Kultur
Epidemie der Gewalt unter Israels Arabern
Die Themen der "Kulturzeit" vom 25.02.2026: Morde unter arabischen Israelis, Jan Drees zu "Ich möchte zurückgehen in der Zeit", Louvre-Direktorin, "Die Frau als Mensch 2", Glockenland Schweiz.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2025
- Datum:
- Verfügbar
- weltweit
- Verfügbar bis:
- bis 25.02.2027
Die Themen der Sendung:
Die Epidemie der Morde - Gewalteskalation unter Arabern Israels
Die Zahlen sind schwindelerregend. In der arabischen Gesellschaft Israels, die mehr als 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, geschieht alle 36 Stunden ein Mord. Der Grund: Bandenkriminalität. Eine knappe halbe Million illegaler Waffen sind im Umlauf. Die Polizei unter ihrem defacto Oberbefehlshaber, dem rechtsextremen Minister für innere Sicherheit Itamar Ben Gvir, tut nichts. Für ihn sind die Araber Israels keine Bürger, die es zu beschützen gilt.
Walid Haddad, ein israelisch-arabischer Kriminologe und Dozent, der zuvor im israelischen Ministerium für nationale Sicherheit tätig war, erklärte, dass das organisierte Verbrechen vom Waffenhandel und Wucher profitiere. Banden erpressten zudem "Schutzgeld" von Anwohnern und Geschäftsleuten. Jahrelang war das jüdische Israel apathisch gegenüber der eskalierenden Gewalt. Doch die Zahlen lassen sich nicht mehr ignorieren. 2020 wurden 113 Menschen ermordet. Fünf Jahre später waren es 252. Heute gehen Araber und Juden gemeinsam auf die Straße. "Es darf nicht zur Routine werden, dass jeden Tag mindestens ein arabischer Bürger ermordet wird", sagt Alon-Lee Green von der NGO Standing Together. "Es darf nicht zur Routine werden, dass die Polizei zwei Millionen Bürger im Stich lässt und dass so viele Familien verwaisen. Und die Regierung sagt einfach: 'Da kann man nichts machen.' Klar kann man da was machen! Diese Gewalt kann und muss bekämpft werden - und wir werden sie besiegen." "Das ist unser aller Kampf", mahnen sie. Noch stellt sich die Regierung taub. Doch die Gewaltwelle bedroht nicht nur die palästinensischen Bürger Israels. Sie ist eine Gefahr für den gesamten Rechtsstaat.
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Die Schriftstellerin Judith Hermann ist nach Polen gefahren, um Spuren der Vergangenheit zu suchen. Ihr Großvater, gestorben vor ihrer Geburt, war bei der SS und war in der Stadt Radom stationiert. Hermann fragt sich: Hat er Verbrechen begangen? Was kann Radom erzählen? Ihr Buch "Ich möchte zurückgehen in der Zeit" ist keine Reportage, es versteht sich als sprachliches Nachforschen. Der literarische Stil Judith Hermanns war seit ihren ersten Erzählungen geprägt von Lakonie und Präzision – Atmosphäre kommt vor Handlung. Was aber macht das mit einem Text, der sich so etwas konkretem wie dem Holocaust nähert? Wir sprechen darüber mit dem Literaturkritiker Jan Drees.
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