Kultur
"Truly Naked" - Jugendliche und Pornografie
Die Themen der "Sendung" vom 10.06.2026: Film "Truly Naked" - Gespräch mit Madita Oeming, Kiew Biennale in Berlin, Jean Ziegler gestorben, Filmemacherin Sabine Boss, Gaudí und die Sagrada Família.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 10.06.2026
- 19:22 - 20:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
Film "Truly Naked" - Gespräch mit Madita Oeming
Alec (Caolán O'Gorman) arbeitet für das Familienunternehmen seines Vaters Dylan (Andrew Howard): Er filmt, schneidet und vermarktet Pornoclips, in denen sein Vater selbst auftritt. Nach einem Umzug lernt Alec die feministische Mitschülerin Nina (Safiya Benaddi) kennen. Ausgerechnet für ein Referat über Online-Pornografie müssen die beiden zusammenarbeiten. Während sie sich näher kommen, beginnt Alec, die Welt, in der er aufgewachsen ist, zu hinterfragen. "Truly Naked" von Muriel d'Ansembourg bewegt sich zwischen Coming-of-Age-Geschichte, Familiendrama und Reflexion über Pornografie. Wir sprechen mit der Kulturwissenschaftlerin und Sexualpädagogin Madita Oeming über die Auswirkungen von Porno-Konsum auf Jugendliche.
Kiew Biennale in Berlin
Zeitgenössische ukrainische Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Werke, trotz Krieg. Das nomadische Projekt Kiew Biennale eröffnet am 10. Juni mit dem Titel "A Bird That Can Not Land" in Berlin. Die Ausstellung und Begleitprogramme laufen bis zum 13. September. Im Zentrum stehen die Reflexion von Kriegsereignissen, koloniale und imperiale Geschichten, sowie das Konzept von "Middle East Europe". Wir treffen Künstler*innen und Veranstalter*innen.
Zum Tod von Jean Ziegler
Der streitbare Schweizer Soziologe und Ex-Politiker Jean Ziegler ist gestorben. Das bestätigte seine Frau dem Schweizer Rundfunk RTS und anderen Medien. Er wurde 92 Jahre alt. Ziegler war jahrelang für die Sozialdemokraten im Parlament. Als Autor und UN-Berater wollte der Soziologieprofessor gegen Ungerechtigkeit in der Welt kämpfen. Er setzte sich zeitlebens gegen die Globalisierung, Profitgier und "die verlogene Herrschaftsschicht" ein. In seiner Heimat wurde er oft als Nestbeschmutzer verunglimpft. Ziegler wurde 1976 bekannt, nachdem er in seinem Buch "Eine Schweiz, über jeden Verdacht erhaben" großen Schweizer Konzernen Profite auf Kosten der Ärmsten vorgeworfen hatte. 1990 stellte er seine Heimat als Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens dar ("Die Schweiz wäscht weißer"). In "Die Schweiz, das Gold und die Toten" prangerte er 1997 die Verstrickung von Schweizer Geldinstituten mit den Nazis und den Umgang mit Guthaben von Holocaust-Opfern auf Schweizer Konten an.
Filmemacherin Sabine Boss zum 60. Geburtstag
Sabine Boss’ Werk ist populär: Mit vielen ihrer Filme hat sie ein breites Publikum erreicht. Ihre Arbeiten kreisen um große Themen wie Schuld, Freundschaft, Liebe, Leben und Tod – so auch der Thriller "Jagdzeit", der Machtkämpfe in der Welt der Topmanager beleuchtet. In der Romanverfilmung "De Goalie bin ig" geht es um trügerische Freundschaften: Aus falsch verstandener Loyalität gerät die Hauptfigur unschuldig ins Gefängnis. Sabine Boss macht den Goalie, einen Mann mit Drogenvergangenheit, zum packenden Antihelden. "De Goalie bin ig" überzeugte durch seine stille Präzision – und wurde 2014 mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet. Eine folgerichtige Ehrung für die Regisseurin, die souverän zwischen Genres, Zeiten und Milieus wechselt.
Sabine Boss wuchs als Tochter eines Pfarrers und einer Apothekerin im Aargau auf und schloss sich der Punkszene an. Einst besetzte sie Häuser. Heute zählt sie zu den produktivsten Filmemacherinnen der Schweiz. In ihrem Schaffen zeigt sie Widersprüche auf. Die jugendliche Rebellion war ihr eine gute Schule. Nun wird die Erfolgfrau 60 und hat noch viel vor. "Der nächste Film ist ein Film mit einem reinen Frauenensemble aus mehreren Generationen. Und ich freue mich extrem darauf, das machen zu können, wenn er denn finanziert wird", sagt sie. Man darf gespannt sein.
Papst weiht Gaudís Sagrada Família
Antoni Gaudí, der Mann, der Barcelonas Silhouette für immer prägen sollte, lag nach einem Straßenbahnunfall auf der Straße – etwas verlumpt, abgemagert. Man hielt ihn für einen Bettler, brachte ihn erst spät ins Krankenhaus. Drei Tage später starb er, am 10. Juni 1926. Genau 100 Jahre nach dem Tod des Baumeisters wird der Jesus-Turm seiner Kirche Sagrada Família von Papst Leo XIV. gesegnet und eingeweiht. Eine bittere Pointe der Kunstgeschichte: Der Mann, den man damals übersah, ist heute in Barcelona nicht mehr zu übersehen.
Die Sagrada Família war immer mehr als nur eine Kirche. Sie ist katalanisches Symbol, Touristenmagnet, Glaubensraum, Baustelle, Projektionsfläche. Vielleicht liegt ihr Geheimnis gerade darin. Sie ist unvollendet, umstritten, überhöht. Ein Bauwerk, das zum Himmel strebt und doch sehr irdische Fragen stellt. Nach Schönheit. Nach Glauben. Nach Vermarktung. Und danach, wann aus einer Vision ein Spektakel wird.