Eine Lawine aus Geröll und Eis geht zwischen schneebedeckten Bergen ab.

Kultur

Ein Jahr nach dem Gletschersturz von Blatten

Die Themen der "Kulturzeit" vom 28.05.2026: Gletscher, Türkei - Gespräch mit Can Dündar, Heike Geißlers "Michaela Kohlhaas" - Literaturgespräch mit Katharina Teutsch, Schlingensief-Retrospektive.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
28.05.2026
19:22 - 20:00 Uhr

Die Themen der Sendung:

Die Gletscher als Metapher für eine geschundene Welt?

Vor einem Jahr stürzte im Schweizer Lötschtal der Berg ins Tal. Und mit dem Berg der Birchgletscher. Der Künstler und Fotograf Daniel Schwartz war der letzte, der den Berg mitsamt Gletscher vom Helikopter aus fotografierte. 24 Stunden, bevor die Naturkatastrophe das Dorf Blatten begrub. Schwartz erkundet und fotografiert Gletscher auf vier Kontinenten. Jeder hat seine eigene Gestalt und erzählt seine Geschichte. Aktuell stellt er in Solothurn seine Fotografien aus, sein neues Buch heißt: "Unterwegs zu den Gletschern der Welt". Die Zürcherin Seraina Kobler schreibt Klimafiktion, ihr neues Buch heißt "Im Tal der Schwalben". Darin sinniert sie, inwiefern der Mensch, um Strom zu gewinnen, Naturschönheiten unwiderruflich zerstört. Welche Verantwortung tragen wir für die Alpen? Und dann ist da noch der renommierte ETH-Klimaforscher Reto Knuti. Seit langem schon warnt der passionierte Bergler vor den Folgen des Klimawandels. Denn: Die Temperaturen in den Alpen steigen doppelt so schnell an wie im globalen Durchschnitt, was zu einem schnelleren Schmelzen der Gletscher (des Permafrostes) und damit zum Bröckeln der Berge führt. Was weiß er heute über die Gründe des Bergsturzes? Und inwiefern ist Blatten mittlerweile Synonym für den Klimawandel? Wir haben die drei gefragt, wie sie heute auf den Bergsturz vor einem Jahr blicken und wie es um den Patienten "Gletscher" steht?

Die Opposition in der Türkei unter Druck - Gespräch mit Can Dündar

Die Oppositionspartei CHP, die älteste politische Partei der Türkei, ist seit dem 22. Mai durch ein Gerichtsurteil schwer unter Druck geraten: Die Parteiführung der linksnationalistischen Partei wurde durch eine richterliche Entscheidung abgesetzt. Ein Gericht in Ankara erklärte in einem Berufungsverfahren die Wahl der CHP-Parteispitze im Jahr 2023 für ungültig und enthob Özgür Özel seines Amtes. An den Folgetagen stürmte die Polizei dann gewaltsam den Sitz der CHP in Ankara und zwang Özel, das Gebäude zu verlassen. Auf einer Kundgebung in der Ägäis-Metropole und CHP-Hochburg Izmir, auf der Özel am 26. Mai das Wort ergreifen wollte, ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Kritiker werten die Gerichtsentscheidung als den jüngsten Versuch des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, seine wichtigsten politischen Rivalen im Vorfeld der spätestens 2028 anstehenden Präsidentschaftswahl aus dem Weg zu räumen. Wir sprechen mit dem Journalisten Can Dündar über die Situation in der Türkei.

Heike Geißlers "Katharina Kohlhaas" im Literaturgespräch mit Katharina Teutsch

Heinrich Kleists Novelle "Michael "Kohlhaas" ist seit Generationen Schulstoff. Darin erzählt er von einem Pferdehändler, der sich ungerecht behandelt fühlt und in seiner unbändigen Wut zum Mörder wird. Heike Geißlers Michaela Kohlhaas ist eine Frau in den 40ern, die als Friedhofsverwalterin in Leipzig arbeitet. Als sie erfährt, dass ihre Stammkneipe von einem steinreichen Galeristen übernommen worden ist, lässt sie in ihrer Empörung alles, was sie bindet und verpflichtet, liegen und stehen - und beginnt einen Kampf gegen die Maßlosigkeit von Geld- und Machtgier. Diesen führt sie aber nicht mit Waffen, sonder mit Provokation. Wie eine Obdachlose zieht sie durch die Straßen, kommt mal hier, mal da unter und demonstriert ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung. Wir sprechen mit der Literaturkritikerin Katharina Teutsch über den Roman.

Christoph Schlingensief-Retrospektive in Wien

Die Werke von Christoph Schlingensief sprengen zwischen Irritation und Erkenntnis alle Grenzen. Sein ausgeprägtes soziales Gewissen lässt den Künstler glauben, dass man die Welt verändern kann und sogar muss. Die künstlerische Auseinandersetzung mit Fremdheitsdiskursen und populistischen Mechanismen macht deutlich, wie aktuell Schlingensiefs Werk ist. Das Wiener MAK thematisiert unter dem Titel "Es ist nicht mehr mein Problem!" die radikalen Aktionen des Filmemachers, politischen Aktivisten, Theater- wie Opernregisseurs, bildenden Künstlers und Bestsellerautors.

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