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Niccel und Emil Steinberger sehen sich ihr Bild von Meisterfälscher Beltracchi an.
Niccel und Emil Steinberger sehen sich ihr Bild von Meisterfälscher Beltracchi an.
Leicht ins Schwitzen gekommen
Emil Steinberger über seine Begegnung mit Wolfgang und Helene Beltracchi
Der „Meisterfälscher“ Wolfgang Beltracchi bittet den Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger und seine Frau Niccel zur Portraitsitzung. Ein lichtvolles Bild soll es werden, impressionistisch. Deshalb wird draussen gemalt. Unter der grellen Sommersonne Südfrankreichs.
„Am ersten Tag zeichnete Wolfgang Beltracchi unsere Köpfe in seinem Atelier in Montpellier. Am nächsten Tag fuhren wir mit allen Malutensilien zum Anwesen, auf dem sie bis vor ihrer Verurteilung gelebt hatten. Ein geheimnisvolles Haus inmitten eines urwaldmässig überwucherten Gartens, der einmal traumhaft ausgesehen hat.
Nachdem Wolfgang an diesem glühend heissen Tag seinen Arbeitsplatz im Garten festlegt hatte, musste aus alten Bettlaken ein Sonnenschutz konstruiert werden. So trotzten wir der Sommerhitze und kamen nur leicht ins Schwitzen. Wolfgang gestand uns, dass er es nicht gewohnt sei, im Freien zu malen.

Er malte als erstes meinen Strohhut. Ich genoss es, so nahe bei einem Maler sitzen zu dürfen und jedes Detail verfolgen zu können. Das Abmischen der Farben, das Auswählen der Pinsel, das Sich-Annähern an die vor ihm sitzende Person. Ganz nebenbei interviewte er mich auch noch während dieser Konzentrationsarbeit. Mein beruflicher Werdegang interessierte ihn und er war überrascht, dass ich ausgebildeter Grafiker bin.
Trotz sengender Hitze malte Wolfgang stundenlang im Stile des spanischen Malers Joaquín Sorolla weiter. Dann konnte ich mir zum ersten Mal selbst in die Augen sehen.

© b&b endemol AG
© b&b endemol AG

Am nächsten Tag war meine Frau Niccel dran. Es war übrigens die Idee der Beltracchis, für die 3sat-Serie einmal ein Paar einzuladen. Vielleicht hatten sie gespürt, dass wir ihnen als Paar sehr ähnlich sind, Tag und Nacht zusammen sind und immer Hand in Hand arbeiten.

Extremes Stillsitzen war für das Portraitieren nicht erforderlich. Während Wolfgang Niccel malte, durfte ich ihm über die Schulter schauen und fotografieren. Auch Helene war immer präsent und begutachtete seine Arbeiten.
Endlich kam der grosse Moment, wo wir uns als Ehepaar Steinberger gegenüber stehen konnten. Ein komisches Gefühl. So sehen wir also aus! Wolfgang hatte uns bewusst nicht als liebliches Paar gemalt. Bei dem grellen Sonnenlicht wäre das auch gar nicht möglich gewesen. Woran die zwei auf dem Bild wohl gerade denken? Sicher nicht an die 80 Mückenstiche, die Niccel am Abend zählte.“ (Emil Steinberger, Januar 2016)

Sendedaten
© dpaLupeMontag, 10. Juli 2017, 19.30 Uhr

Der Meisterfälscher: Emil und Niccel Steinberger
Film von Christoph Müller