Kultur

"Kulturzeit" vom 07.11.2023: Von Stalins Terror zu Putins Propaganda

Die Themen der Sendung: Aufklärung über Stalin, Israel und der Kulturbetrieb - Gespräch mit Anna Narinskaya, das Restaurant "Kanaan", Yevgeniy Breyger und Joni Mitchell zum 80. Geburtstag.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2023
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 07.11.2024

Die Themen der Sendung:

Aufklären über Stalin

Der russische Wissenschaftler Sergej Prudowskij forscht in den KGB-Archiven in Georgien zu Stalins Repressionen. 14 Mal ist der Memorial-Historiker Prudowskij gegen den russischen Staat vor Gericht gezogen und hat stets verloren. Vergeblich kämpft der Moskauer um die Einsicht in immer noch geheim gehaltene Akten zum Terror Stalins. Putins Propaganda blendet die blutigen Repressionen in der Sowjetzeit aus und baut dagegen auf dem Mythos der "großen Siege Stalins" im Zweiten Weltkrieg. "Die Jahrzehnte andauernde künstliche Kriegs- und Patriotismus-Hysterie ist die Grundlage für den Überfall auf die Ukraine 2022 gewesen", so Prudowskij. Trotz der Zerschlagung der Menschenrechtsorganisation Memorial setzt der Russe seine Aufarbeitungs- und Aufklärungsmission im Exil fort, um dem Diktator Putin die ideologische Grundlage für seinen Krieg zu entziehen. Begleitet wird der Moskauer vom Memorial-Chef Jan Ratschinskij.

Judenfeindlichkeit in der Sowjetunion und heute - Gespräch mit Anna Narinskaya

Den Sowjet-Terror haben auch Jüdinnen und Juden zu spüren bekommen. Denn schon acht Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verbreitete Stalins Regime antijüdische Stimmung. Zum Beispiel behauptete Stalins Propaganda 1953, ein angebliches Komplott jüdischer Ärzte vereitelt zu haben. Es ging um jüdische Ärzte, die angeblich die Sowjetführung hätten ausschalten wollen. Die Mediziner wurden verhaftet, sollten für schuldig befunden und zum Tode verurteilt werden. Doch dann starb Stalin unerwartet. Die Ärzte wurden freigesprochen. Doch die antisemitische Stimmung blieb, das Bild von den "Agenten des Zionismus" hielt sich lange. Die russische Autorin, Kuratorin und Filmemacherin Anna Narinskaya hat sich mit dem Antisemitismus in der Sowjetunion in ihrem Dokumentarfilm "Find the Jew" beschäftigt.

Im Spiegel schreibt sie nun: "Wenn ich heute in Künstlerkreisen über den Nahostkonflikt spreche, fühle ich mich oft in die Sowjetunion zurückversetzt. Dort galt Israel als Kriegstreiber – und wir Juden bekamen das zu spüren." Wir sprechen mit der Autorin.

Make Hummus - Not War

Oz Ben David und Jalil Dabit betreiben seit einigen Jahren das Restaurant "Kanaan" in Berlin Prenzlauer Berg. Oz Ben David ist jüdischer Israeli, Jalil Dabit ein israelischer Palästinenser aus Ramallah. In ihrem Restaurant wollen sie zeigen, wie Toleranz und Verständigung ganz praktisch funktionieren. Seit drei Jahren haben die beiden an einem Kochbuch gearbeitet, das diese Woche endlich vorgestellt werden sollte. Dann ermordete die Hamas hunderte Zivilisten in Israel und nichts war mehr wie vorher. Jetzt haben sich die "Kanaan"-Macher entschieden, an ihrem Plan festzuhalten. Gerade angesichts der Eskalation der Gewalt in Israel und auch auf den Straßen Berlins soll ihre Botschaft gehört werden.

Lyriker Yevgeniy Breyger

Die Vergangenheit im Blick zu haben, das fordert der Lyriker Yevgeniy Breyger. Der gebürtige Ukrainer sagt: Die Herausforderungen von heute haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit und er weiß, wovon er spricht. Breyger ist als Kind nach Deutschland emigriert, gemeinsam mit seiner jüdischen Familie. Was seine Vorfahren unter Adolf Hitler und Josef Stalin erlebt haben, das fließt auch in seinen ersten Roman ein, an dem er gerade arbeitet. Vor kurzem ist er nach Wien gezogen. Für seinen Gedichtband "Frieden ohne Krieg" hat Breyger den Christine-Lavant-Preis erhalten.

Joni Mitchell zum 80. Geburtstag

Joni Mitchell, ursprünglich Roberta Joan Anderson, wurde am 7. November 1943 in Fort Macleod in der kanadischen Provinz Alberta als Tochter einer Lehrerin und eines Lebensmittelhändlers geboren. In ihrer Heimat studierte sie zunächst kommerzielle Kunst, bevor sie 1964 nach Toronto zog. Die junge Joni trat in lokalen Folk-Clubs und Kaffeehäusern auf. Und sie lernte einen Mann kennen - doch ihre Ehe mit dem Folksänger Chuck Mitchell hielt nicht lange. Mitchell zog dann nach New York City. Hier veröffentlichte sie Ende der 1960er ihr Debütalbum "Songs to a Seagull". Dieses von David Crosby produzierte Konzeptalbum wurde zwar für die Reife seiner Texte gefeiert - der ganz große Durchbruch blieb aber aus. 1969 spielte Mitchell dann erstmals auf dem Newport Festival in Rhode Island. Das Magazin "Cash Box" notierte damals: "Sie ist auf dem Weg, ein Star zu werden".

Anfang der 1970er Jahre begann Mitchell, mit Pop, Rock und Jazz zu experimentieren, was in "Court and Spark" (1974) gipfelte, ihrem meistverkauften Album. Als experimentelle Singer-Songwriterin erlebte sie in dieser Zeit ihre größte Popularität. Mitchell wurde auch als "Yang zu Bob Dylans Yin" beschrieben und bis heute wird ihr eine Leitfunktion für die "Generation Woodstock" zugeschrieben. Denn Mitchell machte Popmusik zur Kunstform. Berühmt machten sie dabei nicht nur Hits wie "Big Yellow Taxi" und "Woodstock", sondern sie gilt auch als anspruchsvolle Konzeptkünstlerin mit komplexen Alben.

Ende der 1970er zog Mitchell sich ein Stück weit aus der Popwelt zurück und wandte sich dem Jazz und später auch mehr der Malerei zu. Einen Platz in der Geschichte hat sie - aufgenommen in die Rock & Roll Hall of Fame und mit einem Grammy für ihr Lebenswerk versehen - ohnehin sicher. Jetzt feiert die Sängerin ihren 80. Geburtstag.

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