Kultur
Film "Gentle Monster" über Kindesmissbrauch
Die Themen der "Kulturzeit" vom 16.09.2026: "Gentle Monster", Buch "Ein ungehaltenes Plädoyer" - Gespräch mit Christina Clemm, Leipziger Buchkinder vor dem Aus?, Castorfs "Mephisto", Van Gogh.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Verfügbar
- weltweit
- Verfügbar bis:
- bis 16.12.2026
Die Themen der Sendung:
Kinostart von "Gentle Monster"
Was, wenn plötzlich die Polizei vor der Tür steht und den geliebten Mann verhaftet - der Vorwurf: Pädophilie! Ist der heiß Geliebte am Ende ein Monster? Mit diesem alles erschütternden Zweifel sieht sich die Musikerin Lucy konfrontiert, als bei Philip Kinderpornografie gefunden wird. Léa Seydoux spielt atemberaubend diese Lucy, die lange an ihrem Mann festhalten will, das Unerhörte nicht fassen kann und sich irgendwann fragen muss, wie weit die Verstrickung geht und ob auch der gemeinsame Sohn Opfer des eigenen Vaters geworden ist. "Gentle Monster" ist eine der klügsten Annäherungen an das Thema Pädophilie, weil die Regisseurin und Drehbuchautorin es sich nicht leicht macht und die Gleichzeitigkeit von Liebenswürdigkeit und Monstrosität des Täters zulässt, ein Widerspruch, an dem Lucy fast zerbricht. Der Film ist ein leises und immer tiefer in Abgründe blickendes Who-Dunnit, bei dem nahezu jeder seine Unschuld verliert, sogar die ermittelnde Polizistin (Jella Haase). Wann sehen wir weg und machen uns mitschuldig, fragt der Film.
Sachbuch "Ein ungehaltenes Plädoyer" - Gespräch mit Christina Clemm
Christina Clemm ist Familienrechtlerin und Strafverteidigerin. Seit fast 30 Jahren vertritt sie Opfer geschlechtsspezifischer und rassistisch motivierter Gewalt. In ihrem neuen Buch "Ein ungehaltenes Plädoyer" nimmmt sie die Leser*innen mit in den Gerichtssaal. Dorthin, wo sie unzählige Male "zu einer Zeugin des Leids" wurde, "das so vielen Menschen zugefügt wird, einer Zeugin der Strukturen, die Gewalt fördern oder zumindest nicht verhindern, deren Auswirkungen und des (staatlichen) Umgangs mit schwerer Gewalt", so Clemm. Denn sie ist überzeugt: Das, was in diesen Verfahren verhandelt wird, geht uns alle an. Wir sprechen mit Christina Clemm über Gewalt gegen Frauen und ihre gesellschaftliche Relevanz.
Mehr zu Gewalt gegen Frauen
Leipziger Buchkinder vor dem Aus?
Es liest sich wie eine fast märchenhafte Erfolgsstory. Seit seiner Gründung im Jahre 2001 hat der Leipziger "Buchkinder e.V." mehr als tausend Titel herausgebracht, 16.000 Exemplare in der Schreibwerkstatt von Hand gebunden. Jede Woche bietet der Verein eine Heimat für 200 Kinder, die ihre eigenen Bücher schreiben, gestalten und binden. Aus Kindern und Jugendlichen vom Krippenalter bis zu 18 Jahren werden dann Autor*innen, Illustrator*innen, Lektor*innen und Buchbinder*innen. Fünf Deutsche Verlagspreise, zwei Dutzend weiterer Auszeichnungen pflastern den Erfolgsweg, der nun aber vielleicht endet. Denn die Finanznot zwingt die Stadt Leipzig zu Kürzungen – den Buchkindern fehlen 100.000 Euro für Miete, Personal und Materialien. Damit fehlt fast die Hälfte des bisherigen Budgets. Wir haben die Buchkinder besucht.
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