Kultur
KI-Propaganda mit Lego-Männchen
Die Themen der "Kulturzeit" vom 05.05.2027: KI-Propaganda, Met-Gala, Lokaljournalismus - Gespräch mit Markus Knall, das Dossier Josef Mengele, Kulturhauptstadt L'Aquila, Dr. Pop "Macht Musik".
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 05.05.2026
- 19:20 - 20:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
KI-Propaganda mit Lego-Männchen
Satire, Propaganda und der Kampf um die Deutungsmacht: Schon seit Beginn des Iran-Krieges fluten iranische Produktionsfirmen, die wohl von der iranischen Regierung selbst beauftragt sind, Plattformen mit KI-Clips, die sich über den US-Präsidenten als Lego-Männchen lustig machen. Sie sind unterhaltsam, schnell – und gehen viral. Aber sie pushen auch hochproblematische Stereotype, die USA und Israel als teuflische Mächte zeigen. Aber auch die USA nutzen KI derzeit als Mittel, um sich als Gewinner des Krieges zu inszenieren.
Met-Gala - zwischen Glamour und Protest
Zahllose Stars und Prominente haben in New York die alljährliche Met-Gala gefeiert und dabei unter dem Motto "Mode ist Kunst" spektakuläre Outfits präsentiert. Eröffnet wurde der Wohltätigkeitsball von der US-Tennisspielerin Venus Williams und Schauspielerin Nicole Kidman als Co-Schirmherrinnen. Die Met-Gala findet traditionell am ersten Montag im Mai statt und finanziert die Modeabteilung des Metropolitan Museums. Jahrzehntelang war sie ein Treffen der New Yorker High Society.
Seitdem die langjährige "Vogue"-Chefredakteurin Anna Wintour in den 90er Jahren die Organisation übernahm, machte sie die Gala zu einem der wichtigsten Schaulaufen der Reichen und Berühmten, bei dem Stars darin wetteifern, möglichst spektakuläre Outfits vorzuführen. Die diesjährige Gala spülte dem Met-Modeinstitut die Rekordsumme von 42 Millionen US-Dollar (rund 36 Millionen Euro) in die Kassen, wie Museumschef Max Hollein bilanzierte. Im Vorfeld hatte es Kritik daran gegeben, dass Amazon-Boss Jeff Bezos und dessen Frau Lauren Sanchez Bezos als Sponsoren und Co-Gastgeber fungierten. Aktivisten hatten wegen Bezos' Beteiligung zum Boykott aufgerufen und hunderte Urin-Fläschchen mit Bezos Foto in die Met geschmuggelt und abgestellt, um gegen die Arbeitsbedingungen von Amazon-Mitarbeitern zu protestieren.
Tag des Lokaljournalismus - Gespräch mit Markus Knall
Zum Frühstück die Lokalzeitung in der Hand? Für 300 Abonnenten der "Ostthüringer Zeitung" war das mal. 2023 hat der Verlag die Zustellung in elf Gemeinden rund um Greiz eingestellt. Kosten für Papier, Transport und Person seien einfach zu hoch, so der Verlag. Wer auf ein digitales Abo umstieg, bekam sogar ein kostenloses Tablet dazu. Doch das Experiment der Funke Mediengruppe glückte nicht: 47 Prozent der betroffenen Abonnenten kündigten - endgültig.
Das ist bundesweit kein Einzelfall. Die "Ostthüringer Zeitung" und die "Thüringer Allgemeine" versuchen die digitale Transformation: Reporterinnen und Reporter erzählen ihre Storys schon längst auch auf Instagram und weiteren Social Plattformen. Wenn die Abos sinken, der Lokaljournalismus mit Kostendruck kämpft, dann kommen neue Akteure auf den Plan: Nirgendwo sonst gibt es so viele Gratiszeitungen und Anzeigenblätter wie in Thüringen und Sachsen. Sie heißen "Neues Gera", "Bürgerzeit aktuell", "Kurier Altenburger Land" oder "Heimatbote Vogtland". Sie flattern kostenlos ins Haus und verstecken oft nicht, dass dahinter teilweise AfD-Funktionäre als Herausgeber stehen - mit eigenen Artikeln in den Blättern.
Leidet die Funktionsfähigkeit der Demokratie, wenn der Lokaljournalismus in Gefahr gerät? Medienwissenschaftler Christian-Mathias Wellbrock von der Hamburg Media School analysiert: Das politische Wissen, das Interesse an Politik und somit auch die Wahlbeteiligung leidet so sehr, dass über eine Förderung von Lokaljournalismus nachgedacht werden sollte. Der Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai ist eine Kampagne von lokalen Medien bundesweit - mit Newscamps für Kids, Redaktionesbesuchen und Pop-Up-Redaktionen. Wir sprechen mit Markus Knall, Chefredakteur der Mediengruppe Ippen.Media.
Schweizer Bundesarchiv gibt Dossier zu Josef Mengele frei
Der Schweizer Nachrichtendienst (NDB) gewährt überraschend Einsicht in das Dossier über den NS-Arzt und Kriegsverbrecher Josef Mengele im Bundesarchiv. Zuvor hatte der NDB den Zugang jahrelang unter Verweis auf den Quellenschutz verweigert.
Europäische Kulturhauptstadt L'Aquila
2009 hat ein Erdbeben die italienische Stadt L'Aquila in den Abruzzen größtenteils zerstört. Mehr als 300 Menschen kamen ums Leben, 70.000 Menschen wurden obdachlos. Unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi wurden rasch Unterkünfte gebaut, die erdbebensicher sein sollten. Doch bald traten erste Baumängel auf. Inzwischen ist ein Drittel der Wohnungen aufgrund von Verfall und Witterung nicht mehr bewohnbar, andere Häuser sind nun günstige Sozialwohnungen, doch auch ihr Zustand verschlechtert sich. Neben längst renovierten Objekten stehen andere, die noch eingerüstet sind. Dennoch, oder gerade deshalb ist L'Aquila Europäische Kulturhauptstadt 2026, neben Oulu in Finnland. 300 Events, Ausstellungen und Konzerte sind im Kulturhauptstadtjahr geplant.
Wunderwaffe: Dr. Pop meint "Macht Musik!"
Wer regelmäßig unter der Dusche singt, hat ein besseres Immunsystem. Und wenn ältere Menschen zum ersten Mal Klavier lernen, können sie besser einparken. Der Musikwissenschaftler und Kabarettist Dr. Pop, alias Markus Henrik, schreibt unterhaltsam über die Wunderwaffe Musik, die klüger und glücklicher machen kann. Das Buch "Macht Musik!" beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und ist gleichermaßen Appell wie Analyse.