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Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 10. Mai, 20.15Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 10. Mai, 20.15Uhr)
Im Oktober 2008 protestieren Anleger in Düsseldorf vor Filialen der Geldinstitute, die in Zertifikate der insolventen US-Bank Lehman Brothers investiert haben.
Die Party der Banker geht weiter
Am 15. September 2008 meldeten die Agenturen die Pleite der US-Bank Lehman Brothers. Es war die größte Pleite eines Unternehmens, die die Welt je gesehen hat - und hatte fatale Folgen. Wie sieht es nach zehn Jahren aus?
2008 mussten weltweit Banken gerettet werden - durch das Geld der Steuerzahler. Das sollte sich nie mehr wiederholen. Sind die Banken heute unter Kontrolle? Was hat die Branche aus der Finanzkrise gelernt? Zehn Jahre danach begibt sich der Film auf Spurensuche.

Es gab genug Warnhinweise

New York 2018: "Es gab genug Warnhinweise, dass es zum Crash kommt. Doch die Gier war größer. Und auch jetzt lechzen die Anleger da drüben wieder nach mehr Rendite!", sagt Larry McDonald, ehemaliger Vize-Präsident bei der US-Bank Lehman Brothers.

Er sitzt im 50. Stock eines schicken Apartmenthauses am Hudson River. Von seinem Schreibtisch kann er bis zum Financial District der Wall Street schauen. Er beobachtet heute als Autor den Markt und schreibt Investment-Reports.


Nicht nur in den USA - Konsum auf Pump wächst weiter. © dpa Nicht nur in den USA - Konsum auf Pump wächst weiter.
Larry McDonald (l) - Ex Lehmann Banker – schreibt jetzt über die Banken.  © dpa Larry McDonald (l) - Ex Lehmann Banker – schreibt jetzt über die Banken.

Niedrigzinspolitik begünstigt riskante Geschäfte

Riskante Finanzgeschäfte gehören für Banker weiter zum Alltag. Private Schulden, billiges Geld und undurchsichtige Finanzprodukte - eine gefährliche Mischung, die in einem explosiven Umfeld aus Gier und Wahnsinn schon bald den nächsten Crash auslösen könnten.

Christoph Kaserer von der TU München erklärt diese Entwicklung so: "Die großen internationalen Banken haben - wie fast alle Banken - ihre Bilanzsummen kräftig ausgedehnt. Das heißt, wenn eine dieser großen Banken in eine Schieflage gerät, werden wir auch heute nicht drum herumkommen, dass es eine Rettung durch den Steuerzahler gibt."

Die Autoren stoßen immer wieder auf deutliche Indizien, dass die Finanzkrise keineswegs vorbei ist. Im Gegenteil: 2018 gibt es erstaunliche Parallelen zu der Zeit kurz vor dem Mega-Crash.


Sendedaten
Freitag, 10. Mai 2019, 20.15 Uhr

Die Party der Banker geht weiter

Ein Film von Thomas G. Becker
Deutschland 2018

Hintergrund
© dpaEs war einer der größten Konkursfälle der US-Geschichte: die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008. Doch eigentlich war sie nur der Höhepunkt einer Finanzkrise, die sich über viele Jahre angebahnt hatte.

Der hauptsächliche Krisenauslöser war der überhitzte US-Immobilienmarkt: Die Preise für Eigenheime stiegen in den Nullerjahren kräftig an. Die Banker, auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, setzten mit billigen Krediten eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang.

Riskante Zertifikate

Schon 2001 begannen sie, Hypotheken an US-Bürger zu vergeben, die nach klassischen Bonitätsstandards keine bekommen hätten. Das Risiko war den Bankern egal. Statt wie früher das Darlehen selbst in ihre Bilanzen zu nehmen, bündelten sie die Hypotheken und verkauften Zertifikate darauf an Investoren, die später berüchtigten Subprime Mortgage Backed Securities. Nicht mehr die Bank, sondern die Investoren hielten nun das Ausfallrisiko.

Die Krise löste in vielen Industriestaaten eine tiefe Rezession aus und war letztlich auch mitverantwortlich für die Eurokrise. Die Folgen sind bis heute spürbar, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch. Die versprochenen Reformen des Finanzmarktes, damit so etwas nicht noch mal vorkommt, sind bis heute nur zum Teil umgesetzt.

Dokumentation am Freitag
Pässe für Kriminelle
Der Fingerabdruck, die Iris oder die eigene Stimme - auch der Staat nutzt diese sogenannten biometrischen Daten, um Pässe und Personalausweise noch besser zu schützen. Doch Cyberkriminelle haben die Datenbanken längst im Visier ...