Eine Frau, sommerlich gekleidet mit Strohhut, Top und weitem Leinenrock, steht mit ausgebreiteten Armen vor einem Bergpanorama.

Kultur

Single & glücklich - neuer Trend bei Frauen?

Die Themen der "Kulturzeit" vom 01.07.2026: Single und glücklich, Hijab und Feministin? Gespräch mit Nur El-Huda Chehade, 30 Jahre Schweizer Gleichstellungsgesetz, Hans Werner Henze, Angela Merkel.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
01.07.2026
19:21 - 20:00 Uhr

Die Themen der Sendung:

Single und glücklich - der neue Trend bei Frauen?

Von "Sex and the City" bis Bridget Jones: Über Jahrzehnte war die popkulturelle Erzählung klar. Selbstbestimmte Frauen mochten zwar unabhängig und erfolgreich sein, doch am Ende kreiste vieles um die Suche nach dem richtigen Mann. Singlesein war oft nur eine Übergangsphase, die große Liebe das eigentliche Ziel. Heute lässt sich auf Instagram und TikTok jedoch beobachten, dass Partner in der sozialmedialen Selbstinszenierung vieler Frauen zunehmend verschwinden. Stattdessen dominieren "Freundinnenschaften", Solo-Reisen und Selbstoptimierung. Als vor einigen Monaten ein Artikel der britischen "Vogue" diese Entwicklung aufgriff, war die Resonanz groß. Offenbar traf die provokante These einen Nerv: Eine Partnerschaft garantiert jungen Frauen längst keinen Statusgewinn mehr – womöglich droht inzwischen sogar ein Coolnessverlust. Die Psychologin Iris Wahring verweist auf eine Verschiebung der Bedürfnisse: Studien zeigten, dass Männer emotional und gesundheitlich stärker von Beziehungen profitieren als Frauen. Frauen seien nach Trennungen oft zufriedener und blieben häufiger freiwillig Single.

Hijab und Feministin? Gespräch mit Nur El-Huda Chehade

Die Influencerin Nur El-Huda Chehade spricht über feministische Themen und trägt einen Hijab. Auf Social Media folgen ihr Hunderttausende. Als sie das Kopftuch öffentlich ablegt, verbreitet sich das Video millionenfach. Neben viel Zuspruch erhielt sie jedoch auch Hasskommentare und Morddrohungen. Am Kopftuch zeigt sich seit Jahrzehnten, wie unterschiedlich Freiheit, Religion und Selbstbestimmung verstanden werden. Für die einen ist es Ausdruck religiöser Identität und persönlicher Freiheit, für die anderen ein Symbol patriarchaler Unterdrückung. Kaum ein Thema wird so emotional und kontrovers diskutiert. Wir sprechen mit Nur El-Huda Chehade über das Verhältnis von Hijab und Feminismus.

30 Jahre Gleichstellungsgesetz in der Schweiz

Am 1. Juli 2026 wird das Schweizer Gleichstellungsgesetz 30 Jahre alt. Es sollte Diskriminierung im Erwerbsleben bekämpfen, Lohngleichheit stärken und Frauen rechtlich besser schützen, auch vor sexueller Gewalt. Ein Meilenstein – zumindest auf dem Papier. Aber was hat sich seither wirklich verändert? Und was wirkt vom feministischen Aufbruch der 1970er- und 80er-Jahre bis heute nach? Zwei Künstlerinnen aus unterschiedlichen Generationen geben Antworten: Manon, eine der prägenden feministischen Stimmen der Schweizer Kunst, und Ernestyna Orlowska, deren künstlerische Arbeiten Körper, Arbeit und gesellschaftliche Rollenbilder neu befragen.

Hans Werner Henze zum 100. Geburtstag

Hans Werner Henze zählt zu den bedeutendsten und meistgespielten zeitgenössischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, stark geprägt von seiner Jugend. Geboren in Gütersloh, stand er im Konflikt mit dem Vater, der NSDAP-Mitglied war und der ihn wegen seiner Homosexualität verurteilte. Als 17jähriger wurde Henze eingezogen, musste das Musikstudium abbrechen. Es war eine Zeit, in der das NS-Regime bestimmte, was gehört werden darf.

1953 verließ Henze das konservative Deutschland und ging nach Italien. Künstlerpersönlichkeiten begleiteten sein Schaffen, wie die eng befreundete Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Ein politischer Gefährte war Rudi Dutschke. Henzes linke Überzeugung prägte sein Schaffen, insbesondere die politische Werkphase. Die Anti-Kriegsoper "Wir erreichen den Fluss" entstand unter dem Eindruck des Vietnam-Kriegs in den 1970er Jahren. Ein General wendet sich vom Militär ab, erkennt die Gräuel der Gewalt und das Leid der Opfer.

Sein Leben lang hat Henze mit seiner Kunst nach der Verantwortung des Einzelnen gefragt. Auch mit der 9. Sinfonie, die auf Anna Seghers "Das siebtes Kreuz" basiert und 1997 von Ingo Metzmacher uraufgeführt wurde. In dem Werk über die Flucht von Häftlingen aus dem KZ setzte sich Henze mit seinen Erlebnissen als Soldat und mit dem Faschismus auseinander.

Angela Merkel-Porträt für Kanzlergalerie enthüllt

Mit entschlossenem, aber auch nachdenklichem Blick und leuchtend blauem Blazer vor goldbraunem Hintergrund hat sich Angela Merkel für die Porträt-Galerie im Kanzleramt malen lassen. Das Gemälde des deutsch-französischen Künstlers Jérémie Queyras wurde am 30. Juni im Berliner Bode-Museum in Anwesenheit der früheren Kanzlerin enthüllt. Im Oktober soll es Regierungschef Friedrich Merz für das Kanzleramt übergeben werden - aber nur als Leihgabe. Bis dann soll es auf der Berliner Museumsinsel nur wenige Meter von ihrer Wohnung einem breiten Publikum präsentiert werden. Die Ex-Kanzlerin hat sich sehr lange Zeit gelassen, bis sie sich 2025 für den heute erst 28-jährigen Künstler aus einer Freiburger Musikerfamilie entschied.

Ihr Ausscheiden aus dem Amt nach 16 Jahren liegt nun schon fast fünf Jahre zurück. "Ich brauchte Abstand", sagt Merkel bei der Enthüllung. Das Porträt sollte kein Punkt auf einer abzuarbeitenden To-Do-Liste werden, "sondern ich wollte Freude an einem solchen Vorgang haben". 

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