Kultur

Grönlands koloniale Narben

Die Themen der "Kulturzeit" vom 11.02.2026: Grönlands Weg zur Selbstbestimmung, neue Oper für Hamburg in der Kritik, "Ein Mädchen verließ das Zimmer" im Literaturgespräch mit Beate Tröger, Simon Beck.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2025
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 11.02.2027

Die Themen der Sendung:

Grönlands langer Weg zur Selbstbestimmung

Dänemark gilt oft als "hygge", doch Grönlands Geschichte erzählt etwas anderes. Die koloniale Vergangenheit wirkt bis heute nach. Obwohl die Insel 1953 formal nicht mehr Kolonie war, blieb sie Teil des dänischen Königreichs – mitsamt Abhängigkeiten und kultureller Abwertung. Die Anthropologin und Journalistin Martine Lind Krebs, deren Mutter Inuit ist, beschreibt diese Geschichte in ihrem Buch "Monument". Sie sammelt Erzählungen, die zeigen, wie tief koloniale Eingriffe das Leben vieler Grönländerinnen und Grönländer geprägt haben.

Besonders traumatisch waren zwei staatliche Maßnahmen der Nachkriegszeit: Die "Spiralenkampagne", bei der ab den 1960er Jahren dänische Ärzte mehr als 4000 grönländischen Mädchen und jungen Frauen ohne ausreichende Aufklärung Verhütungsspiralen einsetzten. Erst eine aktuelle Regierungsstudie belegte das Ausmaß. Und die Umsiedlung von 22 Kindern 1951: Die Fünf- bis Neunjährigen wurden aus ihren Familien gerissen, nach Kopenhagen geschickt und sollten dort "dänische Werte" verinnerlichen. Manche sahen ihre Eltern nie wieder. Diese Geschichte prägt die aktuelle politische Stimmung. Masaana Egede, Chefredakteur des Inuit Mediums "Sermitsiaq" in Nuuk, kritisiert seit Jahren die fortbestehende Geringschätzung gegenüber Grönländer*innen. Mit Donald Trumps Plänen sich Grönland einzuverleiben ist dieses Gefühl zurückgekehrt, aber auch der Wille sich dagegen aufzulehnen.

Neue Oper ja, Dokumentationszentrum nein? - Der Unternehmer Kühne, die Stadt Hamburg und ihr Umgang mit dem Holocaust

Mit einer neuen Oper will sich Unternehmer Klaus-Michael Kühne in Hamburg ein Denkmal setzen. Die Stadt freut sich über das großzügige Geschenk von einem der reichsten Deutschen, einen spektakulären Entwurf gibt es dafür schon. Mit der Aufarbeitung der Rolle von Kühne+Nagel während der Nazi-Zeit läuft es aber nicht ganz so rund. Und auch Hamburg tut sich mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen schwer: Der Baustart eines geplantes Dokumentationszentrums, das auch ein dunkles Kapitel von Kühnes Geschichte erzählen soll, verzögert sich seit Jahren. Es ist kompliziert, denn auch hier hat sich die Stadt Hamburg von einem anderen privaten Sponsor abhängig gemacht, der aber nicht anfängt zu bauen.

Ulrikka S. Gernes "Ein Mädchen verließ das Zimmer" - Literaturgespräch mit Beate Tröger

Die einsame 14-jährige Tanja, Tochter eines Künstlerpaares, das mit sich selbst beschäftigt ist, lernt 1980 den viel älteren charismatischen Schriftsteller Eg kennen. Dieser beginnt sich in ihr Leben einzuschleichen, sie zu manipulieren und zu missbrauchen. Es entspinnt sich ein erschütternder Roman über eine gestohlene Kindheit durch Grooming, dem gezielten Locken eines Kindes in eine Missbrauchsbeziehung. Jahre später blickt Tanja zurück auf ihre verlorene Jugend und fragt: Warum hat niemand sie beschützt? Der Debütroman der dänischen Dichterin Ulrikka S. Gernes wurde in ihrem Heimatland zu einem Bestseller. Wir sprechen darüber mit der Literaturkritikerin Beate Tröger.

Schneekünstler Simon Beck

In den französischen Alpen sieht man aus dem Skilift geometrische Strukturen. Früh am Morgen ist Simon Beck im Skigebiet Les Arcs aufgebrochen, um ein neues Kunstwerk in den Schnee zu treten – mit Schneeschuhen. Stundenlang macht er tausende Schritte mit Kompass und Maßband, um Mandalas zu hinterlassen, die man nur von oben sieht. Seine größte Sorge ist, dass Pistenraupen oder unachtsame Skifahrer sein Werk kaputtfahren.

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