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Die Freiheitskämpfe der Frauen
100 Jahre Frauenwahlrecht
Im November 1918 erhielten die Frauen in Deutschland und Österreich nach langen Kämpfen endlich das Wahlrecht. Wie steht es heute, 100 Jahre danach, um die Gleichberechtigung? Eine Einschätzung der Filmautorin Sabin Jainski.
"Wir sind noch längst nicht am Ziel", sagen alle, die wir gefragt haben. In den USA marschieren sie gegen die Trump-Regierung, in Spanien gingen am 8. März Millionen Menschen für Frauenrechte auf die Straße, in Lateinamerika ebenso wie in Irland und Polen streiten Frauen für ihr Recht, über den eigenen Körper zu verfügen und Schwangerschaften abzubrechen.


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InterviewInterview
Verfassungsrechtlerin Silke Laskowski
"Es ist ein System, das Männer und Frauen unterdrückt. Je mehr Rechte eine Gesellschaft den Frauen gibt, desto besser geht es allen", sagt Petra Volpe, die in ihrem Film "Die göttliche Ordnung" den Kampf fürs Frauenstimmrecht in der Schweiz in den 1970er Jahren erzählt. "Ich sah mich mittendrin in dem Film", erzählt Vreni Kölbener, die noch bis 1991 im Kanton Appenzell-Innerrhoden für das Wahlrecht streiten musste. "Das sind unsere großen Vorbilder. Heute geht es vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und gleiche Entlohnung", fügt die junge Appenzellerin Leandra Hörler hinzu.

In Deutschland ist derzeit das passive Wahlrecht in Gefahr: Im deutschen Bundestag hat sich der Frauenanteil drastisch verringert, in manchen Länderparlamenten liegt er bei 25%, es gibt nur 10% Bürgermeisterinnen. Bundesweit engagieren sich deshalb Initiativen für Wahlrechtsreformen nach dem Vorbild vieler Länder, allen voran Frankreich. "Die mangelnde Beteiligung von Frauen ist nach wie vor Verfassungsbruch in Permanenz", sagt Verfassungsrechtlerin Silke Laskowski. Auch in der Wirtschaft fordern Frauen mehr Beteiligung, wie die Initiative Frauen in die Aufsichtsräte: Nur wer gleich-berechtigt vertreten ist, kann auch gleichberechtigte Gesetze und Regelungen durchsetzen.

#metoo - ein "Gesprächsangebot"
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InterviewInterview
Schauspielerin und Comedy-Star Maren Kroymann
Letztes Jahr rüttelte die #MeToo-Bewegung die Film- und Kulturbranche auf, in den USA wurde eine millionenschwere Stiftung gegründet, um Frauen bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu unterstützen. Das Schweigen sollte endlich gebrochen werden; doch in Deutschland haben immer noch viele Angst, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. "MeToo ist ein Gesprächsangebot", sagt Schauspielerin und Comedy-Star Maren Kroymann. "Was ist bei uns normal, was finden wir gut, wie sollte es sein - und was ist Machtmissbrauch?"

Auch in Kunst und Kultur herrscht eine stillschweigende Männerquote um 80%, wie Studien zeigen. Obwohl im Filmbereich ebenso viele Frauen studieren, arbeitet hinterher nur ein Bruchteil im erlernten Beruf. Frauen verschwinden ab 30 vom Fernsehschirm, am 25 von der Kinoleinwand. Doch wenn ihre Geschichten nicht erzählt werden, gibt es auch keine Vorbilder für andere Lebensmodelle. Dagegen engagiert sich die Initiative ProQuote Film. "Das ist ein Kampf für unsere Töchter", sagt die Schauspielerin Jasmin Tabatabai, "und auch für die Frauen in anderen Ländern", wo Frauen noch stärker in ihren Rechten beschnitten werden.

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Schauspielerin Jasmin Tabatabai
Weltweit wird derzeit um Abtreibung und das Bestimmungsrecht über den eigenen Körper diskutiert. In Deutschland stehen Ärztinnen und Ärzte vor Gericht, weil sie im Internet angeben, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Es gibt jedoch für Frauen keine neutralen Informationsangebote - und an vielen Orten bereits keine Ärzte mehr, die Abbrüche durchführen, obwohl dies gesetzlich erlaubt ist. Wir begleiten die Frauenärztin Kristina Hänel, deren Fall Rechtsgeschichte schreiben wird.

Frauenrechte sind ein Gradmesser für Demokratie - und Frauenthemen sind Gesellschaftsthemen: Mitbestimmung, Lohngerechtigkeit, Pflege, Bildung und Erziehung.

Sendedaten
Samstag, 3. November 2018
21.45 Uhr
Film von Ilona Kalmbach und Sabine Jainski
Erstausstrahlung
Kultur-Archiv
Die Kulturdoku
Musik, Kunst, Literatur, Politik - die ganze Vielfalt von Kultur und ihrem Einfluss auf alle unsere Lebensbereiche zeigt 3sat in seinen Dokumentationen.
Interview
© zdfVideoPetra Volpe
Die Filmemacherin erzählt in ihrem Film "Die göttliche Ordnung" den Kampf fürs Frauenstimmrecht in der Schweiz in den 1970er Jahren
Infos und externe Links zum Thema
Ausstellung "Damenwahl - 100 Jahre Frauenwahlrecht" Historisches Museum Frankfurt a.M., bis 20.1.2019
Sufragetten-Kochbuch
Rezepte für gleiche Rechte
1915 warben englische Aktivistinnen mit einem Kochbuch um Geld und Gunst für das Frauenstimmrecht. Sie bewiesen: Wer abstimmt, kann trotzdem noch kochen. Das unkonventionelle Kochbuch wird nun neu aufgelegt.