wissenschaftsdoku
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Der Flow - ideales Verhältnis von Fähigkeiten und Anforderungen
Thema zur Sendung "Tödliche Langeweile"
Gerd-Günter Voß ist Soziologe und spezialisiert auf die Unternehmenskultur in Organisationen. Er lehrt an der Technischen Universität in Chemnitz und beobachtet neben den Burnout-Erkrankungen auch die Boreout-Symptome.
Wer Überlastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt ist, hat ein doppelt so hohes Risiko eine Herzkreislauferkrankung zu bekommen. Aber auch die Unterforderung macht Betroffenen schwer zu schaffen.

Stefans dritter Tag im Selbstversuch:

Stefan Witte:
"Ich bin eigentlich mit relativ guter Laune jetzt in den Tag gestartet, auf jeden Fall mit besserer Laune als ich gestern hatte am Ende des Versuchstages, da war ich ja doch so ein bisschen deprimiert im Grunde genommen und geschockt durch die Wegnahme der Außenreize. Sprich, man hat mir ja meinen Computer weggenommen, man hat mir meine Lektüre weggenommen. Das hat mich dann doch schon so ein bisschen aus dem Takt gebracht. Und ich habe so das Gefühl, jetzt habe ich eigentlich meinen Takt wieder gefunden und gehe eigentlich so ganz entspannt in den Tag."

Stefan sucht sich heute selbst eine Beschäftigung und entwickelt kreative Kräfte. Der Abbau des Telefons sorgt nur für kurze Irritation.

Stefan Witte:
"Mittlerweile hat man mir hier das Telefon abgebaut und ehrlich gesagt kratzt mich das nun überhaupt nicht, das hätte mich vielleicht mehr getroffen am gestrigen Tage, als ich mich noch so ein bisschen lethargisch gefühlt habe, aber jetzt in diesem Gefühl, selbst produktiv und kreativ zu sein, ohne, dass mir jemand eine Aufgabe stellt, ist mir das eigentlich vollkommen wurscht."

Stefan durchlebt gerade eine Extremsituation - Basejumper an der Eiger-Nordwand ebenso, aber eine völlig andere. Sie sind auf der Suche nach dem ultimativen Abenteuer. Je größer die Herausforderung, desto stärker spürt man sich, sagen sie. Der freie Fall sorgt für einen kurzen, aber heftigen Adrenalin-Kick. Wirklich gesund ist hingegen nur der Zustand zwischen der Eintönigkeit und extrem stressigen Situationen: der Flow.

Symptome wie bei einer Erkältung
Lupe
Michaela Brohm, Motivationsforscherin:
"Flow ist der ideale Leistungs- und Motivationskick sozusagen. Immer dann, wenn die Fähigkeiten in optimaler Passung sind zu den Herausforderungen, dann erleben wir so einen Zustand der Selbstvergessenheit. Wo man an irgendwas arbeitet, schreibt, Cello spielt oder was auch immer, wo man irgendwas tut ohne ein zeitliches Empfinden zu haben und ohne einfach das Gefühl zu haben, ich muss irgendwas machen, sondern wo man einfach in diesem Zustand selbstvergessen agiert und sich auch erst nach dem Zustand das Glücksgefühl einstellt und man sagt: Boah war das toll, das hat Spaß gemacht, das war super."

Am Nachmittag des 3. Tages stellt sich bei Stefan kein Glücksgefühl ein. Er nimmt sich Auszeiten und schläft. In einer realen Arbeitssituation kaum denkbar.

Stefan Witte:
"Ich bin frustriert, müde, habe eigentlich dann heute Nachmittag auch nicht mehr viel gemacht als ein wenig zu schlafen. Ich habe ein bisschen Bürogymnastik getrieben, wenn man so will um nicht der totalen Lethargie anheim zu fallen. Das war‘s dann aber auch schon und ich befürchte ganz stark, dass ich in irgendeiner Weise versuchen muss diese beiden Tage komplett ohne Antrieb herumzukriegen und mir ist völlig schleierhaft wie ich das schaffen soll, ohne eine totale Frustration zu verspüren."

Am Ende des dritten Versuchstags ist Stefans Stimmung hin- und hergerissen.

Stefan Witte:
"Ich hatte fast so ein bisschen Symptome wie bei so einer Erkältung oder so, einen schweren Kopf, Müdigkeit."

Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung, diese Symptome treten regelmäßig bei Menschen auf, denen die Arbeit oder Anerkennung entzogen wird: Arbeitslose, Kranke oder ausgebremste Angestellte. Menschen, die selbstbestimmt arbeiten, kennen dies kaum.

Sendedaten
23.07.2015, 20.15 Uhr

Erstsendung: 25.09.2014
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