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Hagen Rether ist kein Entertainer auf der Jagd nach Pointen, sein Kabarett ist kein Ablasshandel. Er appelliert an die Verantwortung des Einzelnen, die Welt dort zu verändern, wo man es kann.
Ganze Sendung ab 1. Oktober in der Mediathek

Hagen Rether: LIEBE (Update 2016)
Nach einer längeren Fernsehpause war Hagen Rether 2015 wieder einmal zu Gast beim 3satfestival. Am Ende der Aufzeichnung musste er feststellen: 45 Minuten reichen bei Weitem nicht aus, um all seine Gedanken zur Weltlage mitzuteilen. So kehrt er in diesem Jahr zurück ins Zelt auf dem Lerchenberg – schließlich ist die Welt im vergangenen Jahr nicht einfacher, sicherer oder gar besser geworden.
Unter der Oberfläche
Hagen Rether stellt sich der Gegenwart in all ihrer Komplexität. Mit scheinbar naiven Fragen, klugen Einwänden und mutigen Antworten bringt er ein wenig gedankliches Licht in eine recht finstere Welt: ein undurchsichtiges Geflecht aus politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten, ein kapitalistisches System, das sich füttert mit Spekulationen auf Kriege und Katastrophen, das mit Grundnahrungsmitteln zockt und dabei vorgibt, dem Wohle der Menschheit zu dienen.

Es ist eine ungerechte Welt, die Hagen Rether mit sanfter Stimme gnadenlos beschreibt: Er lässt Strippenzieher und Marionetten, Strohmänner und Sündenböcke aufziehen, enttarnt absichtsvolle Ablenkungsmanöver und ent-täuscht, um Erkenntnis zu wecken.

LIEBE und Enttäuschung
Als Hagen Rether vor rund zwanzig Jahren auf die Bühne ging, spielte er Klavierabende mit kurzen Moderationen. Nach und nach wuchs das Bedürfnis zu erzählen; die absurden Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft brennen ihm sichtbar auf der Seele. Ein Zyniker sei ein enttäuschter Idealist, sagt man. Für Hagen Rether scheint diese Beschreibung perfekt zu passen.

LIEBE heißt sein ständig aktualisiertes Programm seit vielen Jahren – im Programm findet man sie nur versteckt: als Sehnsucht, als Möglichkeit zur Umkehr noch am Abgrund. Unübersehbar noch immer die Menschenliebe des Künstlers, der allzu gern von einer besseren Welt träumen würde, aber kaum noch dran glauben mag.

Oberflächliches Gutmenschentum lässt Hagen Rether nicht durchgehen. Sein Kabarett ist kein Ablasshandel. Es sind Abende voller Erkenntnisgewinn und Aufklärung im besten Sinne, die lange nachwirken. Man kann mit Hagen Rether lachen oder weinen oder beides zugleich – vergessen wird man ihn nicht.

Künstlerprofil


Sendedaten
16.07.2017, 21 Uhr

Aufzeichnung vom 22.09.2016 aus dem 3sat-Zelt
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