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Elvis lebt!
Wie der erste Superstar die USA veränderte
Elvis Presley soll 1977 überraschend im Alter von 42 Jahren gestorben sein? Nicht nur Eingeweihte wissen, dass diese offizielle Version eine von vielen ist: Denn Elvis lebt!
Bereits am Tag nach seinem Tod im August 1977 wollte jemand Elvis Presley am Flughafen in Memphis gesehen haben, wo er unter falschem Namen ein Ticket nach Buenos Aires löste. Und im Sommer 1988 meldete die dubiose Boulevardzeitung "Weekly World News" in ihrer Titelstory: "I've seen Elvis in the flesh!" ("Ich habe Elvis leibhaftig gesehen!"). Eine Hausfrau habe ihn beim Essen in einem Fastfood-Restaurant beobachtet und gab in der Zeitung bereitwillig Auskunft über seinen großen Appetit. Seitdem haben viele Amerikaner bezeugt: "Elvis lebt!" Wer daran zweifelt, sollte einmal das Stichwort "Elvis Sighting" bei Youtube eingeben.

Der unkaputtbare Elvis Presley - Running Gag der Popgeschichte
In dem Sarg, der im Garten von Elvis' Anwesen Graceland in Memphis liegt, soll nach vermeintlich informierten Kreisen nicht Elvis Aaron Presley liegen, sondern ein übergewichtiger Fremder. Der Grund: Weil sich Elvis mit der Mafia anlegte, fingierte der "King of Rock 'n' Roll" zusammen mit dem FBI seinen Tod. Seitdem lebt er in einem Zeugenschutzprogramm und feiert am 8. Januar 2017 seinen 82. Geburtstag.

Diese und andere Theorien über den erfolgreichsten Solokünstler aller Zeiten sind in die Popkultur eingegangen; Wahrheit und Erfindung zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen. Was mit dem King nach seinem Tod geschah, ist vor ihm keinem anderen Vertreter des Musikbusiness widerfahren: Elvis' Leben und sein Tod sind Phänomene, die zwischen Erhabenheit und Lächerlichkeit schwanken.


Erfolgreichster Solokünstler aller Zeiten
© dpa Rock 'n' Roll-Idol Elvis Presley in Begleitung einer unbekannten Schönen (aufgenommen 1974)
Rock 'n' Roll-Idol Elvis Presley in Begleitung einer unbekannten Schönen (aufgenommen 1974)
Elvis' Ende, das hören seine Fans nicht gerne, soll kein schönes gewesen sein. Vielleicht hatte der Erfolg ihn aufgezehrt, so wie Prince, Michael Jackson, Amy Winehouse und viele andere Musiker. Elvis soll ein körperliches Wrack gewesen sein, das behauptet unter anderem sein Leibarzt George Nichopoulos, der Elvis, übergewichtig und fast erblindet, unzählige Psychopharmaka verschrieb: über 10.000 Medikamente sollen es im Todesjahr gewesen sein. Hartnäckig halten sich Gerüchte, Elvis sei drogenabhängig gewesen. In dem Totenschein des damals 42-Jährigen steht letztlich Herzversagen, doch sein Arzt will einen Darmverschluss als Todesursache diagnostiziert haben. Wie dem auch sei, im Herzen seiner Fans und mit seiner Musik hat Elvis den Tod sicherlich überwunden. Elvis lebt! Und er ist nicht nur in die Musikgeschichte eingegangen, er hat die USA auch dauerhaft zum Besseren verändert - keine schlechte Bilanz für einen Musiker.

Die Befreiung von der Verklemmtheit der 50er-Jahre
© dpa Wie viel Elvis darf's denn sein? Treffen von Elvis-Imitatoren
Wie viel Elvis darf's denn sein? Treffen von Elvis-Imitatoren
Geboren wurde der "King" am 8. Januar 1935 in einfachsten Verhältnissen als Sohn eines Fabrikarbeiters. Früh sang er und spielte Gitarre. Der amerikanische Süden prägte ihn nachhaltig und war ein Teil seines Erfolges. Die für die Südstaaten typische Mischung aus weißem Country, Rhythm, Blues und schwarzem Gospel, den Elvis bei Gottesdiensten erlebt hatte, wurde zu seinem Markenzeichen. Anfangs war er damit nicht besonders erfolgreich, tingelte durch Einkaufzentren und Autohäuser. Weißen war seine Musik zu Blues-lastig, Schwarzen zu Country-betont. 1954 war die Zeit dann reif für Elvis Presley, denn die Jugend schien sehnsüchtig auf einen Star zu warten, der für einen neuen Sound, neue Gesten, neue Kleidung, einen neuen Lebensstil stand - und sich anders gab als die ansonsten steifen Interpreten der 50er-Jahre. Sein lasziver Hüftschwung (1956 wurde ihm unter Androhung einer Haftstrafe verboten, den Unterkörper bei seinen Auftritten zu bewegen), seine Betonung des Sexuellen und seine theatrale Bühnenshow wurden zum Vorbild für nachkommende Generationen.

