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© AP Lupe
Sie könne sich schon vorstellen, nochmal in die Rolle der "Alien"-Kämpferin Ripley zu schlüpfen, sagte Sigourney Weaver vor Kurzem. Viele wären glücklich.
Aliens veränderten ihr Leben
Sigourney Weaver wird 65 Jahre alt
Hätte Sigourney Weaver auf Eltern und Lehrer gehört, wäre die Welt um eine Schauspielerin ärmer, die die Kritiker oft als wohl wichtigste Frauenfigur des neueren US-Kinos bezeichnen. Berühmt wurde sie als Alien-Bezwingerin. Sie war aber auch Gorillaflüstererin und spanische Königin. Am 8. Oktober 2014 feiert Sigourney Weaver ihren 65. Geburtstag.
"Mir gefällt es, älter zu werden. Ich finde das interessant", sagt der Filmstar in Interviews. "Mit zunehmendem Alter schätzen wir das, was wir haben. Das hilft, in der Gegenwart zu leben, statt Energien auf das Sehnen nach etwas anderem zu verschwenden". Weaver ist seit 30 Jahren mit dem Theaterregisseur Jim Simpson verheiratet. Das Paar lebt in Weavers Heimatstadt New York und hat eine 24-jährige Tochter namens Charlotte.

Weaver ist die Tochter des großen Fernsehbosses Sylvester L. Weaver jr., des früheren Präsidenten des US-Netzwerksenders NBC. Ihre Mutter, die britische Schauspielerin Elizabeth Inglis, vermittelte ihr "die positive Einstellung und meinen Pragmatismus", so Weaver. Dass sie einen eigenen Kopf hat, bewies Sigourney Weaver schon mit 14 Jahren. Sie ließ ihren Namen von Susan, genannt Susi, in Sigourney ändern, inspiriert durch eine Nebenfigur aus dem Roman "Der große Gatsby". Statt ihr beim Start zu helfen, setzten die Eltern alle Hebel in Bewegung, um die Tochter vom Film fernzuhalten: "Sie kannten das Geschäft nur zu gut", erinnert sich Weaver. Nach einem Literaturstudium an der Elite-Universität Stanford und einem Abschluss an der Yale-Drama-School schaffte es Weaver dann aus eigenen Kräften.

Herbe Brünette auf Monsterjagd
Die Zeit war reif für eine Schauspielerin, die Außerirdischen die Zähne zeigte, statt schreiend davonzulaufen. So wurde Weaver 1979 mit knapp 30 Jahren von Ridley Scott für den Science-Fiction-Horrorfilm "Alien" engagiert, nach dem mühsamen Berufsstart an Off-Broadway-Bühnen, in Werbefilmen und einer Sechs-Sekunden-Rolle in Woody Allens "Stadtneurotiker" (1977). Zum ersten Mal war ihre 1,83-Meter-Statur von Vorteil. Die Domina-Ausstrahlung der herben Brünetten, die im verschwitzten Unterhemd gegen schleimige Monster kämpft, ließ besonders nach dem zweiten, Action betonteren Alien-Film "Rambo" wie einen Chorknaben aussehen. Alien-Jägerin Lieutenant Ellen Ripley, das Gegenteil des, so Weaver, "Produzententraums von der kleinen, blauäugigen Blondine", wurde zur feministischen Ikone. Sigourney Weaver bekam als erster weiblicher Actionstar Gagen in Millionenhöhe. Seitdem ist sie die "Geisel von Ellen Ripley", die sie aber zugleich ihre "Befreierin" nennt.

Die Rolle der Primatenforscherin Dian Fossey im Film "Gorillas im Nebel" erlaubte es Weaver, sich endgültig als großer Hollywoodstar zu etablieren. Diese Hauptrolle und ihre Nebenrolle als Börsenmaklerin in Mike Nichols' Komödie "Working Girl - Die Waffen einer Frau" brachten ihr 1988 zwei Golden Globes ein. Neben vier Alien-Filmen spielte Weaver etwa im Thriller "Copykill" (1995) und verkörperte neben Gérard Depardieu im Columbus-Film "1492" (1992) die spanische Königin. Mit Ang Lees Drama "Eissturm" trat sie 1997 mit bald 50 Jahren erneut als "Sexsymbol des denkenden Mannes" in Erscheinung. Im Autisten-Drama "Snow Cake" spielte sie 2005 eine ihrer brillantesten Rollen.

Humor als philosophische Haltung
Dabei würde Sigourney Weaver lieber öfter in Komödien spielen - wie in der "Star-Trek"-Parodie "Galaxy Quest" im Jahr 1999, in der sie als platinblonde, unterbelichtete Science-Fiction-Seriendarstellerin auftritt. "Ich liebe Comedy", gesteht sie. "Komische Rollen zu bekommen, war nach 'Alien' lange nicht einfach für mich. Dabei habe ich mich in Komödien immer wohler gefühlt. Für mich ist Humor eine philosophische Haltung: Ich will über mich und die Welt lachen, statt aus allem immer ein Drama zu machen", erzählt Sigourney Weaver in einem Interview mit der "Vanity Fair". Ihr komisches Talent bewies sie unter anderem in "Ghostbusters I und II" (1984/1989) und zuletzt in "Abgedreht" (2008).

Weaver hofft, mit 80 Jahren "Miss Marple" zu spielen. Ihre nach wie vor athletische Figur verdankt sie einem moderaten Fitnessprogramm. Das Geheimnis ihres Aussehens beschreibt sie so: "Ich finde, dass Lebensfreude die Schönheit erhält." Sigourney Weavers nahe Zukunft sieht jedenfalls so aus: Regisseur James Cameron hat sie bereits für alle drei weiteren "Avatar"-Folgen gebucht. Als kettenrauchende Wissenschaftlerin Grace Augustine wird sie also weitermachen. Ihrer Schönheit scheint das zum Glück nicht zu schaden.