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Wie sich Geschlechtsidentität entwickelt, ist weitestgehend unbekannt
Wie sich Geschlechtsidentität entwickelt, ist weitestgehend unbekannt
Transsexualität
Mit dem falschen Geschlecht geboren
Transsexualität bezeichnet das Gefühl, mit dem falschen Geschlecht auf die Welt gekommen zu sein. Betroffene fühlen sich dem anderen Geschlecht zugehörig.
Viele transsexuelle Menschen bevorzugen die Bezeichnung "Transgender", da diese nicht den Anschein erweckt, es handele sich um ein sexuelles Problem. Der Begriff Transsexualität wurde erstmals vom deutschen Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld in den 1920er Jahren geprägt. Hirschfeld stellte auch klar, dass Betroffene nicht gestört oder gar krank sind. Die Ursachen für Transsexualität sind noch weitgehend unbekannt. Es gibt weder verallgemeinerbare Nachweise dafür, dass sich die Transsexualität auf biologischen Ursachen gründet noch dafür, dass sie auf psychischen Ursachen basiert. Wie sich Geschlechtsidentität letztendlich entwickelt, darauf gibt es noch keine endgültigen Antworten - weder bei transsexuellen noch bei nicht-transsexuellen Menschen.

Wie viele Transgender es gibt, lässt sich nicht genau sagen. Schätzungen gehen von 1:1000 bis 1:100 000 Transgender pro Anzahl der Geburten aus. Von den 682.000 im Jahr 2013 in Deutschland geborenen Kinder waren also zwischen 6 und 682 Transgender. Einer von 12.000 Männern wünscht sich eine Frau zu sein, obwohl sein biologisches Geschlecht männlich ist. Bei Frauen ist Transsexualität seltener, etwa eine von 30.000 biologischen Frauen wäre gerne ein Mann. Noch immer haben Transgender in der Öffentlichkeit mit Diskriminierung zu kämpfen. Dennoch wagen immer mehr Transsexuelle das Coming-Out.

Nach der Definition der Weltgesundheits-Organisation (WHO) handelt es sich bei Transsexualität um eine "Störung der Geschlechtsidentität", die Geschlechtsdysphorie. Manche Transsexuelle fühlen sich davon aber pathologisiert. Sie lehnen es ab, wenn Eingriffe an ihrem Körper als "Geschlechtsumwandlung" bezeichnet werden. Da sie ihre geschlechtliche Identität ja haben, sprechen sie lieber von "Geschlechtsanpassung".

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