Elvis machte Rock 'n' Roll zum vorherrschenden Musikgenre
© dpa Das Grab von Elvis Presley (2. von links) im Garten seines Anwesens in Graceland, Memphis
Das Grab von Elvis Presley (2. von links) im Garten seines Anwesens in Graceland, Memphis
Die Geschichte von Elvis' Aufstieg kann nicht ohne die Geschichte der Rassentrennung in den USA erzählt werden. Farbige mussten in Bussen, Restaurants und im Kino in vielen Bundesstaaten auf anderen Plätzen sitzen als Weiße. In 17 Staaten war es schwarzen Kindern Anfang der 50er-Jahre verboten, auf die gleichen Schulen wie weiße Kinder zu gehen. Erst im Jahr 1954, also im Jahr der ersten Single von Elvis, wurde die Rassentrennung für verfassungswidrig erklärt. Dennoch mussten die ersten Schwarzen nach diesem Urteil unter Polizeischutz in die vormals weißen Schulen gebracht werden. So tief saß der Rassismus.

Unabhängig von der Hautfarbe begeisterten sich in dieser Zeit viele Jugendliche für Rhythm und Blues, damals auch abfällig "Race-Music" genannt. Über die Hälfte der Plattenkäufer dieser Musik war weiß. Der Produzent Sam Phillips, der vor allem schwarze Künstler unter Vertrag hatte, suchte lange Zeit nach einem Weißen, der den Sound und das Feeling eines Schwarzen besaß. Er förderte den jungen Elvis, der sich zuvor noch als LKW-Fahrer verdingte. Elvis' musikalische Mischung schlug wie eine Bombe ein. Sein Titel "Hound Dog" konnte sich erstmals in der Musikgeschichte sowohl in den amerikanischen Pop-, den Rhythm-and-Blues-, sowie den Country-Musik-Charts als Nummer eins platzieren. Presley hatte einen großen Anteil daran, den Rock 'n' Roll zum vorherrschenden Musikgenre in den USA zu machen. Doch die Konservativen sahen darin eine enorme Bedrohung: "Rock 'n' Roll ist eine ansteckende Krankheit, die von den Negern ausgeht; eine Musikform, die die kannibalischen Instinkte früherer Stammesentwicklung freisetzt", schrieb die heute liberale "New York Times" im März 1956.


Der unpolitische Rebell?
© dpa Elvis Presley mit US-Präsident Richard Nixon, 1970
Elvis Presley mit US-Präsident Richard Nixon, 1970
Elvis war alles andere als ein gesellschaftskritischer Musiker. Journalistenfragen zu seiner politischen Haltung beantwortete er nie. Doch er war ein Rebell und in seinen Anfangsjahren ein Revolutionär, der ein Gemisch zur Explosion brachte, das lange durch die Gassen der Großstädte gewabert war. Amerikanische Historiker bewerten die Rolle der Musik bei der Überwindung der Rassentrennung als wesentlich: "Elvis Presley war dazu auserkoren, die Minderheitenkultur der Schwarzen in ein Massenphänomen zu transformieren, obwohl ihm selbst das zunächst kaum bewusst gewesen sein dürfte", schrieb der Musikjournalist Frank Junghänel treffend in der Berliner Zeitung.

"Elvis lebt!" ist damit nicht nur eine Floskel unter Elvis-Fans, die so ihre Treue zu ihrem Idol über dessen Tod hinaus ausdrücken, es ist vielleicht auch der Glaube an die Wirkung von Musik.


Sendungen zum Thema
Montag, 2. Januar 2017,

20.15 und 21.35 Uhr: Elvis - Spielfilm, USA 2005

23.00 Uhr: Der King lebt!

00.00 Uhr: Memphis, Tennessee - Eine Stadt verändert die Welt

Dokumentation
Der King lebt!
Montag, 2. Januar 2017, 23.00 Uhr