Kultur
Sturzflut in Nepal: das Ende der Gletscher
Die Themen der "Kulturzeit" vom 27.08.2026: Sturzflut im Himalaya, Gletscher - Gespräch mit Daniel Schwartz, Geschichte der Kühlung, Doku "Cage Wolves", Fotograf Andri Pol, zum Tod von Yayoi Kusama.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Verfügbar in
- D / CH / A
- Verfügbar bis:
- bis 27.09.2026
Die Themen der Sendung:
Nach der Sturzflut in Nepal
Erst langsam wird nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet das Ausmaß der Katastrophe klar. Mindestens 359 Menschen sind allein auf nepalesischer Seite ums Leben gekommen, mehr als 1300 Menschen werden insgesamt vermisst - darunter zahlreiche Ausländer. Wo sonst Pilger und Trekking-Touristen durch die Täler des Himalayas ziehen, suchen Rettungskräfte unermüdlich in gewaltigen Schlammmassen nach Überlebenden. Am 26. August hatte eine Sturzflut in Sekundenschnelle Brücken fortgerissen, Straßen verschüttet und Häuser beschädigt. Dramatische Videoaufnahmen zeigten, wie eine riesige braune Wand aus Wasser, Geröll und Schlamm auf Häuser zu fegt, während Menschen panisch versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.
Was die Flutwelle ausgelöst hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Erste Analysen deuten auf einen Gletscherabbruch oder eine Gletscherlawine hin. Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde könnte ein Abbruch von Eis und Felsen zunächst einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben. Dadurch könnte sich vorübergehend ein See gebildet haben. Als die natürliche Barriere brach, ergossen sich vermutlich enorme Mengen Wasser, Eis und Geröll flussabwärts.
Die Gletscher als Metapher für eine geschundene Welt? - Gespräch mit Daniel Schwartz
Seit den späten 1970er-Jahren ist der Gletscherchronist Daniel Schwartz auf der ganzen Welt unterwegs und fotografiert Eisströme, bevor sie verschwinden. In seinem Buch "Unterwegs zu den Gletschern der Welt" nähert er sich den Gletschern literarisch. Wir sprechen mit dem Fotografen über die aktuelle Katastrophe im Himalaya.
Eine Geschichte der Kühlung
In diesem Sommer scheint die Welt zu brennen, sind die Flüsse am Austrocknen, die Berge am Bröckeln. Seit Beginn des Sommers suchen die Menschen Europas nach Kühlung. In den Märkten sind die Klimaanlagen und Ventilatoren längst ausverkauft. Doch in der Kühlung liegt ein Paradox. Je mehr wir kühlen, desto wärmer wird der Planet, wir heizen ihn durch unseren Energieverbrauch auf. Jan Eike Dunkhase, Autor aus Berlin, hat das Buch zur Stunde geschrieben: "Kühle neue Welt" entwirft eine Geschichte der Moderne, geht in einer Kulturgeschichte der Technologie der Kühlung nach und stellt die Frage wie wir in diesen Teufelskreis aus Kühle und Hitze gerieten.
Premiere der Doku "Cage Wolves" in Wien
Das "Cage Wolves" ist ein Kampfsportzentrum im Keller eines unscheinbaren Industriegebäudes in Wien-Floridsdorf. Dort trainieren viele junge Männern mit Migrationsgeschichte und aus schwierigen Familienverhältnissen, manche von ihnen sind auch für extremistische Ideen empfänglich. Im "Cage Wolves" haben sie mehr als nur einen Sport gefunden – das Kampfsportzentrum bietet ihnen Gemeinschaft, Disziplin und Perspektive. Ein Ort, der sie vor dem Abgleiten in die Kriminalität bewahren kann? Betreiber Georg Schober ist überzeugt, das Rezept gegen jugendliche Perspektivenlosigkeit in der Hand zu haben. Doch hier haben auch die Mörder der 13-jährigen Leonie trainiert, die 2021 in Wien getötet wurde. Nur kurz, sagt Schober, er habe sie schnell wieder rausgeschmissen. "Man sieht, wenn etwas nicht passt." Doch nach einer Polizeirazzia beanstandeten die Behörden bauliche Mängel. Ein Umbau ist nicht leistbar. Was aus den Jugendlichen wird, bleibt unklar. Die Regisseure Moritz Wehr, Michael Suntinger und Philipp Wohltmann erzählen in ihrer Doku ungeschönt und nah von Menschen am Rande der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Am 27. August feiert der Film in Wien Premiere.
Zum Tod von Yayoi Kusama
Wiederkehrende Motive, am häufigsten Punkte, waren ihr Markenzeichen: Auf Yayoi Kusamas Leinwänden finden sie sich in verschiedenen Formen, die an Netze, Wirbel oder Würmer erinnerten, oder erschienen in ihren Installationen als glitzernde Kugeln und Lichtpunkte. Am 14. August ist die japanische Künstlerin im Alter von 97 Jahren in einem Krankenhaus in Tokio gestorben. "Sie malte bis zu ihren letzten Tagen weiter, legte ihren Pinsel nie aus der Hand und setzte ihre Suche nach ewiger Liebe und einer unsterblichen Seele fort", hieß es in der Mitteilung des Yayoi Kusama Studios. Kusama war eine der angesehensten zeitgenössischen Künstlerinnen Japans. Ihre Werke wurden weltweit ausgestellt, unter anderem im Museum of Modern Art und im Whitney Museum of American Art in New York. Im Museum Ludwig in Köln endete Anfang August eine Retrospektive zum Werk der Künstlerin. Die Ausstellung zog mehr als 450.000 Besucher an und brach damit alle Rekorde des Museums. Ab dem 11. September ist die Schau in Amsterdam zu sehen.
Fotograf Andri Pol
Andri Pols Fotos prägen das Bild der Schweiz. Jetzt hängen die Werke des berühmten Schweizer Fotografen im Museum. Pol fotografierte in der ganzen Welt: Einen Parkwächter in Utah, einen Dammbau in Bangladesch, einen Sumoringer, der sich auf einen Kampf vorbereitet. Und immer wieder fotografierte er die Schweiz. Es sind neugierige Beobachtungen in einer Welt, in der man meint, nichts könne einen mehr überraschen. Hinschauen und die Pointen entdecken - das kann man aktuell in der Fotostiftung in Winterthur. Die Schweizer Institution fürs fotografische Erbe des Landes zeigt aktuell Pols Werk in einer Retrospektive.