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Akupuntur © mev Video
Akupunktur wirkt. Offen ist nur, warum. (Beitrag vom 1. März 2016)
Jeder Stich sitzt
Traditionelle Chinesische Medizin wirkt
Akupunktur wirkt bei zahlreichen Krankheiten - das haben Studien gezeigt. Dabei ist allerdings nicht besonders wichtig, wo der Arzt die Nadeln ansetzt.
"Die Gerac-Studie mit 10.000 Ärzten hat gezeigt, dass der Einsatz von Akupunktur bei der Behandlung von Rücken- und Knieschmerzen, Migräne und chronischen Kopfschmerzen sinnvoll ist", sagt Wolfram Stör von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur. Die Behandlung mit Nadeln zeigte der Studie zufolge nach sechs Wochen die gleiche Wirksamkeit wie eine medikamentöse Therapie über sechs Monate hinweg.

Studien belegen positive Wirkung der Akupunktur
Akupunktur Lupe
Studien zeigen, dass es wirkt, aber nicht, wie
Akupunktur hilft gegen chronische Kopfschmerzen ebenso gut wie herkömmliche Medikamente. Dies haben Wissenschaftler bei der Auswertung von mehr als 30 Studien festgestellt, bei denen Daten von insgesamt 6700 Kopfschmerz-Patienten verglichen worden sind. "Akupunktur lindert Kopfschmerzen, reduziert die Anzahl der Kopfschmerztage und beugt Kopfschmerzen vor", sagte die Düsseldorfer Fachärztin für Innere Medizin, Gabriele Böwing im Februar 2009. Die Akupunktur-Expertin hatte mit ihrer an der Ruhr-Universität in Bochum entstandenen Studie und der Untersuchung von rund 1200 Patienten zu dem internationalen Gesamtprojekt beigetragen.

Bei der Behandlung von Spannungskopfschmerz habe sich gezeigt, dass die Kombination von Nadeln mit Medikamenten einer rein medikamentösen Therapie "deutlich überlegen" sei. Hier kam es bei fast der Hälfte der Patienten zu einer Verringerung der Kopfschmerztage; mit alleiniger Schmerzmitteltherapie sank die Zahl der Kopfschmerztage nach Angaben der Ärztin lediglich um 16 Prozent.

Zudem beuge Akupunktur auch nachhaltig Migräneanfällen vor, sagte Böwing. So habe sich bei jedem zweiten mit Akupunktur behandelten Migränepatienten die Zahl der Anfälle halbiert. Sowohl die Zahl der Kopfschmerztage als auch die Heftigkeit der Beschwerden sei nach wenigen Monaten Akupunktur gesunken. Beim Vergleich mit der täglichen Einnahme von Betablockern oder Anti-Epileptika habe sich gezeigt, dass die chinesischen Nadeln genauso gut wie die Präparate wirkten, die allerdings ein halbes Jahr lang täglich eingenommen werden müssten. Damit sei die Akupunktur "eine echte Alternative" zur Medikamenten-Vorbeugung bei Migräne: "Und das bei deutlich geringeren Nebenwirkungen."

Schon der Glaube hat heilende Wirkung
Kopf mit Meridianen Lupe
Die Energiebahnen sind Nebensache
Allerdings erzielte bei chronischen Kopfschmerzen auch eine "Scheinakupunktur", bei der die Nadeln nicht an den traditionellen chinesischen Punkten gesetzt wurden, bereits einen Effekt. So ergab eine 2013 in der Fachzeitschrift "Pain" veröffentlichte Forschungsarbeit ebenfalls, dass oft schon der Glaube an den Pieks eine heilende Wirkung hat und Akupunktur praktisch genauso gut wirkt, wenn gar nicht die Akupunkturpunkte getroffen werden.

Dem widerspricht eine 2014 veröffentlichte Metastudie eines US-amerikanischen Forscherteams um Andrew Vickers, das die Daten von 18.000 Patienten aus 31 Versuchsreihen verglich: Diese kam zu dem Schluss, dass Akupunktur mit einer Erfolgsquote von 50 Prozent erfolgreicher bei der Schmerzminderung ist als die Scheinakupunktur mit 42,5 Prozent und traditionelle westliche Behandlungsmethoden mit 30 Prozent.

Dass die Akupunktur eine körperliche Reaktion auslöse, sei aus schulmedizinischer Sicht geklärt, meint Stör. "So konnte man feststellen, dass der Botenstoff Adenosin vermehrt ausgeschüttet wird." Dies hätten neuere Studien in Versuchen mit Mäusen ergeben. Man geht davon aus, dass das Adenosin bei der Schmerzunterdrückung eine Rolle spielt. Dennoch sei die Funktionsweise der Akupunktur noch nicht völlig geklärt, sagt Stör.

Akupunktur hilft, egal ob und wohin man sticht
Akupunktur hilft gegen Übelkeit bei Krebspatienten, auch wenn gar nicht zugestochen wird, zeigt zudem eine Studie der schwedischen Uni Linköping mit 215 Patienten, die als Folge einer Strahlentherapie an Brechreiz litten. Eine Akupunktur nach den Regeln der traditionellen chinesischen Medizin linderte bei 95 von 100 Patienten die Übelkeit. Genauso viele gaben nach einer simulierten Akupunktur an, sich besser zu fühlen, wie der schwedische Wissenschaftsrat im Dezember 2008 mitteilte. Dabei wurden stumpfe, zusammenschiebbare Nadeln benutzt, die nicht in die Haut eindrangen, sondern sie nur berührten.

Hingegen verschafften gewöhnliche schulmedizinische Maßnahmen nur jedem vierten Patienten Erleichterung, wie die Wissenschaftlerin Anna Enblom für ihre Doktorarbeit herausfand. Offensichtlich gehe der Erfolg der Akupunktur nicht auf die traditionelle Methode an sich zurück, folgert Enblom. Stattdessen wirke die verstärkte Zuwendung, die eine Akupunkturbehandlung mit sich bringe: Patienten führten Gespräche mit dem Akupunkteur, sie würden berührt, sie hätten mehr Zeit für sich und mehr Entspannung.

"Es sind die Begleitumstände, die hier wirken", sagt Enblom. "Die Akupunktur-Patienten haben eine Sonderbehandlung erhalten, was sie von der Medikamenten-Gruppe unterscheidet. Die Patienten konnten entspannen. Besonders wichtig scheint auch die positive Erwartungshaltung der Patienten zu sein. All diese unspezifischen Faktoren haben einen Einfluss bei der Behandlung von Übelkeit bei der Strahlentherapie. Wir wissen nur nicht, welcher Faktor dabei am stärksten ist."

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Akupunktur, Yoga und Massage helfen, weil sie auf das Bindegewebe wirken. Das sagt die US-Neurologin Helene Langevin. (Beitrag vom 15. März 2013)
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Der Jubel unter den Anhängern der Akupunktur war groß, aber kurz: Wissenschaftliche Studien haben ihr als Naturheilmethode eine Wirkung zuschreiben können.
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Bindegewebe (Faszien)
Das Bindegewebe des Körpers, die Faszien, besteht aus Kollagen- und Elastinfasern sowie Zellen. Bindegewebe umgibt die Muskulatur und hält sie an ihrem Platz.
Wie jetzt?!
Ob Placebo oder nicht - Hauptsache, es wirkt
"Wer heilt, hat recht", sagt nano Reporterin Andy Losleben. Sie hat herausgefunden, dass Akupunktur bei vielen Beschwerden hilft.
Literatur
Vickers AJ, Linde K (2014) Acupuncture for Chronic Pain. J Am Med Assoc 311: 955 - 956
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