Stuhl, auf dem eine Eisenstange liegt, steht in dreckigem Kellerraum.

Kultur

Folter in russischen Gefängnissen

Die Themen der "Kulturzeit" vom 12.10.2026: Foltergefängnis in Cherson, Irina Scherbakowa zu ihrer Autobiografie, Philippe Sands, Goslaer Kaiserring für Gabriele Stötzer, Fink.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
12.10.2026
19:23 - 20:00 Uhr

Die Themen der Sendung:

Gefoltert im russischen Gefängnis

Der Ukrainer Pavlo Schmulewitsch wird im von Russland besetzten Gebiet verschleppt und verbringt 39 Tage im Gefängnis. Er erlebt Folter und sexuelle Gewalt. Russland hält Tausende ukrainische Zivilisten gefangen. So soll der Widerstand gebrochen werden.

Irina Scherbakowa: "Der Schlüssel würde noch passen"

Die Historikerin und Publizistin Irina Scherbakowa hat 1987 in Moskau die Menschenrechtsorganisation Memorial mitgegründet. Memorial wurde zu einem historischen Gewissen Russlands, hier bekamen die zahllosen Opfer des sowjetischen Gewaltsystems eine Stimme, hier wurde die Monströsität des Gulagsystems offenbart und an die zahllosen Menschenrechtsverletzungen erinnert. Ihres neuen Buch "Der Schlüssel würde noch passen. Moskauer Erinnerungen" ist ein Dokument der Hoffnung und des Scheiterns. Scherbakowa beschreibt die Zeit der Perestroika, des Aufbruchs, als es in den späten 80er Jahren schien, dass die Wahrhaftigkeit über die Lüge siegen könnte. Doch das war nur eine kurze trügerische Phase, die abgelöst wurde von einer chaotischen Zeit der wuchernden Kriminalität und der sich schamlos bereichernden Oligarchen. Und sie erzählt, wie Putin an die Macht kam und Russland zu einem autoritären Staat umbaute.

Memorial wurde 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, Irina Scherbakowa hatte zu diesem Zeitpunkt schon Russland verlassen. "Wir haben versucht, die Katastrophe mit der Schreibmaschine aufzuhalten" zitiert sie Erich Kästner. "Aber unsere Warnungen verklangen wie die Prophezeiungen der Kassandra, dazu verdammt, ungehört zu bleiben." Wir sprechen mit der Autorin.

Friedenspreisverleihung an Philippe Sands

Der französisch-britische Völkerrechtler und Autor Philippe Sands hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde dem 65-Jährigen in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Damit würdigte die Jury den Einsatz von Sands für Gerechtigkeit, Frieden und das Völkerrecht. Bei der Preisverleihung warf Sands Deutschland "unanständiges Schweigen" im Umgang mit Israel vor. Völkerrechtsverletzungen müssten klar benannt werden - gerade unter Freunden. "Es ist nicht antisemitisch. Es ist nicht Anti-Israel. Es ist die Wahrheit", sagte der französisch-britische Jurist, Autor und Nachfahre von Holocaustüberlebenden in seiner Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche.

Goslaer Kaiserrig an Gabriele Stötzer

Die Künstlerin und Schriftstellerin Gabriele Stötzer ist als erste Frau aus der ehemaligen DDR am 10. Oktober 2026 mit dem Kaiserring der Stadt Goslar ausgezeichnet worden. "Sie ist eine Künstlerin, die auf eindrucksvolle Weise zeigt, wie Kunst zu einem Ausdruck von Freiheit, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Verantwortung werden kann", sagte Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner (SPD) bei der Verleihung in der Kaiserpfalz. Der Goslarer Kaiserring gilt als weltweit renommierte Auszeichnung für moderne Kunst und wird seit 1975 jährlich verliehen. Stötzer, die in Erfurt lebt, prägte bereits in den frühen 1980er Jahren die unabhängige Kunst- und Frauenbewegung der DDR. Als Künstlerin wirkt Stötzer (Jahrgang 1953) auf den Gebieten Fotografie, Super-8-Film, Grafik und Weberei.

Die Künstlerin habe sich früh mit Machtverhältnissen, insbesondere jene, die in der Zeit der DDR vorherrschten, Rollenbildern und gesellschaftlichen Grenzen auseinandergesetzt, sagte Laudatorin Florence Thurmes, die Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz. In einem Glückwunschschreiben bezeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Angaben der Stadt zufolge das Werk der Künstlerin als eine herausragende Position der Gegenwartskunst und wichtiges Zeugnis deutscher Zeitgeschichte.

Die Zukunft klingt analog - Fink mit neuem Album auf Tour

Fink hat früher vor allem für andere Songs geschrieben. Längst singt er seine Songs selbst. Er hat für sich einen Sound gefunden, der auf das Unaufdringliche, das Nachdenkliche setzt. Mit seinem neuem Album "The City Is Coming To Erase It All" ist Fink aktuell auf Europatour.

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