Ein junger Mann steht an der Reling eines Schiffes und schaut aufs offene Meer, das von einer tiefstehenden Sonne beleuchtet wird und schimmert.

Kultur

Seenotretter zwischen Idealismus und Anklage

Die Themen der "Kulturzeit" vom 30.06.2026: "23.000 Leben" - Gespräch mit Sascha Girke, Exil-Fotograf Fred Stein, Bildungsprojekt mit MP3-Player, Film "Etwas ganz Besonderes", "Die Walküre" in München.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
30.06.2026
19:20 - 20:00 Uhr

Die Themen der Sendung:

Film "23.000" Leben - Gespräch mit Sascha Girke

Erschüttert davon, wie viele Menschen auf ihrer Flucht nach Europa im Mittelmeer sterben, startet eine Gruppe Jugendlicher eine Crowdfunding-Kampagne, um Abhilfe zu schaffen. Ohne Erfahrung in der Seenotrettung kaufen sie mit dem gesammelten Geld ein altes Schiff, beginnen auf dem Mittelmeer in Seenot geratenen Menschen zu helfen und retten damit im Laufe der Zeit mehr als 23.000 Menschen das Leben. Doch im Zuge ihrer idealistischen Mission wird angesichts der Hindernisse, auf die sie dabei treffen, ihr Verständnis von Recht und Gerechtigkeit auf eine harte Probe gestellt.

Das Drama von Markus Goller wurde von realen Ereignissen um die Entstehung und Arbeit der Organisation "Jugend rettet" und ihr Schiff "Iuventa" inspiriert und ist prominent besetzt. Mit dabei sind zahlreiche bekannte Namen wie Mala Emde, Louis Hofmann, Frederick Lau, Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Franka Potente, Katja Riemann, Frank Plasberg und Herbert Knaup. Der Film ist ab dem 2. Juli in den deutschen Kinos und danach auf Netflix zu sehen. Wir sprechen mit Sascha Girke, Seenotretter und ehemaliger Head of Mission auf dem Rettungssschiff "Iuventa".

Exil-Fotograf Fred Stein

Hannah Arendt mit Zigarette, Thomas Mann am Schreibtisch, der lächelnde Einstein, Brecht im Profil. Diese Aufnahmen sind weltberühmt, ihr Fotograf ist weitgehend unbekannt: Fred Stein, Meister der Porträtfotografie. Seine Bilder sind ein wahres Who’s who des 20. Jahrhunderts. In der ersten Biografie über den aus Dresden stammenden jüdischen Fotografen Fred Stein zeichnet Historiker Daniel Siemens Leben und Leistungen des Manns hinter der Kamera nach.

1933 floh der jüdische Jurist mit Frau Lilo unter dem Vorwand einer Hochzeitsreise ins Exil: von Dresden nach Paris, später nach New York. Die gebrauchte Leica, die das Paar kaufte, war dabei erst der Anfang. In drei Jahrzehnten lichtete Stein mehr als 1000 Künstler, Politiker und Prominente ab. Seine Porträts und Straßenszenen erzählen von Würde, Menschlichkeit, politischen Kämpfen – und einer Welt, die dem Exilanten selbst oft versagt blieb. Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig und das Deutsche Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek würdigen den Fotografen Fred Stein mit zwei Ausstellungen und einem begleitenden Veranstaltungsprogramm im Rahmen des Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen.

Das Projekt "Bildung ohne Bücher" von Sadaf Zahedi

Sie selbst hat über Bücher, die ihr andere Welten zeigten, ihren Weg gefunden. Und eben das möchte sie jetzt anderen ermöglichen: Sadaf Zahedi. Geboren in Afghanistan, aufgewachsen in Bremen, in einer Familie, in der Kontrolle und Gewalt den Alltag prägten, kämpft sie sich davon frei in ein selbstbestimmtes Leben. Jetzt möchte sie ihre Erfahrungen weitergeben. Vor Ort in Afghanistan, aber nicht nur da: mit ihrem Projekt "Bildung ohne Bücher". Dabei werden Lerninhalte und Geschichten auf einen solarbetriebenen MP3-Player gesprochen – für Kinder ohne Zugang zu Schule und Bildung. Es geht nicht nur um reine Wissensvermittlung, sondern auch um menschliche Werte. Jetzt hat Sadaf Zahedi die ersten 400 Geräte in Afghanistan verteilt.

Neu im Kino: "Etwas ganz Besonderes"

Lea träumt von einer Karriere als Sängerin und meldet sich bei einer Casting-Show an. Der Redakteur fragt: "Wer bist Du und was macht Dich aus?" Der Film "Etwas ganz Besonders" begleitet das Mädchen bei seiner Suche nach einer Antwort und liefert zugleich das Psychogramm eines halben Landes: Ostdeutschland. Ganz beiläufig erzählt der Film von den Nöten und Problemen von Menschen, die um ihre Existenz und ihre Identität gleichermaßen kämpfen. Da sind die Großeltern, die ein Hotel betreiben, das sich nicht mehr rechnet, die Eltern, die getrennte Wege gehen, da ist die Tante, die mit einem Kulturprojekt frischen Wind in die Provinz bringen will. Über den Film könnte man als Überschrift den Titel eines älteren Bestsellers setzen: "Die Geschichte von fast allem". Und das ist eine Qualität, denn in der Summe all dieser Figuren fängt der Film auf magische Weise etwas sehr Wertvolles ein: ein Lebensgefühl. "Etwas ganz Besonderes" kommt am 9. Juli in die Kinos.

"Die Walküre" feiert Premiere in München

Die Bayreuther Festspiele feiern 2026 150-jähriges Jubiläum. Doch Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" ist längst nicht mehr nur in Bayreuth zu Hause. Im Jubiläumsjahr gibt es große Konkurrenz weltweit, mit hochkarätigen Inszenierungen. Bei den Münchner Opernfestspielem feierte jetzt die Oper "Die Walküre" Premiere in einer Neuinszenierung von Tobias Kratzer, der 2024 mit "Rheingold" bereits den ersten Teil vom "Ring" neu inszenierte.

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