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Selbst Ärzte sind nicht frei von fehlerhaften Beurteilungen und überflüssigen Therapien
Selbst Ärzte sind nicht frei von fehlerhaften Beurteilungen und überflüssigen Therapien
scobel: Trügerische Diagnosen
Trendige Befunde in der Medizin
Diagnosen sind nicht immer wissenschaftlich fundiert. Ärzte und Patienten unterliegen ihren subjektiven Eindrücken und neigen manchmal zu voreiligen Schlüssen.
Im Internet gibt es unendlich viele Informationen über medizinische Themen, Diagnosevorschläge und Empfehlungen für Therapien. Aus dem gigantischen Fundus für Laien-Mediziner ziehen nicht wenige Patienten ihre Meinungen und Behandlungsmethoden.

Live im Studio - Gäste der Sendung

Die trendigen Befunde in der Medizin haben nicht nur Auswirkungen auf einzelne Patienten, sondern deren finanziellen Folgen belasten auch das Gesundheitssystem. Brauchen wir mehr öffentliche Debatten und unabhängige Forschungsarbeiten, damit Modediagnosen nicht ausufern? Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen:

Gerd Antes, Wissenschaftlichen Vorstand Cochrane Deutschland
Gerd Antes studierte Elektrotechnik und Mathematik. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik am Universitätsklinikum Freiburg. 1997 wurde er zum Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums gewählt. Seit Dezember 2017 ist er im wissenschaftlichen Vorstand der Cochrane Deutschland Stiftung aktiv. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Methodik von Meta-Analysen sowie Empirie des Forschungstransfers in die medizinische Praxis.

Alena Buyx, Professorin für Medizinische Ethik
Alena Buyx studierte Medizin, Philosophie und Soziologie. Seit 2014 ist sie Professorin für Medizinische Ethik und Stellvertretende Sprecherin des Instituts für Experimentelle Medizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie ist Mitglied des Deutschen Ethikrates. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem ethische Fragen der modernen Biomedizin, Forschungsethik und Public Health Ethik.

Ferdinand Gerlach, Mediziner und Wissenschaftler
Ferdinand Gerlach studierte Humanmedizin in Göttingen. Von 1993 bis 2004 arbeitete er als Arzt für Allgemeinmedizin in Praxisgemeinschaften. 2004 übernahm er die Leitung des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe Universität in Frankfurt. Gerlach ist Mitarbeiter diverser Experten- und Gutachtergremien u.a. für Kassenärztliche Bundesvereinigung, Bundesärztekammer und Bund-/Länderkommission der Gesundheitsministerkonferenz. Seit 2012 ist er Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen.



Zur Pille die passende Krankheit
Selbst Ärzte sind nicht frei von fehlerhaften Beurteilungen und überflüssigen Therapien. So werden manche vorübergehende Auffälligkeiten sehr schnell den weitverbreitenden Modekrankheiten zugeordnet, zum Beispiel ADHS oder Burnout. Häufig ist es nur eine Frage der Interpretation, ab wann ein auffälliges Verhalten auf eine zu behandelnde Krankheit hinweist. Und ist erst einmal der Befund erstellt, gibt es gleich dazu die passenden Therapien und Medikamente. Manchmal ist es sogar umgekehrt: Zuerst gibt es die Pille, und anschließend wird die dazugehörige Krankheit kreiert.

Sind Ärzte von Krankenkassen zu Diagnosen angestiftet worden?

Pharmahersteller haben ein großes Interesse, ihre Produkte zu verkaufen und freuen sich deshalb über jeden neuen Krankheitsbegriff, der sich durch gezielte Werbekampagnen kommerziell vermarkten lässt. Manchmal genügt auch die Absenkung von Grenzwerten oder die Ausweitung des Krankheitsbildes, um aus ärztlicher Sicht eine Medikation zu erreichen.

Für bestimmte Erkrankungen, deren Behandlungskosten hoch sind, können Krankenkassen aus dem staatlichen Gesundheitsfonds Zuschüsse erhalten. Da es scheinbar einen Missbrauch von bestimmten Diagnosen und deren Zuschüsse gegeben hat, haben Staatsanwaltschaften inzwischen Ermittlungen wegen Verdacht des Betrugs und der Untreue aufgenommen.


<b>Krank auf dem Papier</b><br />Krankenkassen zahlen Ärzten Prämien für Diagnosen. © colourbox.de
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Krank auf dem Papier
Krankenkassen zahlen Ärzten Prämien für Diagnosen.
<b>"Es ist ein Skandal!"</b><br />Eine Milliarde Euro geht jährlich durch frisierte Diagnosen verloren.
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"Es ist ein Skandal!"
Eine Milliarde Euro geht jährlich durch frisierte Diagnosen verloren.

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