Kultur
"Kulturzeit" vom 05.02.2026: Neonazi-Aussteigerprogramm für Beate Zschäpe?
Die Themen der Sendung: Beate Zschäpe, Druck auf den Sozialstaat - Gespräch mit Martyna Linartas, Film "No Ohter Choice", Art Basel in Katar.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2025
- Datum:
- Sendetermin
- 06.02.2026
- 06:20 - 07:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
Nach dem Schweigen - Beate Zschäpe und die zweite Geschichte des NSU
Beate Zschäpe stand vor knapp acht Jahren das letzte Mal in der Öffentlichkeit, als sie im Prozess um den "Nationalsozialistischen Untergrund" zu lebenslanger Haft mit besonders schwerer Schuld verurteilt wurde. In Dresden ist sie nun Zeugin im Prozess gegen Susan E., ihre beste Freundin im Untergrund. Angeklagt unter anderem wegen Terrorunterstützung. Warum dieser Prozess, so spät und gerade jetzt?
Druck auf den Sozialstaat? Gespräch mit Martyna Linartas
Obwohl Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt gehört, ist fast jeder sechste von Armut bedroht - so aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Armutsgefährdet sind Menschen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung beträgt. Bei Alleinlebenden in Deutschland sind das 1446 Euro netto im Monat. Am stärksten armutsgefährdet sind Arbeitslose, Alleinerziehende sowie Rentner. Und der Druck auf den Sozialstaat nimmt weiter zu. Zuletzt etwa durch Vorschläge der Mittelstands-Union Zahnarztkosten aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen oder das Diskreditieren von Teilzeit als "Lifestyle" durch den CDU-Wirtschaftsrat. Auch die Kluft zwischen Arm und Reich wächst weiter. Das Leistungsprinzip gelte in Deutschland schon lange nicht mehr, so die Politologin Martyna Linartas. Wo man in der Gesellschaft stehe, entscheide sich zunehmend danach, in welche Familie man hineingeboren wurde. Mehr als die Hälfte des Privatvermögens werde vererbt, oder als Schenkung weitergereicht. Dabei würden Erbschaften zu wenig besteuert - auf Betriebsvermögen werde kaum oder gar keine Erbschaftssteuer fällig. Wir sprechen mit der Politikwissenschaftlerin.
Neu im Kino: "No Other Choice"
Ein Angestellter aus Südkorea verliert nach seiner Entlassung jegliche moralische Orientierung. Als er nach einem Jahr immer noch keinen guten Arbeitsplatz gefunden hat und ihm der weitere soziale Abstieg droht, beginnt er, Konkurrenten um eine neue Anstellung systematisch auszuschalten. Von dieser radikalen Prämisse aus entfaltet sich in der schwarzen Komödie eine groteske Kapitalismuskritik, die Thriller- und Satireelemente verbindet. Überzeichnung und eskalierende Missverständnisse dienen dazu, Konkurrenzdruck und Gesichtsverlust sichtbar zu machen. Die Zuspitzung ist kalkuliert und trifft den Nerv der Arbeitswelt, die zugunsten von Profitmaximierung immer unmenschlicher wird.
Art Basel in Katar
Nach Miami, Paris und Hongkong wird nun auch Katar zum Austragungsort für die Art Basel, die als wichtigste Kunstmesse der Welt gilt. Die neue Expansion wird nicht nur in Basel kritisch gesehen. Welche Kompromisse die Art eingehen muss, um in Doha erfolgreich zu sein, ist eine der offenen Fragen.