbricht, darf er nicht mitkommen. Denn Buschi kann nicht schwimmen, niemand hat es ihm beigebracht und niemand hat vor, es ihm beizubringen. Und dann bricht Buschi aus, schließt sich einfach einer japanischen Reisegruppe an, die ihr neues Mitglied verwundert und fasziniert aufnimmt. So kommt Buschi nach Weimar, Dresden und auf das Hotelzimmer von Hideo Kitamura. Der Beginn einer wunderbaren stillen Freundschaft. In seinem Film "Der Frosch und das Wasser" erzählt der Leipziger Regisseur Thomas Stuber humorvoll und hinreißend von einer Begegnung zwischen nahem und fernem Osten, von Buschi und Hideo. Der Film kommt am am 30. April in die deutschen Kinos.
Sven Regener tritt in Mainz sein Amt als Stadtschreiber an
Der Musiker und Autor Sven Regener ("Herr Lehmann") wird am 29. April in Mainz als Stadtschreiber eingeführt. Der Mainzer Stadtschreiber ist ein mit 12.500 Euro dotierter Literaturpreis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt. Die Preisträger - Regener ist der 41. - dürfen ein Jahr lang in der Stadtschreiber-Wohnung in der Mainzer Altstadt leben und erhalten das Angebot, zusammen mit dem ZDF und 3sat einen Film nach freier Themenwahl zu produzieren. Regener kündigte an, ein Filmprojekt in Weinstuben der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt umzusetzen. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Regisseur, Autor und Filmproduzenten David Schalko, werde er sich in "eine, manche sagen mehrere" Weinstuben setzen, sich filmen lassen und über verschiedene Themen reden, kündigte der 65-Jährige an. Regie werde Charlotte Goltermann führen, die auch Managerin der von Regener gegründeten Band "Element of Crime" ist. Mit der Band plant Regener in seiner Zeit in Mainz auch ein Konzert und er wird sein im September erscheinendes Buch "Frankie und Freddie" vorstellen, ein Roman über die Brüder Frankie und Freddie Lehmann. Sein Stadtschreiber-Filmprojekt soll im Frühjahr 2027 gezeigt werden.
Helen Frankenthaler-Ausstellung in Basel
Helen Frankenthaler (1928-2011) hat die sogenannte Soak-Stain-Technik entwickelt: stark verdünnte Farbe, die auf ungrundierte Leinwände trifft und leuchtende, fast schwebende Farbflächen entstehen lässt. Eine künstlerische Innovation, die lange Zeit vor allem Männern zugeschrieben wurde. Frankenthaler selbst blieb in der Kunstgeschichte dagegen oft im Schatten. Das Kunstmuseum Basel widmet jetzt der 2011 verstorbenen US-Künstlerin eine große Ausstellung mit mehr als 50 Werken aus sechs Jahrzehnten - zu sehen noch bis zum 23. August.