Kultur

Meinungsfreiheit: Journalist sanktioniert

Die Themen der "Kulturzeit" vom 19.06.2026: Meinungsfreiheit - der Fall Doğru, Audio-Archiv DDR-Unrecht, Muzeum Susch in der Schweiz, Bayreuth muss bei Jubiläums-Feier sparen, Pianist Maksim Shadko.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Verfügbar in
D / CH / A
Verfügbar bis:
bis 19.07.2026

Die Themen der Sendung:

Der Fall Hüseyin Doğru

Wo handelt es sich um Meinung - und wo beginnt systematische Desinformation? Letztere zu bekämpfen, ist ein großes Anliegen der Europäischen Union. Um systematische Informationsmanipulation im Sinne Russlands zu verhindern, hat die EU vor einem Jahr den deutschen Staatsbürger Hüseyin Doğru auf die Sanktionsliste der EU gesetzt - für ihn bedeutet dies unter anderem das Einfrieren aller Konten und ein Einreiseverbot, obwohl der Journalist in Berlin lebt. Wie gut verträgt sich dieses Instrument der EU-Sanktionen mit dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit? Dem ehemaligen Betreiber der Social-Media-Plattform "RED" wird vorgeworfen, mit pro-palästinensischer Berichterstattung hierzulande für Destabilisierung zu sorgen.

Wie klang ein DDR-Gerichtsaal? Ein Audio-Archiv macht Schauprozesse und Unrecht erlebbar

Mit der neuen Online-Audio-Edition "Töne der Repression" macht das Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv Tonaufnahmen von Spionageprozessen der DDR systematisch zugänglich. Die Aufzeichnungen geben einen Einblick in Abläufe politischer Strafjustiz und dokumentieren damit nicht nur Inhalte, sondern auch Sprache, Tonfall und Dynamiken im Gerichtssaal. Die Aufnahmen eröffnen neue Perspektiven auf die Inszenierung von Gerichtsprozessen und die Arbeit der Geheimdienste im Kalten Krieg. Aufnahmen von weiteren Prozessen folgen sukzessive in den kommenden Jahren.

Zum Editionsstart steht ein besonders aussagekräftiger Schauprozess aus dem Jahr 1955 online: das Verfahren gegen Wilhelm Lehmann und sechs weitere Angeklagte vor dem Obersten Gericht der DDR vom 9. bis 13. Juni 1955. Der Prozess steht exemplarisch für die politische Instrumentalisierung von Strafverfahren im frühen Kalten Krieg und für die enge Verzahnung von Staatssicherheit, Justiz und Propaganda.

Muzeum Susch im Engadin zeigt Werke von Mariliccia Secol

Es ist ein wahnwitziges Projekt im kleinen Engadiner Dorf Susch: In den letzten elf Jahren hat die polnische Unernehmerin und Kunstmäzenin Grazyna Kulczyk hier die Gebäude eines verlassenen Klosters sorgfältig restauriert und erweitert. Das Museum, das sie darin errichtet hat, sei die Antithese zum gehetzten und überwältigenden Museums-Betrieb in den urbanen Zentren. So sagt es der polnische Autor Pawel Gozlinski in einem Essay. Die Gründerin selbst spricht von Gegengewicht, von einer bedächtigeren Auseinandersetzung mit Kunst.

Hier wird nun erstmals das Werk der heute 96-jährigen italienischen Künstlerin Mariuccia Secol umfassend sichtbar. Gemälde, Skulpturen, Collagen – oft aus Kleidern und Stoffen geschaffen. Und immer als Aussage gegen Ungerechtigkeit, für Gleichberechtigung. Werke aus sieben Jahrzehnten sind ausgestellt, die meisten zum ersten Mal. Sie lagerten nicht in Museen oder Depots, sondern bei der Künstlerin zuhause.

Bayreuth muss bei 150-jährigem Festspiel-Jubiläum sparen

Die Stadt Bayreuth muss bei ihren ambitionierten Plänen für das 150-jährige Jubiläum der Wagner-Festspiele weitere Abstriche machen. Nachdem bereits eine geplante Festmeile gestrichen wurde, sagte die Stadt nun auch eine Drohnenshow, einen Street-Art-Ring und die Lange Nacht der Kultur ab, wie der Deutschlandfunk berichtet. Oberbürgermeister Andreas Zippel begründete die Einsparungen damit, dass er nach Durchsicht der Unterlagen festgestellt habe, dass im Kulturreferat Fördergeld doppelt einkalkuliert worden sei. Dadurch sei nach jetzigem Stand eine Finanzierungslücke von etwa 344.000 Euro entstanden. Zippel ist seit dem 1. Mai im Amt und führt interimsweise auch das Kulturreferat der Stadt.

Der ukrainische Pianist Maksym Shadko

Musik und Kunst sind Teil eines Kampfes um Identität und Sichtbarkeit geworden. Welche Verantwortung tragen Kunstschaffende im Krieg? Pianist Maksym Shadko ist anders als viele andere Musikerinnen und Musiker in der Ukraine geblieben. Er konzentriert sein Repertoire auf ukrainische Komponisten. Kultur ist in Kriegszeiten keine Nebensache und häufig mehr als Unterhaltung: Sie wird Teil des Widerstands. 

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