© MIchel Cavalca
Festival d’Automne à Paris
Die neue Staffel von „Theater: Ein Fest!“ startet mit einem Einblick in das Festival d’Automne à Paris. Nina Sonnenberg trifft die beiden international renommierten Choreografen William Forsythe und Jérôme Bel und spricht mit ihnen über ihre Arbeiten für das Ballett der Oper Lyon.
Außerdem steht die Performance „Unwanted“ auf dem Programm. Das Stück der aus Ruanda stammenden Künstlerin Dorothée Munyaneza tourt gerade durch ganz Europa. In erschütternden Tondokumenten kommen die Opfer von Vergewaltigungen während des Bürgerkriegs in ihrem Heimatland zu Wort.

Das Festival d’Automne findet alljährlich in Paris statt und zeigt von September bis Januar Highlights aus Tanz, Theater, Performance, Musik und bildender Kunst. Deshalb zieht es Nina Sonnberg auch in die Ausstellung der schottischen Künstlerin Karla Black und Installationen von William Forsythe und dem japanischen Klangkünstler Ryoji Ikeda. Das Festival d’Automne erstreckt sich über ganz Paris und ist an Vielfalt kaum zu überbieten. Ein Fest!

Infos zu den Künstlern

William Forsythe
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William Forsythe wurde am 30.12.1949 in New York geboren. Zu Beginn seiner Karriere als Tänzer und Choreograph war er Mitglied des Joffrey Ballet in New York und ab 1973 des Stuttgarter Balletts.
Mit seinen neuartigen Stil als Choreograph gilt Forthyse als Visionär und Erneuerer des zeitgenössischen Tanzes. Das Besondere an seiner Arbeit war von Anfang an sein Verständnis von Ballett als einer lebendigen Sprache, die man nicht wie ein totes Objekt immer wieder auf genau die gleiche Weise sprechen kann. Er führte das Ballett mit zahlreichen anderen Disziplinen aus Kunst und Wissenschaft zusammen. Beeinflusst von George Balanchine entwickelte er eine eigene am Neoklassizismus orientierte, streng mathematische, zugleich bildhaft-sinnliche Tanzsprache. Großes Aufsehen erregte 1982 am Nederlands Dans Theater seine Choreographie "Gänge - ein Stück über Ballett". 1984 übernahm Forthyse die künstlerische Direktion des Balletts der Städtischen Bühnen Frankfurt/Main. Er führte dieses Ensemble rasch zu internationalem Ruhm. So schrieb man es maßgeblich seiner Arbeit in Frankfurt zu, dass das ursprünglich klassisch orientierte Ballett eine neue Berechtigung als dynamische Kunstform des 21. Jahrhunderts bekam.

Jérôme Bel
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Jérôme Bel wurde am 14.10.1964 in Montpellier geboren. Er absolvierte das Centre National de Danse Contemporaine (CNDC) in Angers.
Bel gilt heute als ein Vertreter des Konzepttheaters. Sein wichtigster Schritt in diese Richtung war seine Inszenierung des "disabled theater“, die er mit geistig behinderten Schauspielern aufführte. Sie wurde 2013 zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Kennzeichen seiner Choreographien ist, das er auf der Bühne weder mit Licht noch mit Effekten oder Requisiten eine Atmosphäre erzeugen möchte. Seine Darsteller tanzen nicht im engeren Sinn, sondern bewegen sich zur Musik in fast alltäglichen Bewegungen. Er ist ein Verfechter der Dekonstruktion und des Poststrukturalismus, geprägt von Barthes, Derrida und Foucault. Mit seinen Arbeiten will Bel den Zuschauer provozieren und Reaktionen hervorlocken.

Dorothee Munyaneza
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Dorothée Munyaneza ist Sängerin, Autorin und Choreografin. Sie stammt aus Ruanda, heute lebt sie in Marseille, Frankreich. Nach ihrem Musikstudium bei der Jonas Foundation in London und an der Canterbury University komponierte und sang sie u.a. Teile des Originalsoundtracks des Films "Hotel Rwanda“, 2010 wurde ihr erstes Soloalbum veröffentlicht. Seit 2013 entwickelt Dorothée Munyaneza ihre eigenen Arbeiten innerhalb der zeitgenössischen Performance-Szene. Mit ihrer Kompanie Kadidi realisierte sie 2014 das Stück „Samedi Détente“ am Théâtre de Nîmes, das fast hundert Mal in Frankreich, Europa, den USA und Ruanda gezeigt wurde. Mit ihrem Stück „Unwanted“ ist sie ebenfalls weltweit auf Festivals zu gast.

Fotos von den Dreharbeiten

Zwei 20 mal 20 Meter große Flaggen und zwei Roboterarme bewegen sich in  William Forsythe Choreografie „Black Flags“. © ZDFWolfgang Horn Zwei 20 mal 20 Meter große Flaggen und zwei Roboterarme bewegen sich in William Forsythe Choreografie „Black Flags“.
Im grellen Scheinwerferlicht. Nina Sonnenberg trifft den Choreografen William Forsythe in der Grande Halle in La Vilette in Paris.  © ZDFBjörn Katthöfer Im grellen Scheinwerferlicht. Nina Sonnenberg trifft den Choreografen William Forsythe in der Grande Halle in La Vilette in Paris.
Nina Sonnenberg bei der Arbeit. Hier im Palais des Beaux Arts vor einer Installation der schottischen Künstlerin Carla Black. © ZDFWolfgang Horn Nina Sonnenberg bei der Arbeit. Hier im Palais des Beaux Arts vor einer Installation der schottischen Künstlerin Carla Black.

Nach der Vorstellung. Nina Sonnenberg im Gespräch mit der ruandischen Künstlerin Dorothée Munyaneza im Pariser Veranstaltungszentrum Centquatre. © ZDFWolfgang Horn Nach der Vorstellung. Nina Sonnenberg im Gespräch mit der ruandischen Künstlerin Dorothée Munyaneza im Pariser Veranstaltungszentrum Centquatre.
Platz ist in der kleinsten Hütte. Die sechsköpfige Fernsehcrew trifft den französischen Choreografen Jérôme Bel in der Küche seines Pariser Apartments. © ZDFWolfgang Horn Platz ist in der kleinsten Hütte. Die sechsköpfige Fernsehcrew trifft den französischen Choreografen Jérôme Bel in der Küche seines Pariser Apartments.
Nach dem Interview. Nina Sonnenberg mit der langjährigen Direktorin für Schauspiel, Tanz und bildende Kunst des Festival d’Automne, Marie Collin. © ZDF Nach dem Interview. Nina Sonnenberg mit der langjährigen Direktorin für Schauspiel, Tanz und bildende Kunst des Festival d’Automne, Marie Collin.

Sendedaten
Samstag, 13.01.2018
19:30 Uhr
Übersicht
Theater: Ein Fest! 2017
Moderation
©  ZDFLupeNina Sonnenberg
Nina Sonneberg ist unter dem Namen Fiva als Musikerin bekannt und moderiert auch das Magazin "Kulturpalast" auf 3sat.