EKG © reuters
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EKGs zur Früherkennung einer koronaren Herzkrankheit sind laut IGeL-Monitor nicht sinnvoll.
Ernüchternde Bilanz
Individuelle Gesundheitsleistungen in der Kritik
Bei den meisten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) entsteht oft mehr Schaden als Nutzen. Das ist die Bilanz nach fünf Jahren IGeL-Monitor.
Im IGeL-Monitor untersuchte der Medizinische Dienst die zusätzlichen Angebote. Danach nützen die meisten Selbstzahlerleistungen den Patienten nichts. Zuletzt wurden Früherkennungstests wie der "Lungen-Check" und Vorsorge-EKGs zur Früherkennung einer koronaren Herzkrankheit unter die Lupe genommen. Beide Tests wurden mit "tendenziell negativ" bewertet. Bei einem Teil der Gesundheitsleistungen gibt es sogar Hinweise auf mögliche Schäden.

Nach wie vor führen die Angebote zu Individuellen Gesundheitsleistungen häufig zu Verunsicherung beim Patienten. So berichten Schwangere, dass sie nicht wissen, ob sie sich für oder gegen zusätzliche Ultraschalluntersuchungen entscheiden sollen. Laut IGeL-Monitor schaden zusätzliche Ultraschall-Untersuchungen Mutter und Kind nicht, nützen ihnen aber auch nicht. Über den IGeL-Monitor können sich Versicherte über die Selbstzahlerleistungen informieren.

Einige Leistungen bringen sogar Risiken mit sich
Manche individuelle Gesundheitsleistungen können nach Ansicht der Kassen sogar schaden. Als Beispiel gilt unter anderem ein Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. Studien hätten laut Medizinischem Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) gezeigt, dass Frauen durch "Fehlalarme" häufig unnötig beunruhigt und in einigen Fällen sogar gesunde Eierstöcke entfernt würden.

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"Tendenziell negativ" - die Glaukom-Untersuchung.
Als tendenziell negativ wurde auch die "Augenspiegelung mit Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung des grünen Stars" bewertet. Die Glaukom-Kombi-Untersuchung soll dazu beitragen, den Grünen Star, der zum Erblinden führen kann, möglichst früh zu erkennen und zu therapieren. Wissenschaftliche Studien hätten aber keine ausreichenden Hinweise dafür gefunden, dass mit dieser Untersuchung tatsächlich Sehbeeinträchtigungen verhindert werden könnten, erklärte Michaela Eikermann vom MDS.

"IGeL können auch medizinisch sinnvoll sein"
"Es ist falsch, IGeL unter Generalverdacht zu stellen", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. "Im individuellen Patientenfall können IGeL durchaus medizinisch sinnvoll sein." Im Sinne eines guten Vertrauensverhältnisses zu seinen Patienten gäben Ärzte unter medizinischen Gesichtspunkten Empfehlungen ab. "Natürlich muss der Patient ausreichend Zeit haben, um über das Angebot entscheiden zu können", betonte der KBV-Chef.

Viele Daten, wenig Nutzen
Zu sehr im Bilde
"Ärzte werden in der Regel nicht verklagt, weil sie zu viel an Diagnostik machen, sondern wenn sie Diagnostik unterlassen", sagt der Zürcher Mediziner Thomas Rosemann.
Glossar
Glaukom
Bereits mehr als 100 Jahre ist bekannt, dass der Grüne Star in Zusammenhang mit erhöhtem Augeninnendruck zwischen Linse und Hornhaut durch nicht mehr gänzlich abfließende Augenflüssigkeit steht.
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