Kultur
Der neue Antisemitismus
Die Themen der "Kulturzeit" vom 02.11.2026: Eva Illouz über den neuen Antisemitismus, Gen Z- Proteste - Gespräch mit Nils Kumkar, JAS' Debütalbum, Regina Ziegler, Forsythe und Eyal in Düsseldorf.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 02.11.2026
- 19:23 - 20:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
Eva Illouz: "Über die Ursprünge des neuen Antisemitismus"
Woher kommt der neue Antisemitismus? Die Soziologin Eva Illouz zeichnet in ihrem Buch "Über die Ursprünge des neuen Antisemititsmus" dessen ideologische Wurzeln nach - vom Nationalsozialismus bis zur antiimperialistischen Linken. In ihrem Buch beschreibt Illouz das Aufkeimen des neuen Antisemitismus so: "Der neue Antisemitismus verwendet das Wort 'Jude' nicht, sondern das Wort 'Zionist'. Ideen haben in der Regel eine lange Geschichte. Und diese hat eine nationalsozialistische Geschichte, die zutiefst antizionistisch war. Eine totalitäre sowjetische Geschichte, die ebenfalls sehr stark gegen Zionisten gerichtet war. Auch die panarabischen Nationalistenbewegungen waren zutiefst antizionistisch, und so treffen diese drei großen intellektuellen Strömungen in den 1970er und 1980er Jahren auf die Linke. Als die Linke beschließt, antiimperialistisch zu werden und sich nicht mehr mit dem Proletariat, sondern mit Kolonialismus und dem Westen zu befassen, genau da übernimmt der Antizionismus die entscheidende Funktion, als Chiffre für Antiimperialismus zu dienen."
"Gen Z regelt"-Demo - Gespräch mit Nils Kumkar
Die Initiative "Gen Z regelt" hatte für den Reformationstag zu Protesten in mehr als 30 Städten aufgerufen. Die Initiative beklagt unter anderem Missstände in der Bildung, soziale Ungerechtigkeiten, steigende Lebenshaltungskosten und spricht sich gegen Militarisierung aus. Überschattet wurden die Demonstrationen von anschließenden Ausschreitungen und Plünderungen von Geschäften, insbesondere in Frankfurt am Main. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) machte dafür gewaltbereite linke Gruppen und "Chaoten aus dem migrantischen Milieu" verantwortlich. Wir sprechen mit dem Soziologen Nils Kumkar.
Wovor hat die "Gen Z" Angst? – das erste Album von JAS
Bundesweit wird zu Protesten der "Gen Z" aufgerufen, also der Generation, die rund um das Jahr 2000 geboren wurde. Vorbild sind die Schülerproteste in Frankreich. Einer aus dieser Gen Z ist der Berliner Popmusiker JAS, der sich mit seinem Lied "Die Jugend hat Angst" zu einer Art Sprachrohr seiner Generation gemacht hat. Jetzt hat er sein Debütalbum veröffentlicht mit dem poetischen Titel "Wir sind so schön verloren".
Zum Tod von Regina Ziegler
Sie zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Film- und TV-Branche und war die erste Frau, die hierzulande eine Produktionsfirma gründete. Nun ist die erfolgreiche Filmproduzentin Regina Ziegler tot. Sie starb unerwartet mit 82 Jahren in Berlin. Ziegler, die am 8. März 1944 in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt geboren wurde, gewann im Laufe ihrer mehr als 50 Jahre dauernden Karriere zahlreiche Preise. Vor rund drei Wochen war sie noch gemeinsam mit Schriftstellerin Jenny Erpenbeck und Regisseur Volker Schlöndorff bei der Frankfurter Buchmesse gewesen. Die Verfilmung des Romans "Heimsuchung - Eine Jahrhundertgeschichte" wurde mit dem Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption 2026 ausgezeichnet.
Forsythe und Eyal an der Deutschen Oper am Rhein
Zwei prägende Handschriften des zeitgenössischen Tanzes treffen an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf aufeinander: William Forsythes "In the Middle, Somewhat Elevated" und Sharon Eyals "Strong". Forsythes Choreografie stellt die klassische Ballettsprache auf den Kopf: roh, überraschend und voller elektrisierender Dynamik. Eyal entwirft mit "Strong" eine hypnotische Tanzwelt mit repetitiven Bewegungen, pulsierenden elektronischen Klängen und einem hochenergetischen Ensemblekörper. Beide Werke zeigen, wie unterschiedlich und radikal zeitgenössischer Tanz mit Bewegungen, Rhythmus und Raum umgehen kann.