Die belgische Pflanzenökologin Prof. Kathy Steppe steht in einem Wald in der Schorfheide (Brandenburg) hinter einer Birke, an der verschiedene Messgeräte angebracht sind.  © dpa
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Wenn sich was ändert, gibt es auch noch Extratweets, berichtet Prof. Kathy Steppe.
Hier twittert der Baum
Messdaten gehen ins Netz und verraten viel über den Zustand des Walds
In Deutschland twittern nun auch Bäume: Ein europäisches Forschernetzwerk will damit ein Frühwarnsystem für die Auswirkungen des Klimawandels etablieren.
Dazu werden einzelne Bäume mit Sensoren ausgestattet werden, die Daten über die Verdunstung, den Saftfluss und das Wachstum sammeln, sagte die Koordinatorin des Projektes, Ute Sass-Klaasen von der Universität Wageningen (Niederlande). Sie erhofft sich damit neue Erkenntnisse über die Auswirkungen von Extremwetterlagen und den zunehmenden Hitze- und Trockenstress, dem Bäume und Wälder ausgesetzt sind.

Der erste Baum in Deutschland mit dieser Technik ist eine 44 Jahre alte und 15 Meter hohe Kiefer im Biosphärenreservat Schorfheide nördlich vom brandenburgischen Eberswalde. Damit könnten Stress-Zustände von Wäldern schneller und ortsgenauer als bisher erkannt werden, sagte Andreas Bolte vom Thünen-Institut für Waldökosysteme im brandenburgischen Eberswalde.

Jeden Morgen und jeden Abend setzt es einen Tweet
Einsatzmöglichkeiten sieht er in der Forstwirtschaft und in Kommunen. Die installierten Sensoren messen die Bodenfeuchte, den Durchmesser sowie die Saftdurchleitung im Baum. Ein 50 Jahre alter Baum beispielsweise verdunstet an einem schönen Sommertag 60 Liter. Wuchs- oder Absterbereaktionen eines Baumes sind bislang erst Wochen, Monate oder gar Jahre nach dem schädlichen Ereignis äußerlich am Baum zu entdecken. Die Sensoren senden die gemessenen Daten, den "Herzschlag", im fünfminütigen Anstand an eine Zentrale. Der Zustand des Baumes wird dann bei normalen Wachstumsbedingungen einmal morgens zu Beginn des Saftflusses und am Abend jeweils per Twitter mitgeteilt.

Bei veränderten Wachstumsbedingungen würden auch Extra-Tweets gesendet, sagte die Initiatorin des "Twittering Tree"-Netzwerkes, Kathy Steppe, von der belgischen Universität Gent. Sass-Klaasen hält die "Twittering Trees" für eine nötige Ergänzung zu den bisherigen Klimamodellen, die aufgrund ihrer Komplexität zu ungenau seien, wenn es um die Auswirkungen des Klimawandels auf einzelne Regionen geht.

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