Kultur
Kulturkampf um "Volksbad" in Berlin
Die Themen der "Kulturzeit" vom 17.08.2026: "Volksbad" vor der Volksbühne - Gespräch mit Hadija Haruna-Oelker, Salzburger Festspiele, Nachruf auf Helmut Lethen, Filmfestival Locarno.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 18.08.2026
- 06:20 - 07:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
Debatte um "Volksbad" in Berlin - Gespräch mit Hadija Haruna-Oelker
Für wenige Stunden sollte das "Volksbad", ein temporäres Schwimmbecken direkt vor der Berliner Volksbühne, exklusiv für Menschen der schwarzen Community öffnen. Doch nach rassistischen Drohungen hat das Theater die für den 14. August 2026 geplante Veranstaltung mit dem Verein "Each One Teach One" (Eoto) abgesagt. An einigen Tagen ist das Schwimmbecken für bestimmte Vereine reserviert - wie zum Beispiel für Eoto. Der Verein ist im Bereich der Rassismusprävention tätig und setzt sich für die Selbstermächtigung schwarzer Menschen ein. Er ist einer der Träger des Black Communities Center in Berlin-Wedding, das 2026 eröffnet wurde.
Einige Medien, rechte Politikerinnen und Politiker, aber auch eine CDU-Kommunalpolitikerin kritisierten die Exklusivnutzung in den sozialen Medien. AfD-Chefin Alice Weidel sprach von "Apartheid". Die Volksbühne hatte mitgeteilt, sie und der Verein hätten eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher ebenso wenig garantieren können wie einen entspannten Feriennachmittag. Der Verein Eoto sprach von direkten Anfeindungen: "Seit Beginn der öffentlichen Diskussion über die Veranstaltung erhalten wir rassistische Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare auf Social-Media", teilte der Verein mit. Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal betonte, er lasse sich keinen rechten Diskurs "aufzwingen". Sein Theater entspreche dem Berliner Antidiskriminierungsgesetz, was zwingend vorsehe, für marginalisierte, traumatisierte Gruppen Schutzräume zu schaffen.
Wir sprechen darüber mit der Journalistin Hadija Haruna-Oelker.
Salzburger Festspiele
Wir blicken auf die Salzburger Festspiele und ihre wichtigsten Produktionen, die sich vor allem durch einen eigenwilligen Regiestil auszeichnen. Darunter Bizets Carmen als Femiziddrama, Richard Strauss' Oper "Ariadne auf Naxos" in der Regie von Ersan Mondtag und das jüngste Werk der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, "Unter Tieren". Außerdem sprechen wir mit Karin Bergmann, der Interimsleiterin der Salzburger Festspiele nach dem Rauswurf des langjährigen Intendanten Markus Hinterhäuser, über die aktuelle Situation und den Sanierungsbedarf des Festspielhauses.
Ariadne auf Naxos - Salzburger Festspiele 2026
Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos" ist ein dramatisches Experiment über Kunst unter Zwang - und über das Theater als Kampfplatz konkurrierender Wahrheiten.
Zum Tod von Helmut Lethen
Der Germanist und Kulturwissenschaftler Helmut Lethen ist am 13. August in Wien im Alter von 87 Jahren gestorben. Bekanntheit erlangte Lethen durch seine Epochenstudie "Verhaltenslehren der Kälte" (1994). Am Beispiel von Autoren wie Bertolt Brecht, Ernst Jünger oder Helmuth Plessner zeigte Lethen darin, wie in der Weimarer Republik und eben Zwischenkriegszeit - als nach dem Ersten Weltkrieg Moral und Traditionen zusammengebrochen waren - Verhaltenslehren propagiert wurden, die auf einen Habitus der Härte setzten. Über Gottfried Benn schrieb er das Porträt "Der Sound der Väter" (2006) und für das autobiografisch gefärbte Buch "Der Schatten des Fotografen", in dem der Schriftsteller etwa Robert Capas Kriegsbilder untersuchte, erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch. Lethen wurde 1939 in Mönchengladbach geboren. Von 1977 bis 1996 lehrte er an der Universität Utrecht, später übernahm er den Lehrstuhl für Neueste Deutsche Literatur in Rostock. Von 2007 bis 2016 leitete er das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien.
Bilanz des Filmfestivals Locarno
Zum Finale des 79. Internationalen Filmfestivals Locarno hat der Spielfilm "Nu e locul tău aici" ("Du gehörst nicht hierher") aus Rumänien den Hauptpreis, den Goldenen Leopard, gewonnen. Wie eine Vielzahl der Beiträge des internationalen Wettbewerbs entwirft der energiegeladene Film das Bild einer mehr und mehr von Hass, Unsicherheiten und Intoleranz geprägten bürgerlichen Welt. Wir blicken in unserer Bilanz besonders auf den diesjährigen Fokus des Filmfestivals auf starke Frauenfiguren und Regisseurinnen. Isabella Rossellini wurde beispielsweise mit dem prestigeträchtigen Excellence Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, die Schweizer Regisseurin Petra Volpe stellte ihr neues Drama "Frank & Louis" vor und die Hollywood-Schauspielerin Olivia Wilde wurde umjubelt für ihre Rolle in der neuen Komödie "The Invite".