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CRISPR/Cas arbeitet präziser als frühere Techniken.
Gen herausgeschnitten
CRISPR/Cas-Technik an menschlichen Embryonen angewendet
Ein internationales Forscherteam hat erstmals auch in den USA an menschlichen Embryonen die "Gen-Schere" CRISPR/Cas angewendet und damit die Keimbahn verändert.
Die Embryonen waren eigens zu Forschungszwecken durch künstliche Befruchtung hergestellt worden. An ihnen sei der Nachweis erbracht worden, dass es möglich sei, einen genetischen Fehler einer dominanten Erbkrankheit schon zum Zeitpunkt der Befruchtung zu korrigieren, hieß es. Dabei ging es um eine erblich bedingte Herzmuskelschwäche.

Deutsche Wissenschaftler reagierten unterschiedlich auf den Bericht. Eingriffe in die Keimbahn gelten vielfach als Tabu. Denn dabei werden Gene verändert, die an alle Nachkommen vererbt werden. Bei den Experimenten sei dies nicht der Fall gewesen, so die Forscher, denn die verwendeten Embryonen durften nicht in eine Gebärmutter eingesetzt werden.

Die Experimente wurden an der Universität in Portland durchgeführt. Zuvor hatte es ähnliche Versuche bereits in China gegeben. Bislang galten gezielte Eingriffe ins menschliche Erbgut als technisch schwer machbar. Dagegen wird CRISPR/Cas immer wieder mit einer "Hochpräzisions-Schere" verglichen: Gene oder kleinste DNA-Bausteine können mit Hilfe zelleigener Enzyme eingefügt, verändert oder ausgeschaltet werden.

Hohe Quote von Reperaturdefekten
Klaus Rajewsky vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin erklärte, es handele sich nicht um einen wirklichen Durchbruch. Zwar hätten die Versuche in rund 72 Prozent zu intakten Embryonen geführt - bei den verbleibenden fast 28 Prozent der Embryonen gab es jedoch Reparatur-Defekte, so der Genetiker.

James Adjaye, Direktor des Instituts für Stammzellforschung und Regenerative Medizin an der Uniklinik Düsseldorf, erklärte, die Experimente lieferten wichtige Erkenntnisse für die Grundlagenforschung. Unerwartet sei etwa, dass sich die DNA-Reparatur-Mechanismen im frühen Embryo offenkundig von denen anderer Zellen unterschieden.

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VideoZum Thema sprachen wir am 17. August 2017 mit Peter Dabrock vom Deutschen Ethikrat.
Glossar
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