Kultur

Bröckelt Putins Macht?

Die Themen der "Kulturzeit" vom 03.06.2026: Aufstand gegen Putin, "Das können wir uns nicht leisten" - Gespräch mit Miriam Davoudvandi, Film "Ich verstehe Ihren Unmut", Comiczeichnerin Alison Bechdel.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:

Die Themen der Sendung:

Bröckelt Putins Macht?

Die Stimmung in Russland kippt - und zwar offenbar lawinenartig. Putin wird immer unbeliebter. Laut einer offenen Vertrauensumfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts WZIOM erreichte Wladimir Putin im April 2026 nur noch 29 Prozent Zustimmung. Im Jahr davor hatte derselbe Wert noch bei über 70 Prozent gelegen. Da es sich um Daten eines staatlichen Instituts handelt, sind die tatsächlichen Stimmungen vermutlich deutlich kritischer.

Nach einem Frontalangriff auf Putin durch den regierungstreuen Blogger Ilja Remeslo (der später zeitweise in einer psychiatrischen Klinik landete) tauchten im Netz hunderte Videos mit direkter und ungewöhnlich scharfer Kritik an Putin auf — etwas, das früher praktisch unvorstellbar gewesen wäre und garantiert Gefängnis bedeutet hätte. Ein ganzer Kritiksturm ist losgebrochen. Dabei ist das von den Behörden verbotene Instagram zur wichtigsten Plattform der Unzufriedenen geworden. Die bislang weitgehend ausbleibende Reaktion von Polizei und Geheimdienst deuten Beobachter als mögliches Zeichen einer Schwächung des Regimes. Die wichtigsten Kritikpunkte scheinen inzwischen so weit verbreitet, dass der Kreml eine offene Konfrontation mit der Bevölkerung offenbar vermeiden will. Im Zentrum der Kritik von Militärblogger*innen und überwiegend einfachen Bürger*innen stehen die sich verschärfende Wirtschaftskrise, ausufernde Inflation und Steuererhöhungen, zunehmende Repressionen, weitgehende Abschaltung des Internets und Militärzensur im ganzen Land, der endlose Krieg und die hohen Verluste der russischen Armee und die ukrainischen Schläge tief im russischen Inland und das dadurch entstehende Unsicherheitsgefühl.

Miriam Davoudvandi: "Das können wir uns nicht leisten" - Gespräch mit der Autorin

Die Journalistin und Podcasterin Miriam Davoudvandi wurde 1992 in Bukarest als Tochter einer rumänischen Mutter und eines iranischen Vaters geboren und wuchs in einer Kleinstadt in Baden Württemberg auf. Heute lebt sie in Berlin, arbeitet für bekannte Medien, wie "Spiegel" und "Zeit" und ist Host des WDR-COSMO-Podcasts "Danke, gut.", in dem sie Gespräche über mentale Gesundheit führt. In ihrem Buch "Das können wir uns nicht leisten" verarbeitet sie ihre eigene Biografie und schreibt über das Aufwachsen in Armut, das Gefühl von Scham und die Herausforderungen eines Lebens im Sozialbau. Wir sprechen mit der Autorin.

Sozialdrama "Ich verstehe Ihren Unmut"

Heike (Sabine Thalau) arbeitet als Objektleiterin einer Münchner Gebäudereinigungsfirma. Sie organisiert Vertretungen, springt selbst ein und telefoniert pausenlos mit Kunden, die sich über Schmutz und mangelnde Hygiene beschweren. Kilian Armando Friedrichs Spielfilmdebüt "Ich verstehe Ihren Unmut" begleitet die 59-Jährige durch eine Arbeitswelt, die von Personalmangel, Zeitdruck und permanenter Überforderung geprägt ist. Die Handkamera bleibt dicht an ihrer Seite, während sie durch Hintereingänge, Parkhäuser und Treppenhäuser hetzt. Beschwerden wandern durch die Hierarchien nach unten, Verantwortung ebenso. In der Tradition von Ken Loach und den Dardenne-Brüdern zeichnet Friedrich kein Heldenporträt. Heike sabotiert Streikversuche und trifft fragwürdige Entscheidungen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Gerade diese Ambivalenz macht die Figur glaubwürdig. Sabine Thalau, selbst aus der Reinigungsbranche, verleiht ihr große Präsenz. Ein präzises, körperlich spürbares Sozialdrama über Arbeit, Erschöpfung und die Unsichtbarkeit derjenigen, die unseren Alltag sauber halten.

Alison Bechdels Graphic Novel "Kaputt"

Alison Bechdels neue Graphic Novel "Kaputt" ist halb biografisch, halb fiktiv. Es ist eine sehr unterhaltsame Bestandsaufnahme linken Lebens in den USA. Mit ihren Comics wurde Bechdel zu einer Pionierin des internationalen Queerfeminismus. Bekannt ist der sogenannte Bechdel-Test, mit dem man geradezu spielerisch Filme auf Sexismus abklopfen kann. Bechdel ist queer, links und intellektuell. In den USA ist das im Moment eine explosive Mischung. Ihre Graphic Novel "Kaputt" zeigt, wo dieses Amerika sich im Moment befindet: Eine zerstrittene Gesellschaft, die nicht so ganz weiß, wo es einmal hingehen soll. Doch Bechdel hat auch eine tröstliche Botschaft: Gemeinschaft bringt uns weiter. Solidarität ist das, was Identität schafft.

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