Pharmahändler Peter J. prüft die Qualität einer Medikamentenlieferung.
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Die Wahrheit und ihr Preis
Whistleblower packen aus
Whistleblower – für die einen sind sie die Helden unserer Zeit, für andere Nestbeschmutzer und Verräter. Nur selten bricht ein Insider sein Schweigen.
Die "37°"-Dokumentation erzählt die Geschichte zweier Whistleblower aus der Pharmabranche. Es geht um gepanschte Medikamente. Die Enthüllungen aber fordern ihren Tribut: Das Leben der beiden Männer verändert sich völlig.

"Man ist derjenige, der das Nest beschmutzt hat, und dem gibt keiner mehr eine Chance", sagt einer der Whistleblower, der das leidvoll an der eigenen Haut erfahren musste und noch immer um seine wirtschaftliche Existenz kämpfen muss. Der promovierte Mikrobiologe ist derjenige, der mit seinen Enthüllungen aufdeckte, dass die europäische Vertriebskette für Arzneimittel längst nicht so sicher ist, wie offiziell behauptet wird. Auch in Deutschland.

Der andere Whistleblower, der in "37°" über seine Erfahrungen in der Pharmabranche berichtet, hat mit seinen Berechnungen illegale Machenschaften in Millionenhöhe und mangelnde Kontrollen im Arzneimittelbereich öffentlich angeprangert. Derzeit erlebt er, was es für das eigene Leben und das der Familie bedeutet, sein Schweigen zu brechen.

Für beide Whistleblower war es nach eigenem Bekunden eine Gewissensentscheidung. Beide haben mit sich gerungen und haben schließlich gehandelt. Beide konnten es nicht länger mit ihrem Gewissen vereinbaren, zu schweigen - während schwerkranke Patienten Gefahr liefen, mit minderwertigen, gepanschten, gefälschten Medikamenten behandelt zu werden. Darum stellten sie Strafanzeige und gingen an die Öffentlichkeit.

Doch die Folgen für das eigene Schicksal sind weitreichend. Für den Whistleblower, der die Schwachstellen in der Arzneimittelvertriebskette aufdeckte, trat mit seiner Entscheidung der "worst case" ein. Zunächst wurde er als Wichtigtuer abgetan, dann als Teil des Systems als betrogener Betrüger selbst kriminalisiert. Bis heute kämpft der Mikrobiologe um die Wiederherstellung seines ehemals guten Rufs, und er hat, von einigen früheren Geschäftspartnern in die Insolvenz getrieben, seine Firma und sein Haus verloren.

Der andere Whistleblower hat sich seit seiner Entlassung bei mehreren Betrieben beworben. Bislang hat ihn keiner eingestellt. Auch er sagt heute: "In Deutschland ist man nur der Verräter. Der, der das Nest beschmutzt hat."

Sendedaten
Montag, 8. Januar 2018, 0.00 Uhr
(Nacht Mo/Di)
Information zur Sendung
Länge: 30 Minuten
Dokumentationsreihe, Deutschland
ZDFmediathek
Film von Daniel Harrich
(Erstsendung: 24.10.2017)