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Wissen

scobel - Krankheiten als Erbe der Evolution

Warum wird der Mensch krank? Der Homo sapiens ist aus Sicht der Evolutionsbiologie eine Mängelkonstruktion - seit jeher anfällig für Leiden aller Art. Krankheit ist Erbe unserer Evolution.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 22.10.2025

Die Evolutionsmedizin sucht mithilfe der Molekulargenetik und Untersuchungen an Tieren, fossilen Menschen und Mumien nach neuen Erkenntnissen über die Entstehung von Krankheiten wie Arteriosklerose, Krebs, Adipositas, Allergien, Alzheimer bis hin zu Depressionen.

Selektion krankmachender Gene

Auch neue Therapien und vor allem die Möglichkeiten der Gesundheitsprävention erforscht die junge Wissenschaft. Eine zentrale Frage der evolutionären Medizin ist dabei: Warum wurden in der menschlichen Entwicklung krankmachende Gene und biologische Mechanismen wie zum Beispiel das ungehinderte Zellwachstum, das Krebs verursachen kann, nicht einfach durch Selektion abgeschafft? Sind sie für die Evolution und das Fortbestehen eines Organismus unter bestimmten Umständen sinnvoll - oder gar von Vorteil?

In der aktuellen medizinischen Forschung rücken Entzündungsprozesse und Störungen des Immunsystems als Ursachen zahlreicher Krankheiten mehr und mehr in den Blick. Aus Sicht der Evolution stellt sich die Frage, ob es überhaupt ein perfektes Immunsystem gibt.

Krankheiten verstehen

Der Evolutionsmediziner Frank Rühli hält insbesondere chronische Entzündungen, die die Menschheit seit jeher begleiten, für sehr wichtig für das Verständnis der Evolution der Krankheiten. Und der Anthropologe Aaron Blackwell, der die Evolution des Immunsystems erforscht, könnte sich vorstellen, dass unter anderem unser mangelnder Kontakt mit Darmparasiten wie Spulwürmern und Hakenwürmern, die den Menschen in seiner Entwicklungsgeschichte bis vor Kurzem stets begleitet haben und in manchen Weltregionen immer noch begleiten, unser Immunsystem überreagieren lassen.

Einflüsse auf Krankheiten

Das Erbgut des Menschen enthält Informationen aus 3,5 Milliarden Jahren Entwicklung. Die längste Zeit hat die Evolution nicht Lebensqualität und Langlebigkeit des Menschen bei der Vererbung zur Priorität gemacht, sondern seine Fortpflanzungsfähigkeit.

Wird das so bleiben? Welchem Selektionsdruck, also welchen evolutionären Einflüssen, unterliegt der moderne Mensch heute, und wie wird er sich womöglich in Zukunft an seine Umwelt anpassen? Dass zum Beispiel der Klimawandel und Pandemien auch einen großen Einfluss auf die Evolution der Krankheiten haben werden, daran dürfte kein Zweifel bestehen.

Die Gäste

Luzie Verbeek, Ärztin und Autorin
Quelle: Privat

Luzie Verbeek ist Ärztin, Autorin des Buchs "Darwinische Medizin – Evolutionsbiologie in Gesundheit und Wissenschaft" und Koordinatorin für Klimawandel und Gesundheit am Robert-Koch-Institut in Berlin. Sie nimmt als Privatperson, nicht als Vertreterin des RKI am Studiogespräch teil.

Johannes Krause, Biochemiker und Archäogenetiker
Quelle: Thomas Victor

Johannes Krause ist Biochemiker, Archäogenetiker und Direktor des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Leipzig. Zu seinen Forschungsgebieten zählen Krankheitserreger aus historischen Epidemien und die menschliche Evolution. Vor kurzem erschien sein Buch "Die Reise unserer Gene – Eine Geschichte über uns und unsere Vorfahren".

Frank Rühli,  Evolutionsmediziner und Paläopathologe
Quelle: IEM

Frank Rühli ist Evolutionsmediziner und Paläopathologe. Er ist Direktor des Instituts für evolutionäre Medizin der Unimedizin Zürich und leitet dort die Paläopathologie. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Evolution der Krankheiten und die diagnostische Bildgebung bei Mumien. Er hat die Mumien von Ötzi und Tutanchamun untersucht.

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