Shanghais moderne Skyline beeindruckt. Trotzdem bleibt Chinas Wirtschaft eine Black Box. © colourbox.de
Dokumentation ansehenDokumentation ansehen
Shanghais moderne Skyline beeindruckt. Trotzdem bleibt Chinas Wirtschaft eine Black Box.
China-Beben
Wirtschaftsriese in der Krise
Der "Made in China"-Boom hat China reich und mächtig werden lassen und über ein Drittel zum globalen Wirtschaftswachstum beigetragen. Doch Chinas Erfolgsformel - billige, einfache Produkte für die Welt - zieht nicht mehr.
Jahrelang war China der Motor der Weltwirtschaft. Doch seit die Lohnkosten gestiegen sind und die Exportzahlen zurück gehen, steckt Chinas Wirtschaft in der Krise. Und die Gewissheit, dass es im Gleichschritt mit China auch andernorts immer weiter aufwärts geht, gibt es nicht mehr.

"Made in China" stand und steht vor allem für "billig". Die niedrigen Löhne bescherten China einen jahrzehntelangen Wirtschaftsboom und machten es zur zweitgrößten Weltwirtschaft. Mit dem Erfolg kam auch der Wohlstand, die Löhne stiegen, fast 300 Prozent in den letzten zehn Jahren. Noch immer sind sie, verglichen mit westlichen Ländern, enorm niedrig. Dennoch sind hoch genug um die Großkonzerne in ihrem Profitstreben nach Alternativen suchen zu lassen. Die heißen oft Vietnam und Kambodscha oder aber Äthiopien.

China als Produktionsstandort ist Vergangenheit
Vor allem Äthiopien steht bei den chinesischen Firmen als Standort hoch im Kurs. In dem ostafrikanischen Staat gibt es kaum Infrastruktur, dafür aber viele arme Bauern und Tagelöhner. Fast wie in China vor 30 Jahren. Entsprechend groß ist die Goldgräberstimmung. Besonders in der Textil- und Modeindustrie. Das Lohnniveau ist so niedrig wie in kaum einem anderen Land.

Auch Zhang Huarong, Chef von Huajian, einem der größten Damenschuhhersteller der Welt, expandiert in das zehntgrößte Land Afrikas. In China, so der Unternehmer, seien Billigprodukte nicht mehr zukunftsfähig. Wer Profit machen will gehe nach Äthiopien. 4000 Menschen arbeiten bisher in Zhangs neuem Werk in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Bald schon sollen es 30.000 sein. Ihr Gehalt beträgt etwa 50 Euro im Monat, ein Zehntel von dem ihrer chinesischen Kollegen.

Huajian ist einer der größten Damenschuhhersteller der Welt. Doch die Produktion im eigenen Land wird zu teuer. Huajian ist einer der größten Damenschuhhersteller der Welt. Doch die Produktion im eigenen Land wird zu teuer.
Deswegen verlagert Huajian seine Produktion nach Addis Abeba. Hier sollen 30.000 Arbeiter für ihn arbeiten. © ZDFToby Marshall Deswegen verlagert Huajian seine Produktion nach Addis Abeba. Hier sollen 30.000 Arbeiter für ihn arbeiten.

Die Alternative zur Abwanderung nach Afrika oder Südostasien liegt für die chinesischen Konzerne in der Verlagerung der Prioritäten. Weg von den Billigprodukten zu Dumpingpreisen, hin zu hochwertiger Ware. Weil im eigenen Land das technische Wissen, ausgebildete Spezialisten und der Zugang zu Patenten fehlt, kauft man sich das ganz einfach im Ausland, bevorzugt in Europa. Diese Vorgehensweise sichert zusätzlich den Zugang zum europäischen Markt.

Chinas Schwäche trifft auch Deutschland
Wenn die Krise in China andauert, müssen auch deutsche Unternehmen mit deutlichen Einbußen rechnen. Der Anteil des China-Geschäfts von BMW liegt bei fast 19 Prozent, Volkswagen erwirtschaftet rund ein Drittel seines Umsatzes in China. Verheerend wäre ein dauerhafter Einbruch auch für viele deutsche Mittelständler, die auf das Wachstum im Reich der Mitte gesetzt haben.
Hubertus Bartsch etwa. Vor einem Jahr hat der Chef einer Leipziger Zahnradfabrik in China ein Werk eröffnet. Rund 50 Millionen Euro hat der Unternehmer investiert. Gelockt haben ihn der riesige Markt mit 1,4 Milliarden Einwohnern und die zweistelligen Wachstumsraten. Mit denen ist es allerdings erstmal vorbei. Doch das neue Werk in China muss sich rechnen, damit auch Leipzig nicht gefährdet ist.

Sendedaten
Freitag, 4. August 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr

Ein Film von Thomas Reichart und Katja Eichhorn.

(Erstausstrahlung: 23.09.2016)
Mediathek
VideoKann China Trumps Amerika ersetzen?
Wenn Amerikas neuer Dealmaker-in-chief der Globalisierung den Rücken kehrt - kann China dann die Lücke schließen? Eva Schmidt im Gespräch mit Matthias Fifka und Robert Kappel.
Interview
Reformstau im Riesenreich
China will seine Wirtschaft umbauen. Von der Billiglohnproduktion hin zu Dienstleistung und Konsum. Weniger Staat und mehr Markt. Aber der große Durchbruch bei den Reformen sei bislang ausgeblieben, meint China-Kenner Mikko Huotari.
(makro, 21.09.2016)
Faule Kredite
Chinas unheimliche Banken
Chinas Banken ächzen unter einem Turm fauler Kredite. Jetzt, da es nicht mehr so läuft im Reich der Mitte, kommen sie ans Licht. Die wahre Gefahr, sagt der Volkswirt Horst Löchel gegenüber makro, lauert jedoch woanders.
(makro, 28.07.2016)
Archiv
China im Umbruch
Wohin bewegt sich Chinas Wirtschaft? Peking ist dabei, sein Geschäftsmodell zu ändern. Statt billiger Werkbank will das Riesenreich in Zukunft auf Hightech und Konsum setzen.
(makro, 21.04.2016)
Video
© ZDFToby MarshallVideoSchuhindustrie: Mr. Zhang in Africa
Der weltgrößte Damenschuhproduzent verlagert einen Großteil seiner Produktion von China nach Äthiopien, weil dort die Löhne geringer sind.